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Die Galgenfrist verlängert

Freitag, 29.05.2015 | 09:53 Uhr
Der HSV schaffte zu Hause gegen den KSC ein glückliches 1:1
© getty
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Venlo

Der Hamburger SV ist im Relegationsspiel gegen den KSC 60 Minuten deutlich unterlegen, doch am Ende hat man immer noch die Chance auf den Klassenerhalt. Die Ausgangslage ist zwar nicht überragend, aber ein Sieg würde ja reichen.

"Der HSV schafft es, in besonderen Momenten besondere Kräfte freizulegen", sagte Bruno Labbadia in der Woche vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC. Was man unter besonderen Kräften versteht, wird Labbadias Geheimnis bleiben. Denn von besonderen fußballerischen Kräften war gegen die Badener am Donnerstag in der nicht ganz ausverkauften Imtech-Arena in Hamburg wenig zu sehen.

Zwar hatte Ivica Olic in der 3. Minute eine gefährliche Kopfballchance nach einer Ecke von Lewis Holtby, das war allerdings die beste Möglichkeit für den HSV für eine sehr lange Zeit. Rouwen Hennings machte es im Gegenzug besser und traf mit der ersten Chance für den KSC zu Führung (4.).

Jetzt muss man den Hamburgern zugutehalten, dass der Druck nach dem frühen Gegentor nicht weniger geworden ist. Natürlich wissen alle Spieler, was in den beiden Spielen gegen den KSC auf dem Spiel steht. Natürlich wissen alle Spieler, dass dem Verein der erste Abstieg aus der Bundesliga in der Vereinsgeschichte droht.

Miserables Aufbauspiel

Die Verunsicherung war förmlich greifbar. "Nach dem frühen Tor ist Fehler an Fehler gekommen. Wir haben zunächst nicht den Rhythmus gefunden, waren froh, dass Pause war", sagte Sportdirektor Peter Knäbel nach dem Spiel. Karlsruhe war durch die Konter, die ihnen der HSV durch miserables Pass- und Aufbauspiel ermöglichte, ein ums andere Mal gefährlich vor den Kasten von Rene Adler gekommen.

Als die Gäste in der 53. Minute erst durch Oliver Torres und wenige Sekunden später durch Dimitrij Nazarov die Latte trafen, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der KSC den Rothosen den Todesstoß versetzen und das 2:0 erzielen würde. Zu wenig kam vom HSV, der spielerisch limitiert war und nur durch Hektik und Aktionismus auffiel. Die weiten Bälle auf Pierre-Michel Lasogga wurden von Dominic Peitz glänzend verteidigt.

Allerdings verlor die Elf von Markus Kauczinski ab der 60. Minute etwas die Ordnung in der Defensive. Karlsruhe stand nicht mehr so kompakt, die Abstände zwischen den einzelnen Linien und Positionen passten nicht mehr. Es war die Phase, in der der HSV ins Spiel kam.

Ausgerechnet Ilicevic

Mit dem ersten und einzigen gelungen Angriff aus dem Spiel konnte Ivo Ilicevic in der 73. Minute nach Doppelpass mit dem eingewechselten Dennis Diekmeier den 1:1-Ausgleich erzielen. Es war Ilicevic' erster Treffer und Diekmeiers erste Torbeteiligung in der laufenden Saison. Knäbel lobte nach Spielende vor allem Bruno Labbadia: "Das Trainerteam hat in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden. Wir haben nun eine hohe Hürde vor uns und einen guten Gegner, aber wir werden auch in Karlsruhe unser Bestes geben."

Auch in Karlsruhe kann man mit dem Remis durchaus leben, würde ein 0:0 im eigenen Wildpark-Stadion doch schon zum Aufstieg reichen. "Unsere Mannschaft hat ein sehr, sehr gutes Spiel gezeigt und sah lange Zeit wie der Sieger aus. Der HSV hatte nur diese eine klare Chance aus dem Spiel heraus", sagte Sportdirektor Jens Todt.

Auch Keeper Dirk Orlishausen sieht den Druck nun in Hamburg: "Wir können sicherlich mit dem 1:1 leben. Es ist ein bisschen bitter, gerade wegen der beiden Lattentreffer. Das ist aber ein gutes Ergebnis für uns. Jetzt bereiten wir uns auf das Heimspiel vor und werden da alles reinhauen. Der HSV muss gewinnen und hat deswegen ein bisschen mehr Druck. Der Wildpark wird brennen."

Leichter wird das Unterfangen für die Labbadia-Elf in Karlsruhe nicht. Gojko Kacar und Heiko Westermann fehlen gelbgesperrt, beim KSC der starke Peitz, der sich fürchterlich über seine Gelbe Karte nach dem Foul an Kacar ärgerte.

Klassenerhalt und keiner weiß wie?

Die Galgenfrist für den Bundesliga-Dino hat sich also nochmal um ein Spiel verlängert. Dabei war diese Partie ein Spiegelbild der Saison. Der HSV war in vielen Belangen deutlich unterlegen, schaffte es aber nach einer schwachen Vorstellung am Ende doch wieder irgendwie, sich eine annehmbare Ausgangsposition zu schaffen.

"Jetzt heißt es alles oder nix, gerade mit dem neuen Trainer, der uns den Schwung gegeben hat, überhaupt die Relegation zu erreichen. Wir werden nochmal alles reinhauen für den Verein und ich bin sehr optimistisch, dass es klappen wird", sagte Torschütze Ilicevic.

Fast könnte man sagen: Das ist typisch HSV. Irgendwie erinnert die Situation an letztes Jahr, als man mit einem glücklichen 0:0 im Gepäck nach Fürth reiste und letztlich dank eines Lasogga-Kopfballs die Klasse hielt. Und so könnte Labbadia mit seinen Worten über "besondere Kräfte" am Montag nach dem Rückspiel im Wildpark doch noch Recht behalten haben.

Hamburg - Karlsruhe: Die Statistik zum Spiel

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