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Wolfsburg gewinnt irren Shootout

Von Daniel Reimann
Sonntag, 01.03.2015 | 19:24 Uhr
Bremen und Wolfsburg lieferten sich ein spektakuläres Duell
© Getty
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Der VfL Wolfsburg hat in einem spektakulären Spiel Werder Bremen mit 5:3 (2:3) geschlagen. Bas Dost und Daniel Caligiuri schnürten einen Doppelpack, während Kevin de Bruyne durch drei Vorlagen glänzte.

Vor 40.126 Zuschauern im Weserstadion entwickelte sich von Beginn an eine wilde Partie. Werder ging durch Zlatko Junuzovic in Führung (9.), die Daniel Caligiuri prompt egalisierte (10.). Nach dem Treffer von Franco Di Santo (16.) war es schließlich Maximilian Arnold, der Wolfsburg zurück brachte, ehe Vieirinha mit einem Eigentor den alten Abstand wiederherstellte.

Nach der Pause sorgte Wolfsburg für einen spektakulären Dreierpack. Bas Dost (48. und 51.) sowie Caligiuri (53.) drehten die Partie in Rekordzeit. Noch nie war es einer Mannschaft gelungen, in den acht Minuten nach Wiederanpfiff drei Tore zu erzielen.

Wolfsburg ist damit seit nunmehr elf Spielen in der Liga ungeschlagen, während Bremen nach sechs Partien ohne Niederlage die erste Pleite hinnehmen muss.

Die Reaktionen:

Viktor Skripnik (Trainer Werder Bremen): "Ich kann meiner Mannschaft eigentlich keine Vorwürfe machen. Natürlich sind unsere vielen Gegentore ärgerlich, aber wir werden unseren Weg weitergehen. Jetzt kommt es darauf an, unsere Pokalaufgabe in Bielefeld gut zu erledigen."

Dieter Hecking (Trainer VfL Wolfsburg): "Wir haben uns in Bremen zu einer guten Leistung aufgeschwungen. Die Gegentore sind mir etwas zu leicht gefallen, aber wir hatten sofort eine Antwort. In vielen Phasen haben wir zu viele lange Bälle gespielt,

Zlatko Junuzovic (Werder Bremen): "Wir haben von der ersten Sekunde an eine super Mannschaftsleistung geboten. Aber in zehn Minuten haben wir es dann verbockt."

Thomas Eichin (Geschäftsführer Sport Werder Bremen): "In der ersten Halbzeit war es ein Spektakel für die Zuschauer. Nach der Pause bekommen wir ein saudummes Gegentor, da haben wir uns in acht Minuten alles kaputt gemacht. Es war klar, dass unsere Serie irgendwann reißt, aber heute war es unnötig."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Drei Wechsel in der Bremer Startaufstellung im Vergleich zum 1:1 auf Schalke: Öztunali, Prödl und Sternberg beginnen für Garcia (Bank), Bartels (Gelbsperre) und Lukimya (Bauchmuskelzerrung).

Im Vergleich zur Europa League tauscht Hecking auf vier Positionen: Für Träsch, Schürrle, Knoche und Rodriguez (alle Bank) dürfen Schäfer, Arnold, Caligiuri und Klose von Beginn an ran.

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9., 1:0, Junuzovic: Schäfer rutscht im Zweikampf mit Öztunali weg, der nutzt dies zu einem klugen Pass von der rechten Grundlinie in den Rücken der Abwehr, wo Junuzovic einläuft und aus sieben Metern unbedrängt einschiebt

10., 1:1, Caligiuri: Wolfsburg schlägt sofort zurück. Schäfer, der eben noch gegen Öztunali das Nachsehen hatte, setzt sich auf links gut durch und bringt den Ball halbhoch nach innen. Wolf kann die Kugel nur nach vorne abwehren, wo Caligiuri lauert und zum Ausgleich einschiebt.

16., 2:1, Di Santo: Was ist denn hier los? Die Bremer schütteln sich nach dem Ausgleich kurz und gehen sofort wieder in Führung. Zum zweiten Mal setzt sich Öztunali auf rechts durch und bringt diesmal eine Flanke nach innen, wo Di Santo sich am ersten Pfosten gut löst und mit dem rechten Fuß zum 2:1 trifft.

18., 2:2, Arnold: Und wieder ist Wolfsburg nicht um eine postwendende Antwort verlegen. De Bruyne überläuft nach einem hohen Ball auf rechts Sternberg und serviert eine butterweiche Flanke, die Arnold per Flugkopfball zum erneuten Ausgleich verwertet.

27.: Aus dem Nichts kommt Werder zur nächsten Torchance. Felix Kroos zieht aus gut 20 Metern ab, doch Benaglio passt auf und klärt mit guter Parade zur Ecke.

28., 2:3, Vieirinha (Eigentor): Die nächste Bremer Führung: Nach der Chance von Kroos kommt die Ecke von links vors Tor. Benaglios zu kurze Faustabwehr landet wieder auf dem Fuß von Kroos, der von der Strafraumgrenze direkt abzieht. Vierinha steht für Wolfsburg am langen Pfosten und lenkt den Ball unglücklich durch die Beine ins eigene Tor.

44.: Werder hat mit einem gut ausgespielten Konter die Chance, auf 4:2 zu erhöhen. Junuzovic bedient aus zentraler Position den rechts mitgelaufenen Selke, dessen Abschluss von der Strafraumkante aber knapp links am Tor vorbeistreicht.

48., 3:3, Dost: De Bruyne wird auf rechts steil geschickt, hat viel zu viel Platz und legt vor dem Tor quer in den Lauf von Dost, der aus fünf Metern nur noch ins lange Eck einschieben muss.

51., 3:4, Dost: Der Wahnsinn hat Methode! Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich schlagen de Bruyne und Dost wieder zu. Nach einem langen Ball lässt de Bruyne auf rechts den jungen Sternberg stehen und bringt den Ball nach innen, wo Dost wieder goldrichtig steht und aus kurzer Distanz einnetzt.

53., 3:5, Caligiuri: De Bruyne legt ab auf Vieirinha, der mit einem langen Ball in den Rücken der Abwehr den aus abseitsverdächtiger Position startenden Dost steil schickt. Der macht es diesmal nicht selber, sondern legt allein vor Wolf per Heber quer auf den mitgelaufenen Caligiuri, der die Kugel ins leere Tor schiebt.

Fazit: Vogelwildes Spiel mit einem verdienten Sieger. Werder erwischte zwar den besseren und engagierteren Beginn, fiel aber zwischenzeitlich komplett auseinander.

Der Star des Spiels: Kevin de Bruyne. Kaum ein Bundesliga-Profi hat ein solch geniales Auge für Räume und Mitspieler wie der Belgier. Und noch weniger vermögen es, Pässe und Flanken so unverschämt präzise in den Lauf zu servieren wie er. Seine Assists 13, 14 und 15 dieser Saison waren maßgeblich für den Wolfsburger Sieg. Auch nicht ganz verkehrt unterwegs: Dost und Caligiuri.

Der Flop des Spiels: Janek Sternberg. Der 22-Jährige war auf seiner linken Abwehrseite gewaltig überfordert. Vor dem 2:2 verlor er trotz Vorsprung das Laufduell gegen de Bruyne und ließ ihn flanken. Vor dem 3:4 unterschätzte er einen langen Ball, sodass de Bruyne freie Bahn hatte. Darüber hinaus lange mit miserablen Zweikampfwerten (unter 20 Prozent erfolgreiche Duelle), die erst in der Schlussphase aufgebessert wurden.

Der Schiedsrichter: Marco Fritz. In der Spielleitung lange zuverlässig, in der Körpersprache jedoch ein wenig zurückhaltend, wenn es ruppiger wurde. Als er in der ersten Halbzeit auf taktisches Foul von Arnold entschied, hätte er Gelb zeigen müssen. Beim 5:3 stand Dost im Abseits, wurde jedoch nicht zurückgepfiffen - klare Fehlentscheidung.

Das fiel auf:

  • Die Partie war in der Anfangsphase schon vor dem ersten Tor sehr hektisch. Werder setzte Wolfsburg früh unter Druck, auch wenn die Koordination nicht immer ideal war. Das Mittelfeldzentrum war weitestgehend dicht, weshalb der VfL meist auf die Flügel ausweichen musste. Dort zeigte sich Werder jedoch in Person von Fritz und Sternberg anfällig - so auch vor den Gegentoren.
  • Beim VfL mangelte es in der ersten Halbzeit oft an der nötigen Abstimmung im Defensivverbund. Vor allem Klose und Schäfer, die neu in der Startelf waren, offenbarten Stellungsfehler. Bremens enorm rechtslastiges Offensivspiel fand auf der linken Verteidigungsseite der Gäste immer wieder Lücken.
  • Goalgetter Dost war bei Vestergaard und Prödl lange abgemeldet. Dafür stießen die offensiven Außen Caligiuri und Arnold immer wieder über die Halbräume in den Strafraum vor und stellten die Bremer Viererkette vor Probleme. Im zweiten Durchgang erhielt auch Dost schließlich gewaltige Freiheiten.
  • Im zweiten Durchgang verlor Werder nach dem schnellen 3:3 vollkommen die defensive Ordnung. Aber auch das Offensivpressing wurde vorübergehend eingestellt, weshalb Wolfsburg im Spielaufbau viel Zeit und Raum blieb. Die Gegentore wurden durch eklatante individuelle Fehler begünstigt.

Bremen - Wolfsburg: Die Statistik zum Spiel

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