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Alexander Rosen im Interview

"Sonst attackiert man die Balljungen"

Samstag, 22.11.2014 | 22:44 Uhr
1899 Hoffenheim kam in München unter die Räder
© getty
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1899 Hoffenheim lieferte beim FC Bayern einen mutigen Auftritt ab, kassierte aber eine am Ende klare 0:4-Niederlage. Alexander Rosen, Direktor Profifußball, stellte sich in der Mixed Zone den Fragen der Journalisten. Im Interview erklärt Rosen seine Sicht des Spiels, den Trend bei 1899 und die Planung in der Winterpause.

Frage: Herr Rosen, wie fällt Ihre Einschätzung zum 0:4 gegen den FC Bayern aus?

Alexander Rosen: Es war ein verdienter Sieg der Bayern, aber wir haben einen aufrichtigen, ehrlichen Versuch gestartet, sie zu ärgern. Wir können in die Kabinen-Spiegel schauen und sagen, wir haben's versucht. Es war ein vergleichbarer Ansatz wie letzte Saison beim 3:3, wenn auch mit einer anderen Formation. Wir wollten mutig sein und pressen. Ich denke, dass wir die Bayern auch empfindlich in ihrer Spielanlage gestört haben. Das berüchtigte Kombinationsspiel über Alonso haben wir unterbinden können, auch das Hochschieben der Außenverteidiger und ihren Schwung über die Seiten.

Frage: Warum hat's dann dennoch nicht zu mehr gereicht?

Rosen: Es ist klar, dass wir sie nie ganz kontrollieren können. Die Super-Qualität der Bayern führt dazu, dass dir Götze das Ding aus 25 Metern oben reinnagelt. Wir sind ihnen auf die Nerven gegangen, solange uns die Füße getragen haben. Nach dem 3:0 war es dann vorbei.

Frage: Hoffenheim hatte beim Stand von 0:0 durch Anthony Modeste und beim Stand von 2:0 durch Adam Szalai zwei gute Chancen, selbst Tore zu erzielen. Waren das die Schlüsselmomente?

Rosen: Wir sind der Meinung, wenn man hier etwas holen will, darf man sich nicht zurückziehen. Man müsste so einen 50:50-Elfer wie bei Rudy bekommen oder ein abgefälschter Schuss müsste mal reingehen. Und man muss die klaren Chancen in den guten Phasen, die da waren, auch nutzen. Den Kopfball von Modeste kann man machen, das Ding von Szalai aus fünf Metern muss man machen, nicht kann, sondern muss, das weiß er selbst. Das 2:1 hätte uns gutgetan, dann hätten wir vielleicht nochmal spannende letzte 15 Minuten erlebt. Das ist alles nicht passiert, also hat Bayern absolut verdient gewonnen.

Frage: Die mutige Spielweise hat dazu geführt, dass Bayern im Aufbau Probleme hatte, aber wenn sie das Pressing überspielt hatten, gab es sehr viel Platz für Spieler wie Robben und Ribery. Ist das die Problematik dieser Herangehensweise?

Rosen: Viel weiter vorne anlaufen kann man eigentlich nicht, sonst müsste man die Balljungen hinterm Tor attackieren. Ich glaube nicht, dass Neuer oder Alonso schon mal so viele Fehlpässe gespielt haben wie heute. Wir waren uns natürlich des Risikos bewusst, wenn der Ball in die letzte Reihe kommt, wartet dort bei Bayern die absolute Top-Qualität. Aber die Aktionen in diesem Bereich waren nicht so zahlreich und gefährlich, wie es das 4:0 vielleicht widerspiegelt. Für uns heißt es: abarbeiten und auf Hannover konzentrieren.

Frage: Am Ende steht aber die dritte Niederlage in Folge mit insgesamt elf Gegentoren. Was sagt das über die Entwicklung aus?

Rosen: Wir bewerten jedes Spiel einzeln. Köln war so etwas wie die Mutter der unnötigen Niederlagen. Das Spiel ist abgehakt und auch nicht zu vergleichen mit den Auswärtsauftritten gegen starke Gladbacher und gegen starke Bayern. Das sind nicht zwingend Spiele, in denen wir sichere drei Punkte einplanen. Jetzt gilt es, den Fokus nicht auf Serien zu legen, das haben wir auch im Positivfall nicht gemacht. Wir müssen versuchen, uns ganz sauber auf die nächste Aufgabe und die Inhalte der nächsten Woche zu konzentrieren. Dann heißt der Gegner Hannover 96.

Frage: Es lief in den ersten Spielen richtig gut, nach zwölf Spieltagen steht Hoffenheim nun mit einem Torverhältnis von 17:18 da. Irritiert sie das?

Rosen: Das Spiel gegen Bayern würde ich gerne rausrechnen. Es nervt ein bisschen, dass wir in zwei Spielen gegen Gladbach und Köln sieben Gegentreffer bekommen haben, also so viele wie in den neun Spielen zuvor. Da müssen wir sicher schauen, eine bessere Balance zu finden und weniger Torchancen zuzulassen. Aber wir kriegen gegen Köln vier Stück und du schaust dir das Spiel in der Video-Analyse an und kommst zu dem Resultat: die schießen fünf Mal aufs Tor, vier Mal von außerhalb des Strafraums und drei gehen rein. Was willst du in so einem Fall mit den Innenverteidigern sprechen? Geh noch einen halben Meter näher ran. Aber ist das ein Wahnsinnsfehler, ist das taktisches Fehlverhalten? Nein, da knallt halt einer, der noch nie ein Tor geschossen hat, zwei rein aus 23 Metern. Herzlichen Glückwunsch.

Frage: Und wie fällt die Schlussfolgerung aus?

Rosen: Man darf jetzt nicht den Fehler machen, das pauschal zu sehen und sagen: Oh, jetzt stimmt die Abwehrleistung nicht mehr, es ist keine Konzentration mehr da, die taktische Ausrichtung ist falsch, oder wir sind zu euphorisch nach vorne gerannt. Nein, man muss jedes Tor für sich betrachten. In München war es so: Beim 1:0 hat Götze eine überragende Aktion, beim 2:0 kommen die Klassiker im Fehlverhalten und die letzten beiden Tore hinten raus, sind dann nicht mehr tragisch.

Frage: Schadet die Rotation im Sturm?

Rosen: Es ist keine Rotation in dem Sinne, das sind immer enge Entscheidungen. Man muss immer schauen, welcher Stürmer passt zum Gegner. Außerdem war Szalai mit der Nationalmannschaft unterwegs und hat auch zwei Mal gespielt. Bis jetzt war es so, dass beide auch getroffen haben. Modeste steht bei vier Toren, Szalai bei drei. Beide hätten heute treffen können - Schrägstrich - müssen. Ich glaube nicht, dass uns das schadet, sondern variabler macht und nicht so leicht auszurechnen.

Frage: Ende November kann man auch schon mal einen Blick auf die Winterpause werfen. Wird Hoffenheim auf dem Transfermarkt aktiv?

Rosen: Wir planen keine große Bewegung auf der Kaderseite, eine Winterpause ohne Transfers ist gut möglich. Ich kann nie ausschließen, dass sich ein Spieler schwer verletzt, dass es jemanden wegtreibt, oder dass Angebote reinkommen, die zu diskutieren wären. Es gibt sicher den einen oder anderen Spieler, der gefühlt zu wenig Spielzeit hat. Deshalb kann es sein, dass Anfang Dezember von Spielerseite aus Gesprächsbedarf besteht und den würden wir dann auch erfüllen. Aber wir sind sehr zufrieden mit der Truppe, so wollen wir in die Rückrunde gehen.

Der Kader von 1899 Hoffenheim

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