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Hannover kassiert Herthas Heimserie

Von Daniel Reimann
Freitag, 07.11.2014 | 22:10 Uhr
Bei Hertha gegen Hannover traf Heimstärke auf Auswärtsschwäche
© Getty
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Hannover 96 hat am 11. Bundesliga-Spieltag die heimstarke Hertha BSC geschlagen. Die Niedersachsen siegten in Berlin in einer ruppigen Partie mit 2:0 (1:0).

Vor 39.710 im Olympiastadion brachte Jimmy Briand die Gäste aus Hannover kurz vor der Pause in Führung (45.). Im zweiten Durchgang erzielte Hiroshi Kiyotake die Vorentscheidung (76.).

Die Hertha kassiert damit nach drei Heimsiegen wieder eine Pleite im eigenen Stadion, während Hannover den dritten Ligasieg in Folge feiert.

Zudem muss Berlin einen weiteren Rückschlag verkraften: Fabian Lustenberger musste verletzt ausgewechselt werden (55.), eine Diagnose steht noch aus.

Insgesamt gab es in der Partie 46 Fouls (24:22), was dem Rekord von Hamburg - Leverkusen (52) am vergangenen Spieltag bemerkenswert nahe kommt.

Reaktionen:

Jos Luhukay (Trainer Hertha BSC): "Wir haben heute nicht die Leistung abrufen können wie in den letzten drei Heimspielen. Es fehlte am Glauben, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Bei beiden Gegentoren wurden individuelle Fehler gemacht. Für Plattenhardt tut es mir sehr leid, da muss er durch."

Tayfun Korkut (Trainer Hannover 96): "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Vor allen Dingen defensiv hat sie sehr viel Solidarität gezeigt und nur wenig zugelassen. Das war unser drittes Spiel zu null in Folge, wir haben jetzt schon 19 Punkte, aber es geht weiter."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Luhukay tauscht seine Startelf auf zwei Positionen: Plattenhardt und Haraguchi spielen für Ndjeng und Niemeyer.

Im Vergleich zum 1:0 gegen Eintracht Frankfurt gibt es bei Hannover zwei Änderungen in der Startelf. Gülselam kehrt nach Gelb-Rot-Sperre zurück, dazu spielt Thesker. Hirsch und Prib müssen weichen.

5.: Heitinga-Rampage, Part I! Der Hertha-Verteidiger drückt Joselu in einem "Kopfballduell" seine Stollen in den Rücken. Macht keinen Sinn, sieht böse aus und hätte Rot verdient. Schiri Sippel pfeift Freistoß.

8.: Heitinga-Rampage, Part II! Diesmal rasselt der Niederländer mit einer heftigen Grätsche Briand um. Hätte mindestens Gelb verdient. Schiri Sippel pfeift Freistoß.

15.: Briand lupft den Ball von rechts auf Bittencourt in den Strafraum. Der 96er nimmt den Ball mit der Brust an und schießt direkt aus acht Metern halbrechter Position aufs Tor. Kraft ist zur Stelle und pariert.

33.: Heitinga-Rampage, Part III! Aller brutalen Dinge sind drei. Heitinga wischt seinem Gegenspieler in einem Kopfballduell die Hand ins Gesicht. Mit viel gutem Willen ein Versehen, dennoch gelbwürdig. Schiri Sippel pfeift Freistoß.

45., 0:1, Briand: Kiyotake bringt eine Ecke von rechts hoch in den Strafraum, dort stehen kaum Hertha-Spieler. Briand kommt aus zwölf Metern halblinker Position zum Schuss und zimmert den Ball ins rechte Eck zum 1:0 für 96.

56.: Kiyotake trifft, doch es ging eine Abseitsstellung voraus. Hertha-Spieler Brooks wollte klären, schoss dabei aber Kiyotake an, von dem der Ball zu einem im Abseits stehenden Mitspieler abprallte.

61.: Gefährlicher Freistoß von Hannover: Kiyotake flankt in den Strafraum, kurze Verlängerung, dann kann Gülselam aus acht Metern köpfen - das Leder fliegt knapp am Tor vorbei.

76., 0:2, Kiyotake: Ein krasser Fehler von Plattenhardt leitet den Gegentreffer ein. Der Berliner erhält ein simples Zuspiel am Mittelkreis, er kann den Ball dennoch nicht stoppen. Dann geht es blitzschnell. Bittencourt treibt an, legt auf Kiyotake, der im Strafraum noch einen Haken schlägt und dann frei aus neun Metern das 2:0 erzielt.

Fazit: Hannover war insgesamt engagierter, konzentrierter und zielstrebiger. Absolut verdienter Dreier.

Der Star des Spiels: Hiroshi Kiyotake. Ganz feine Standards, immer ein Unruheherd, riesen Zweikampfwerte (73 Prozent) und: an beiden Toren entscheidend beteiligt. Das 1:0 bereitete er per Ecke vor, das 2:0 besorgte der Japaner höchst selbst.

Der Flop des Spiels: Aus sportlicher Sicht muss hier Marvin Plattenhard stehen, der zwei üble Blackouts vor den Gegentoren erwischte. Der moralische Flop dieser Partie ist aber Johnny Heitinga. Hat vor dem Spiel wohl geschätzte 850 Gramm rohes Fleisch gegessen. Entweder vollkommen übermotiviert, bösartig oder einfach nur mit ganz unglücklichem Timing in den Zweikämpfen. Womöglich eine Mischung aus allem. Hätte locker eineinhalb mal vom Platz fliegen müssen.

Der Schiedsrichter: Peter Sippel. Zu Heitinga ist bereits alles gesagt. Darüber hinaus mit konsequent nachlässiger Linie. Hosogai sah für eine saftige Grätsche in der 35. Minute kein Gelb, bei Abseitsentscheidungen wurde Sippel zwei Mal von seinen Assistenten im Stich gelassen. Richtig, das vermeintliche 2:0 von Kiyotake wegen vorhergehender Abseitsstellung nicht zu geben.

Das fiel auf:

  • Berlin begann schläfrig und auf riskante Art und Weise passiv. Besonders das Offensiv-Quartett schien es zunächst lange nicht für nötig zu halten, sich ins Spiel gegen den Ball sinnvoll einzubringen. Hannover wurde selbst im gegnerischen Angriffsdrittel noch nicht energisch attackiert und konnte so weitestgehend zweikampflos kombinieren - meist jedoch ohne dabei gefährlich zu werden.
  • Nach etwa einer Viertelstunde fing sich die nervöse Hertha, suchte selbst ihr Glück in schnellem Umschaltspiel und versuchte, Hannovers Anfälligkeit bei Kontern zu nutzen. Besonders die Innenverteidigung von 96 leistete sich dabei den ein oder anderen gravierenden Stellungsfehler.
  • Das Gegentor hätte symptomatisch kaum sein können: Berlin kassierte durch den Treffer von Briand das achte Gegentor nach einer Standardsituation.
  • Nach Wiederanpfiff fand sich Berlin wieder im Modus der Anfangsphase wieder: Nachlässiges Abstimmung, zu große Lücken im Defensivverbund und zu viel Passivität in den Zweikämpfen. Hannovers Kreativköpfe Kiyotake und Bittencourt wussten damit viel anzufangen.

Hertha - Hannover: Die Statistik zum Spiel

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