Samstag, 14.02.2015
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Bundesliga - 21. Spieltag

Geschichtsträchtiger Systemfehler

Roger Schmidt sorgte beim verrückten 4:5 gegen den VfL Wolfsburg für ein Novum in der Trainergeschichte von Bayer Leverkusen. Sein dreifacher Wechsel zur Pause verschob zwar die allgemeine Verunsicherung in Richtung der Wölfe, doch am Ende steht dennoch eine bittere Pleite - aufgrund eines Systemfehlers und des derzeit besten Strafraumstürmers der Bundesliga.

Der blanke Wahnsinn in Leverkusen passt nicht einmal auf die Anzeigetafel
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Der blanke Wahnsinn in Leverkusen passt nicht einmal auf die Anzeigetafel

Erich Ribbeck, Rinus Michels, Christoph Daum, Jupp Heynckes - sie alle haben es nicht gewagt oder auch einfach keinen Grund gesehen. Roger Schmidt aber schon. Er hat nur 21 Bundesligaspiele vergehen lassen, um als Trainer von Bayer Leverkusen in die Historie des Werksklubs einzugehen.

Schmidt setzte zur Halbzeitpause gegen den VfL Wolfsburg ein Zeichen, das gemäß seines präferierten Spielstils als risikoreich bezeichnet werden muss. Noch nie in Bayers Geschichte schöpfte ein Coach zur Pause all seine Wechseloptionen aus. Schmidt aber tat es und hatte auch allen Grund dazu.

Er hätte womöglich noch weitere Kandidaten für eine vorzeitige Pause gefunden. Denn Leverkusen erreichte in den ersten 45 Minuten am Samstagnachmittag den vorläufigen Tiefpunkt einer zuletzt bedenklichen Entwicklung. Unter dem Strich stehen für Bayer nur zwei Siege aus den letzten acht Ligaspielen.

Schmidt: "Es ging um die Würde"

Dass Schmidts extreme Vorwärtsbewegung auch in ein Fiasko münden kann, wenn die Rädchen nicht ineinander greifen und man sich einem selbstbewussten sowie spielstarken Gegner gegenüber sieht, dürfte für den Coach keine neue Erkenntnis sein.

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Doch wie seine Elf auf die beiden frühen und vermeidbaren Gegentreffer reagierte, war tatsächlich ein Fiasko. Bayer agierte kopflos, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden wie die allgemeine Verunsicherung immer größer. Leverkusen war der aufkommenden Hektik, die Wolfsburgs kühles Kombinationsspiel sowie die Unmutsbekundungen auf den Tribünen auslösten, nicht gewachsen. Die Zuschauer waren Zeugen einer Demontage erster Güte.

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"Das Ergebnis zur Pause war standesgemäß", sagte Schmidt im Anschluss. "Danach ging es um unsere Würde als Fußballmannschaft." Dass diese seine Elf im zweiten Abschnitt wiedererlangen würde, war nicht abzusehen. Schmidt setzte mit den drei Hereinnahmen ein Zeichen, das er zu setzen fast schon gezwungen wurde.

Hektik, Hektik, Hektik

Und Wolfsburg? Hatte urplötzlich auch ein Team voller Hektiker. Der VfL, der zuvor wie aus dem Bilderbuch spielte und sich in zahlreichen Abschlusssituationen noch gnädig zeigte, ließ sich nach dem irregulären Treffer zum 1:3 vom wiederkehrenden Glauben und der aggressiveren Spielweise des Gegners regelrecht einlullen.

Wie Leverkusen im ersten Abschnitt verloren die Wölfe nun die Übersicht, agierten überhastet und konnten bis auf die Ausnahme des Tors zum 4:2 nicht mehr für Entlastung sorgen. Ein Stadion, das zuvor noch in einer Art Schockstarre der Dinge harrte, kam aus dem Sattel und beeinflusste gemeinsam mit dem wilden Spielverlauf die Nervenkostüme der Akteure.

"Was nach dem 1:3 passiert, darf nicht geschehen. Wir haben uns von der aufkommenden Hektik anstecken lassen und zu einfache Gegentore bekommen. Auch nach unserem vierten Tor haben wir die Ruhe nicht wiedergefunden", urteilte Wölfe-Trainer Dieter Hecking.

Die besten Bilder des 21. Spieltags
HANNOVER - PADERBORN Augen zu und durch heißt es für Joao Perreira und Alban Meha in dieser Szene - und eigentlich auch für die Zuschauer
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Alles Mühen und Strecken wie hier bei Joselu ist umsonst, beide Mannschaften zeigen lange Zeit kein Fußballfest
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Doch es wurde besser: Marcelo steht vor dem Tor goldrichtig und bringt die Hausherren in Führung
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Aber dann bebt der Gästeblock, denn der SC dreht tatsächlich noch die Begegnung, als Lakic und Meha zum umjubelten 2:1-Auswärtssieg treffen
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HERTHA - FREIBURG: Ja warum denn schon vor dem Spiel so schlecht gelaunt, Herr Streich? Dabei lief doch erstmal alles nach Plan...
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... denn Felix Klaus traf im Berliner Olympiastadion zur Freiburger Führung! Der Mittelfeldspieler netzte mit Hilfe des Innenpfostens, Günter feiert mit
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Ich bin's, der Neue! Pal Dardai hatte sich bei seiner Heimspielpremiere sicherlich eine bessere Leistung seiner Mannschaft vorgestellt
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Auch die Rückkehr von Afrikameister Salomon Kalou brachte bei der Hertha nicht die gewünschte Signalwirkung
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Maximilian Philipp rauscht heran - und trifft! Erstes Bundesligator für den Freiburger Youngster und gleichzeitig der 0:2-Endstand in Berlin
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Thomas Müller eröffnete den unfassbaren Bayern-Torreigen
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8:0! Da darf man durchaus mal feiern.
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LEVERKUSEN - WOLFSBURG: Bei Naldos Freistoß-Knaller zum 2:0 sah Leno alles andere als gut aus
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Vier Treffer erzielte Bas Dost gegen seinen Lieblingsgegner
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Nach dem 0:3 nahmen die Leverkusener erst richtig Fahrt auf
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Die Torhüter erlebten beim Spektakel in Leverkusen keinen guten Tag
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4:4! Karim Bellarabi rastet völlig aus
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GLADBACH - KÖLN: Die Gladbacher Fans mit ihrer etwas eigenen Vorstellung vom Derby
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Die Kölner Fans reagieren etwas eigen auf die Gladbacher Provokationen
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Granit Xhaka entschied das Karnevals-Derby
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Nach dem Spiel herrschte das Chaos in Gladbach
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Die Polizei hatte die Lage in Gladbach jedoch zügig wieder im Griff
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FRANKFURT-SCHALKE: Auch in Frankfurt ging es mit harten Bandagen zur Sache
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Die Frankfurter Fans hatten sich für den 21. Spieltag etwas Besonderes ausgedacht
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Nicht zu fassen! Das Schalker Tor schien in Halbzeit eins wie vernagelt
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Yunus Malli brachte seine Farben nach Rückstand wieder zurück ins Spiel und dankte dem heiligen Rasen für den richtigen Touch...
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...doch der BVB schlug seinerseits zurück! Sehr zum Gefallen von Jürgen Klopp, der wieder einmal seinen sympathischen Siegeswillen zum Besten gab
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Leverkusens Systemfehler

Nach dem 4:4, das Schmidt als gerechtes Endergebnis empfunden hätte, war die Partie gerade dabei, sich halbwegs zu normalisieren. Doch dass am Ende doch noch ein weiterer Leverkusener Patzer hinzu kam und das Spiel Sekunden vor dem Abpfiff entschied, zeigt deutlich, wie fragil Bayers sportliche Identität geworden ist.

Leverkusen geriet durch die Gelb-Rote-Karte für den schwachen Innenverteidiger Emir Spahic in Unterzahl und hätte das Remis natürlich dringend absichern müssen. Dies wäre in den letzten Minuten gegen diese Wolfsburger auch möglich gewesen. Es scheint jedoch, als ob Schmidts Mannschaft das gemeinschaftliche Attackieren fast schon zu sehr verinnerlicht hat.

Anders ist es nicht zu erklären, dass Bayer beim entscheidenden fünften Wolfsburger Tor in Unterzahl (Zwei gegen Fünf!) im Strafraum verteidigte - und dies auch noch in der Nachspielzeit. Eine solche Situation wirft kein gutes Licht auf Schmidts Spielidee, es scheint sozusagen ein Systemfehler. Zwar ist die direkte Champions-League-Qualifikation lediglich vier Punkte entfernt, doch die Verfolger rücken immer näher.

Vollstrecker Dost

Die Diskussionen um Schmidt werden neue Fahrt aufnehmen, wenn sein Team das mitunter naive Verhalten nicht zügig ablegt. Die Moral dürfte nun im Keller angekommen sein, zumal sich Schmidt durch die frühen Auswechslungen zweier Führungsspieler wie Hakan Calhanoglu und Stefan Kießling eine neue Baustelle geschaffen haben könnte.

So bleibt das verrückte Geschehen am Ende die Partie des Bas Dost, der den ersten Viererpack eines Bundesligaspielers seit Claudio Pizarro (beim 9:2 gegen Hamburg im März 2013) markierte. Hecking begründete dessen unheimlichen Lauf im neuen Jahr mit dem Abgang von Ivica Olic, der "ein wichtiges Zeichen" für den Niederländer gewesen sei.

Nun genießt der Stürmer das Vertrauen, das ihm lange Zeit verwährt blieb - und zahlt zurück. Dost ist im Strafraum der derzeit beste Angreifer der Liga und vollstreckt im gegnerischen Rechteck mit beängstigender Sicherheit. Würden das die Leverkusener Offensivkräfte ebenfalls hinkriegen, Roger Schmidt hätte wohl liebend gerne auf seinen Platz in der Geschichte verzichtet.

Leverkusen - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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Jochen Tittmar

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Jochen Tittmar(Redakteur)

Jochen Tittmar, Jahrgang 1982, arbeitet seit 2008 in der Fußball-Redaktion für SPOX.com. Aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, ging es für ihn nach dem Studium der französischen sowie englischen Literatur und Sprache an der Universität Konstanz mit einem Praktikum beim Kicker weiter. Bei SPOX verantwortet er u.a. die Berichterstattung über Dortmund und Schalke. Zudem koordiniert er redaktionelle Projekte.

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