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Vor der Dämmerung

Sonntag, 23.11.2014 | 22:54 Uhr
Der VfB Stuttgart gewann nur eines der letzten sechs Bundesligaspiele
© Getty
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Eigentlich zeigte sich der VfB Stuttgart gegen den FC Augsburg verbessert, doch am Ende stand er wieder mit leeren Händen da. Die Lage ist abermals bedrohlich - dennoch gibt es auch Hoffnung.

Sven Ulreich hatte wahrscheinlich nicht so schnell damit gerechnet, wieder im Tor des VfB Stuttgart zu stehen. Thorsten Kirschbaum musste wegen einer Gehirnerschütterung passen - er hatte unter der Woche im Training einen Ball an den Kopf bekommen.

Manchmal sind es solche Geschichten, die der Fußball schreibt. Ulreich kehrte am Sonntag ins Tor zurück und hielt gegen den FC Augsburg ausgezeichnet. In der 31. Minuten reagierte er gegen Raul Bobadilla ausgezeichnet, den Schuss von Markus Feulner fischt er sensationell aus der Ecke (56.). Ulreich hätte zum Held werden können an diesem Abend. Er wurde es aber nicht.

Gegen den Strafstoß von Paul Verhaegh hatte er keine Chance (72.), der FCA gewann am Ende verdient mit 1:0 und drückte dem VfB die Rote Laterne noch fester in die Hand. Über die Elfmetersituation nach Handspiel von Adam Hlousek und den Platzverweis gegen Daniel Schwaab noch in der ersten Hälfte kann man eventuell diskutieren. Allerdings fasste Antonio Rüdiger die Gemengelage nach dem Spiel passend zusammen: "Der Schiedsrichter ist nicht schuld. Es gab knifflige Szenen, keine Frage. Der Platzverweis hat den Augsburgern in die Karten gespielt. Adam macht eine normale Bewegung, und ich weiß nicht, ob man daher diesen Strafstoß pfeifen muss. Letztlich spielt die ordentliche Leistung aber keine Rolle, da wir das Spiel verloren haben."

Unter dem Strich bleibt: Platz 18

Der VfB hat das dritte Spiel in Folge verloren, steht auf Tabellenplatz 18. Die Angst geht um. Die Angst vor einer ähnlichen Horror-Saison wie im letzten Jahr. Bisher konnte die Elf von Armin Veh noch kein einziges Mal wirklich überzeugen. Neun Punkte aus zwölf Spielen, so schlecht standen die Schwaben noch nie in der Liga da. Auch Veh hat die Lage erkannt: "Die Liga ist unheimlich eng. Das ist eine unheimliche Chance, aber auch ein großes Risiko. Die Bundesliga ist richtig gut geworden, das ist die Gefahr."

Es gibt keine klaren Abstiegskandidaten mehr - in der derzeitigen Verfassung bewirbt sich Stuttgart allerdings redlich um diesen Posten. "Als Tabellenletzter weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Es ist eine extrem brenzlige Situation für uns", sagte VfB-Präsident Bernd Wahler nach dem Spiel beim "Sky": "Es ist offensichtlich, dass wir in großen Schwierigkeiten sind. Der Trend zeigt klar nach unten. Wir haben im Moment zwei Aufgaben. Wir müssen Feuer löschen im Abstiegskampf und parallel dazu müssen wir die Zukunft vorbereiten."

Die Zukunft des VfB Stuttgart sieht derzeit aber alles andere als rosig aus. Die Mannschaft nach eineinhalb nahezu katastrophalen Jahren am Boden, fast gänzlich ohne Selbstvertrauen. Daher wird nun überlegt, den Kader im Winter nachzubessern. "Wir müssen überlegen, wie wir den Kader in der Winterpause weiter verstärken", sagte Wahler.

Baumgartl als Lichtblick

Derzeit geht den Schwaben die Klasse ab, auch wenn die eine oder andere Personalie gegen den FCA ein wenig Hoffnung machte. So war das Startelfdebüt des 18-jährigen Timo Baumgartl durchaus vielversprechend. Gemeinsam mit Rüdiger ließ der zentrale Abwehrverbund wenig zwingende FCA-Chancen zu. Insgesamt zeigte man sich in der Defensive im Vergleich zu den letzten Wochen verbessert.

Augsburg auswärts ist garantiert - bei aller Qualität, die die Fuggerstädter besitzen - nicht der absolute Gradmesser. Dennoch könnte man auf die stabile Leistung im Defensivverhalten aufbauen. Dadurch, dass Schwaab bereits nach 28. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste und Veh Florian Klein für Daniel Ginzcek brachte und somit den einzigen Stürmer opferte, konnte der VfB danach in der Offensive keine Akzente mehr setzen.

Das aber ist seit Saisonbeginn das Problem. Auch mit elf Mann schaffen es die Schwaben nicht, gefährliche Torchancen zu kreieren. Vedad Ibisevic ist seit Wochen verletzt, Ginczek wurde nach seinem Kreuzbandriss erst wieder fit und muss sein Comeback nach knapp 30 Minute aus taktischen Gründen abbrechen.

Ernst der Lage erkannt

Es bleibt also abzuwarten, ob die vorderste Reihe des VfB überhaupt gefährlich sein kann. Der talentierte Timo Werner oder Martin Harnik sind kein richtigen Stoßstürmer. Gegen Augsburg agierte zudem Kapitän Christan Gentner auf der 10. Tendenziell auch nicht unbedingt die Idealbesetzung auf dieser Position.

Bei Alexandru Maxim wartet man seit zwei Jahren auf den nächsten Schritt, Moritz Leitner kann seine Leistungen aus der U21 zu selten im Verein zeigen. Sercan Sararer war erst aussortiert, dann Hoffnungsträger und saß nun in Augsburg wieder auf der Bank. Filip Kostic zeigt gute Ansätze, muss sich aber noch an die Liga gewöhnen - dazu ist allerdings wenig Zeit.

Am kommenden Freitag geht es im nächsten Derby gegen den SC Freiburg, der sich nach schwachem Saisonstart langsam gefangen hat. Alles andere als eine leichte Aufgabe. Man sollte zwar nicht alles negativ im Schwabenland sehen. Allerdings ist es inzwischen doch ziemlich dunkel beim VfB, auch wenn die Niederlage gegen den FCA unglücklich war. Doch man scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben, die nächsten Wochen werden zeigen, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

Kleine Lichtblicke waren waren gegen Augsburg zu sehen. Und die Nacht ist vor der Dämmerung am finstersten.

Stuttgart - Augsburg: Daten zum Spiel

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