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Mentalität zum Fürchten

Samstag, 08.11.2014 | 21:50 Uhr
Baskisch-bayerische Gaudi: Xabi Alonso (l.) und Thomas Müller haben gut lachen
© Getty
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Der FC Bayern ist auch nach elf Spieltagen weiter ungeschlagen. Selbst die großen Verletzungsprobleme können der Mannschaft nichts anhaben. Die Qualität im Team ist enorm, kommt aber nur dank der richtigen Einstellung zum Tragen. Das ist bemerkenswert.

Reaktionen:

Thomas Schaaf (Trainer Eintracht Frankfurt): "Bis zum 0:2 waren wir gut im Spiel. Wir haben uns nicht versteckt und waren mutig. Was fehlt ist, dass wir den Gegner mehr in Not bringen. Die vier Tore tun natürlich weh, aber mit dem Spiel meiner Mannschaft kann ich zufrieden sein."

Marco Russ (Eintracht Frankfurt): "Die ganze Welt hat es schwer, gegen die Bayern was zu holen. Wir haben von der ersten Minute an mit sehr viel Risiko gespielt, weil wir früh attackieren wollten. Wir waren schon an Manuel Neuer dran und haben versucht, ihn ein bisschen zu stören. Aber er ist so ausgebufft, dass da kaum was anbrennt."

Timothy Chandler (Eintracht Frankfurt): "Gegen die Bayern ist es immer ein tolles Spiel. Die Fans waren dabei, wir haben ein gutes Spiel abgeliefert. Es ist schade, wenn es dann am Ende so hoch ausgeht."

Pep Guardiola (Trainer FC Bayern): "Es ist immer schwer, gegen eine Mannschaft von Thomas Schaaf zu spielen. Sie waren sehr aggressiv in der Verteidigung. Wir hatten ein paar Probleme mit unserem Aufbau. Die letzten 20 Minuten waren ein komplett anderes Spiel."

Thomas Müller (FC Bayern): "Wir spielen aktuell keinen schlechten Ball. Wir spielen gut, wir spielen mit Plan, mit Konzept. Wir wissen, was wir zu tun haben. Frankfurt war sehr aggressiv. Es war ein anderes Spiel, als wir es die letzten Male gewohnt waren. Es ist auch mal wieder ganz schön, dass man nicht gegen einen 15-Mann-Abwehrriegel mit Bus im eigenen Strafraum anrennen muss. Dadurch, dass Frankfurt vorne Druck gemacht hat, hatten wir ein bisschen mehr Probleme im Spielaufbau. Aber wenn wir dann mal die erste Reihe überspielt hatten, gab es Räume in der Tiefe. Und die haben wir das eine oder andere Mal nutzen können."

Manuel Neuer (FC Bayern): "Die Frankfurter haben viel gekämpft, viel geackert, viel investiert, ein paar Kilometer abgespult. Es war klar, dass deren Kräfte irgendwann nachlassen. Dann kam unsere Zeit. Wichtig war auch, dass wir in der ersten Halbzeit das 1:0 gemacht haben, so war es etwas leichter für uns. Wir haben heute sehr gut verteidigt."

Jerome Boateng (FC Bayern): "Jeder weiß auf jeder Position, was zu tun ist. Ich denke, das ist der Schlüssel. Ob wir bis zum Saisonende ungeschlagen bleiben? Ich denke, das ist zu weit vorgegriffen. Das ist nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es, deutscher Meister zu werden."

Sebastian Rode (FC Bayern): "Die Eintracht hat gut dagegengehalten, hat enormen Druck auf uns ausgeübt, so dass wir nicht ganz so gut von hinten raus spielen konnten. Am Ende hat aber die Kraft etwas nachgelassen, da wurde es ein bisschen deutlicher. Thomas war heute eiskalt vor dem Tor."

Nachbetrachtung:

Es war nicht die spielentscheidende Szene. Aber es war eine Situation, in der die Selbstsicherheit des FC Bayern in dieser Phase der Saison deutlich geworden ist. Manuel Neuer leitete einen halbhohen Rückpass von Rafinha mit einer Mischung aus Außenrist und Hacke direkt zu Xabi Alonso weiter.

Eintracht-Trainer Thomas Schaaf nahm's mit einer anerkennenden Mimik zur Kenntnis. Beim Stand von 3:0 aus Münchner Sicht mag diese Aktion leichter gefallen sein, aber in der Verfassung, in der sich Neuer und die Bayern seit einiger Zeit präsentieren, ist es nicht ausgeschlossen, dass der Torhüter diesen Ball auch bei 0:0 so gespielt hätte.

Weder arrogant noch lässig

Manche Kritiker mögen die Aktion an der Grenze zur Arroganz verorten und darauf hinweisen, man sollte im Gefühl der Überlegenheit den Gegner nicht vorführen. Doch mit Begriffen wie Überheblichkeit, Selbstverliebtheit oder Laissez-faire haben diese Bayern eigentlich nichts am Hut.

Acht Siege und drei Unentschieden stehen nach elf Spieltagen zu Buche, die Münchner führen ungeschlagen die Tabelle an. Im Moment sind es sieben Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz, aber sowohl der VfL Wolfsburg als auch Borussia Mönchengladbach können schon am Sonntag den Abstand wieder auf vier Zähler verkürzen.

Es ist also durchaus noch eng und spannend an der Tabellenspitze, auch wenn der vor der Saison erwartete Zweikampf zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ausgefallen ist. Die Bayern lassen sich vom Absturz ihres größten Konkurrenten der letzten Jahre nicht blenden.

Enormer Hunger, großartige Mentalität

Die Seriosität und die Konzentration, mit der die Bayern ihre Aufgaben angehen, sind bemerkenswert. Natürlich steht auf der einen Seite ein Kader von herausragender Qualität. Aber den haben andere Mannschaften wie Dortmund, Schalke oder Leverkusen auch - zumindest im Vergleich zu besser platzierten Teams.

Und auf der anderen Seite hatten die Münchner so viele Spieler bei der Weltmeisterschaft dabei wie keine andere Mannschaft. Dazu kommt ein prall gefülltes Lazarett. Mit Bastian Schweinsteiger, Thiago Alcantara, Javi Martinez, Holger Badstuber und jetzt David Alaba fehlen fünf potenzielle Startelf-Spieler.

Die entscheidende Komponente in der Erfolgsserie der Münchner ist ihre Einstellung. "Diese Mannschaft bringt einen unglaublichen Hunger mit. Aus diesem Hunger entsteht eine großartige Mentalität und Professionalität", sagt Sportvorstand Matthias Sammer.

Auf alles eine Antwort

Qualität war schon immer ein Merkmal, das den FC Bayern in der Bundesliga auszeichnete und jahrelang an der Spitze hielt. Aber trotzdem waren die Münchner ab und an zu knacken. Man konnte sie schon mal an einem schlechteren Tag erwischen und dann für eine Überraschung sorgen. Diese Konzentrationslöcher scheinen in den letzten Jahren verschwunden. Für die Liga ist das zum Fürchten.

Die Gegner sind immer noch hundertprozentig motiviert, das Spiel gegen Bayern ist für alle ein besonderes. Aber die Bayern haben auf alles eine Antwort. Gegen tief stehende Gegner haben sie mittlerweile einen verlässlichen Schlüssel und wenn eine Mannschaft wie die Eintracht mutig draufgeht und den Spielaufbau behindert, können sie auch körperlich dagegenhalten und sich in Spiele reinkämpfen.

Guardiola noch ohne "richtige" Niederlage

Diese Fähigkeiten haben dazu geführt, dass sich die Bayern mit Spitznamen wie "FC Unschlagbar" auseinandersetzen dürfen. Genau genommen hat zumindest Trainer Pep Guardiola in Deutschland noch keine "richtige" Niederlage kassiert. Als die Münchner in der letzten Saison gegen Augsburg und Dortmund verloren, standen sie schon als Meister fest.

Die letzte Niederlage in einem Spiel, in dem es noch um etwas ging, stammt vom 28. Oktober 2012. Beim 1:2 gegen Leverkusen war Jupp Heynckes noch Trainer. Es ist also keine Plattitüde, wenn Kapitän Philipp Lahm sagt: "Bis zur Winterpause wollen wir unser Ding durchziehen. Das heißt: die Spiele gewinnen. Wir werden auch den Monat nach der Länderspielpause noch knallhart durchziehen."

Eintracht Frankfurt - Bayern: Daten zum Spiel

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