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Der Kader des FC Schalke 04 in der Saison 2014/2015
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Vor dem Start der 52. Bundesliga-Saison stellt SPOX alle 18 Klubs vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: Der FC Schalke 04.

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Vor gut 13 Monaten, als die Vorbereitungsphase zur vergangenen Saison eingeläutet wurde, sah Horst Heldt seine Schalker noch in der Lage, Augenhöhe mit dem Erzrivalen aus Dortmund zu erreichen. Vier Monate später, die Hinserie war bereits in vollem Gange, musste der S04-Manager seine Aussage revidieren.

Die Knappen spielten keine gute erste Saisonhälfte. Dass Trainer Jens Keller im neuen Jahr noch auf der Bank saß, verkam zu einer Überraschung. Doch Jens Keller ist weiterhin Chefcoach der Knappen - weil er mit seinem Team trotz außergewöhnlicher Verletzungsprobleme urplötzlich die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte hinlegte.

Heldt hat auch jetzt wieder während der Vorbereitung eine Forderung parat gehabt: Sein Klub müsse künftig selbstbewusster und selbstverständlicher auftreten. Das vermeintliche Image des Titelträgers der Herzen hat der Manager als ein fortwährend über dem Verein schwebendes Hindernis ausgemacht, das es erschweren würde, ungeahnte Ziele zu erreichen.

Die Aufgabe von Schalke 04 wird in der kommenden Saison darin bestehen, die Konstanz der Ligaspiele des Jahres 2014 zu verstetigen und sich ausgehend von diesem Niveau qualitativ weiterzuentwickeln. Dies wird für die angestrebte Qualifikation zur Champions League auch nötig sein.

Das ist neu:

S04 hat einige Bankdrücker vom Gehaltszettel bekommen und dazu das Team punktuell verstärkt. Mit Sidney Sam ging einer der effizientesten Spieler der vergangenen Hinrunde für einen Spottpreis nach Gelsenkirchen. Der quirlige deutsche Nationalspieler erhöht die Qualität im Angriffsdrittel, soll aber zunächst den wohl für das Restjahr ausfallenden Jefferson Farfan auf der rechten Mittelfeldseite vertreten.

Aus Mainz eiste man zudem Eric-Maxim Choupo-Moting los. Der kamerunische Nationalkicker nimmt im Kader den Platz des nach Hoffenheim transferierten Adam Szalai ein, ist aber deutlich flexibler einsetzbar als der Ungar. Seine Arbeitsgebiete werden zweite oder hängende Spitze sowie klassischer Flügelspieler sein.

In Lars Unnerstall und Timo Hildebrand verließen zwei Torhüter die Königsblauen. Die Reaktion war eine lang beschlossene: Fabian Giefer kam aus Düsseldorf und soll eine starke sowie ambitionierte Nummer zwei hinter dem zuletzt bärenstarken Ralf Fährmann geben. Giefer zog sich kürzlich allerdings eine hartnäckige Adduktorenverletzung zu, die ihn wochenlang pausieren lassen wird. S04 reagierte umgehend und verpflichtete Routinier Christian Wetklo. Der 34-Jährige, der nur 30 Tage bei seinem neuen Verein in Darmstadt unter Vertrag stand, hatte bereits in der Jugend für Schalke gespielt.

Abseits der Personalplanungen zogen die sportlich Verantwortlichen die Leine für die Spieler an, was den Umgang mit körperlicher Fitness und Pflege betrifft. Nachdem in der Vorbereitung erneut zahlreiche Muskelverletzungen auftraten, sah man sich gezwungen, neue Verhaltensregeln aufzustellen, um dieser Problematik zukünftig präventiv entgegenzusteuern.

Eigenverantwortlichkeit ist nun passe, stattdessen werden regelmäßige Augen- und Zahnarztbesuche oder der Sprung in die Eiswasser-Tonne nach Trainingsende zur Pflicht. Auch Ernährung und Schlaf der Spieler nimmt Schalke künftig genauer unter die Lupe.

Die Taktik:

Keller sah sich in der Vorsaison einer permanenten Personalimprovisation ausgesetzt, so dass sich eine klare gruppentaktische Herangehensweise lange Zeit nicht herauskristallisieren wollte. Er wird aber zunächst am 4-2-3-1 festhalten, diese Formation führte zuletzt auch zum Erfolg.

Schalke baut innerhalb dieses Systems auf eine vom eigenen Ballbesitz abgesicherte defensive Kompaktheit, offensiv geht es im Verbund mit den hoch stehenden Außenverteidigern über die Flügel nach vorne und nach Ballverlust direkt ins Gegenpressing.

So zumindest der Plan. Doch S04 wird in Zukunft eine höhere taktische Variabilität an den Tag legen müssen, um sowohl tiefstehende, als auch dominante Gegner bearbeiten zu können. Kontrahenten, die S04 die Spielkontrolle überlassen, um nach Ballgewinn zu kontern, werden auch in der kommenden Saison die Mehrzahl stellen. Gegen ein massiertes Abwehrzentrum fehlte den Schalker Angriffsbemühungen manches Mal die nötige Beweglichkeit sowie das Tempo.

In solchen Fällen könnte Choupo-Moting als variables Bindeglied fungieren, das dafür sorgt, dass der Weg zu Klaas-Jan Huntelaar in die Sturmspitze nicht zu häufig abgeschnitten ist. In erster Linie sind dazu jedoch die beiden für Struktur und Überraschungsmomente zuständigen Max Meyer und Kevin-Prince Boateng angehalten, von denen grundsätzlich Schalkes Spielgestaltung und Dominanz ausgehen soll.

Der Spieler im Fokus:

Das kann nur Kevin-Prince Boateng sein. Der 28-Jährige ist der unangefochtene Leader der Mannschaft und tritt so dominant wie kaum ein anderer Spieler der restlichen 17 Bundesligateams auf. Nach einer allenfalls soliden Vorjahresspielzeit und der enttäuschend verlaufenen Weltmeisterschaft mit Ghana muss Boateng nun beweisen, immer noch konstant gute Leistungen wie zu Zeiten beim AC Milan abliefern zu können.

Dazu wird im ersten Schritt nötig sein, dass er sich mit der ungeliebten Rolle im defensiven Mittelfeld anfreundet. Der Ex-Dortmunder möchte am liebsten auf der Zehn spielen - doch dort ist Youngster Max Meyer besser und besser aufgehoben.

Die Positionsthematik um Boateng sollte baldmöglichst auf allen Kanälen abebben, schließlich hat er in dieser Grundordnung mehr vom Spiel vor sich und kann auch so seine offensive Dominanz ausstrahlen. Auf der Sechs dient der aggressive Zweikämpfer Boateng seinen Mitspielern als Orientierung, bietet Halt und kann mit seiner Körpersprache Einfluss auf ein verbessertes, wettkampfhärteres Vorgehen nehmen.

Das große Fragezeichen bleibt jedoch der Gesundheitszustand seines linken Knies - auch wenn Boateng dieses Thema mittlerweile auf Sparflamme fährt und genervt abwinkt. Die Statik in Boatengs Bein bedarf einer regelmäßigen Kontrolle. Zuletzt machte ihm diese Stelle nur noch wenig zu schaffen. Ein Problemfall wird sie allerdings bleiben.

Kevin-Prince Boatengs Opta-Statistiken der Saison 2013/14

Das Interview:

SPOX: Dass sich das in der letzten Saison auf Schalke endlich für Sie rentierte, dürfte sich wie ein Sechser im Lotto angefühlt haben, oder?

Fährmann: Absolut. Schalke fühlt sich für mich wie zu Hause an, das ist mehr als nur ein Verein für mich. Ich wollte solange, wie ich hier unter Vertrag stehe, versuchen, die Nummer eins zu werden. Meine Selbsteinschätzung von meinen Trainingseinheiten war gut, ich war immer positiv gestimmt, dass ich hier noch zeigen kann, was wirklich in mir steckt. Glücklicherweise konnte ich das in den Spielen zusammen mit der Mannschaft dann auch abrufen. Aber: Glück hat nur der Tüchtige!

SPOX-Interview: Fährmann über Mentaltraining und schwierige Zeiten

Die Prognose:

"Wir müssen endlich die Brust raus strecken und zeigen: Wir sind wer!", war einer der eindeutigen Sätze von Heldt während dieser Schalker Vorbereitung. Dieses Credo sollte auch verinnerlicht werden, zuletzt war der Kuchen nämlich meist schon verteilt, bis Schalke mal ins Rollen kam.

Ein guter Saisonstart ist vor allem deshalb wichtig, um Ruhe in die Personalie Jens Keller zu bekommen. Der Trainer, der vom ersten Tag an angezählt wurde, steht auch weiterhin unter Beobachtung. Es wird deshalb für den Übungsleiter eine bedeutende Saison, da Keller nun beweisen muss, mit seiner Mannschaft eine weniger wellenförmige Saison hinlegen zu können als im Vorjahr - und dabei nicht die Ziele des Vereins verfehlt. Keller weiß nur allzu gut, wie schnell aus der seltenen Ruhe, die nach den Erfolgen der Rückrunde auf Schalke einkehrte, ein erneuter Orkan werden kann.

Keller und Schalke werden zunächst aber weiter improvisieren müssen. Es gibt wieder einige Verletzte zu beklagen, dazu betrifft auch S04 die Problematik der verspätet ins Training eingestiegenen WM-Fahrer. In der Bundesliga drücken in Leverkusen, Wolfsburg und Gladbach mindestens drei Teams von hinten, die für Schalke das Rennen um die CL-Plätze nicht angenehmer gestalten werden.

Manövriert sich Königsblau aber ordentlich durch die Anfangsphase und hat dazu das Glück, endlich einmal für längere Zeit auf die komplette Kaderstärke setzen zu können, ist man wieder ein Kandidat für Europa. Der Kampf um die Königsklasse wird für Schalke dieses Mal aber beinhart.

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