Bundesliga - 6. Spieltag

4:1! Gladbacher Heimserie bleibt bestehen

Von Jochen Tittmar
Freitag, 20.09.2013 | 22:22 Uhr
Gladbachs Raffael traf in Halbzeit eins zweimal, doch es zählte nur ein Treffer
© Getty
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Borussia Mönchengladbach hat zum Auftakt des 6. Spieltags der Bundesliga Aufsteiger Eintracht Braunschweig mit 4:1 (2:0) bezwungen und damit im dritten Heimspiel den dritten Sieg eingefahren.

Vor 50.000 Zuschauern im Gladbacher Borussia-Park traf Oscar Wendt zur Führung für die Fohlen (22.). Raffael netzte acht Minuten später zum 2:0. Im zweiten Durchgang markierte Mirko Boland den Anschlusstreffer (58.), ehe Max Kruse per Foulelfmeter (72.) und erneut Raffael (75.) auf 4:1 erhöhten.

Gladbachs Granit Xhaka sah seine fünfte Gelbe Karte und ist somit der erste Spieler in dieser Saison, der die Ein-Spiel-Sperre absitzen muss. Der Schweizer fehlt am kommenden Freitag in Augsburg.

Die Reaktionen:

Lucien Favre (Trainer Gladbach): "Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt. Zunächst war es schwer, die Lücke zu finden. Dann haben wir mit mehr Tempo gespielt, waren aber in der Ballannahme noch zu langsam. In der zweiten Halbzeit haben wir erst einmal geschlafen. Nach dem 2:1 war alles möglich, denn es war noch viel Zeit zu spielen. Nach dem 3:1 hat man uns die Erleichterung angemerkt und wir hatten Torchancen und gute Kombinationen. Es war nicht einfach gegen Braunschweig. Sie haben gezeigt, dass sie guten Fußball spielen."

Thorsten Lieberknecht (Trainer Braunschweig): "Wir müssen das Spiel im Ganzen sehen. Wir haben zu Beginn in der Grundordnung ordentlich gespielt, aber in der Spieleröffnung zu ungenau agiert. In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir Fußball spielen wollen. Mit der Aggressivität, die wir an den Tag gelegt haben, wäre die Möglichkeit, das Spiel zu wenden, da gewesen. Das 4:1 ist bitter für meine Mannschaft, aber wir behalten die Köpfe oben."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Gladbach muss erstmals seine Anfangsformation in dieser Saison verändern. Wendt verteidigt für Kapitän Daems (muskuläre Probleme) links in der Viererkette, Stranzl übernimmt die Binde.

Bei Braunschweig ist es genau andersrum. Die Eintracht verändert nach dem ersten Punktgewinn in dieser Saison gegen Nürnberg erstmals nichts an der Startelf.

6.: Herrmann spielt Kramer auf der rechten Seite frei. Die Leverkusen-Leihgabe zieht in den Strafraum und legt von der Grundlinie für Raffael zurück, doch der schießt Petkovic an

8.: Petkovic lässt eine harmlose Arango-Hereingabe nach vorne abklatschen, Raffael ist allerdings zu überrascht und zielt über das Tor.

15.: Bellarabi geht an drei Borussen vorbei und kommt aus 20 Metern zum Abschluss. Der Ball rauscht Zentimeter am linken Pfosten vorbei, da wäre ter Stegen nicht mehr hingekommen.

21.: Raffael wird im Strafraum von Theuerkauf zu Fall gebracht. Kontakt ist da, Raffael fällt, die Pfeife bleibt stumm - kritische Situation.

22., 1:0, Wendt: Arango schickt Wendt über die linke Seite. Der Schwede lässt Kessel mit einem simplen Haken aussteigen und vollendet mit dem schwächeren rechten Fuß in die lange Ecke.

25.: Am Ende einer Traumkombination der Fohlen geht Raffael an Petkovic vorbei und schiebt lässig ein. Der Linienrichter hat allerdings die Fahne oben - und liegt richtig.

30., 2:0, Raffael: Xhakas Diagonalball gelangt über Arango zu Kruse, der gefühlvoll in die Mitte flankt. Dogan steht zu weit weg von Raffael und kann dessen Kopfball gegen Petkovics Laufrichtung nicht mehr verhindern.

58., 2:1, Boland: Gladbach pennt und verliert den Ball im Spielaufbau. Bellarabi überläuft Wendt und findet Boland mit einer scharfen Hereingabe. Braunschweigs Zehner netzt aus elf Metern im Fallen ein.

60.: Fast der Ausgleich. Kumbela köpft nach Bellarabis Flanke völlig freistehend rechts neben das Tor.

66.: Raffael schickt Herrmann steil, der aus vollem Lauf auf Kruse flankt. Der Nationalspieler nimmt das zu ungenaue Anspiel direkt und schießt knapp drüber.

72., 3:1, Kruse (Elfmeter): Unglaublicher Patzer der Braunschweiger Verteidigung. Die Gefahr ist eigentlich schon beseitigt, doch Caligiuri lässt sich den Ball im Strafraum von Arango abluchsen und weiß sich dann nur noch mit einem Foul zu helfen. Kruse guckt Petkovic aus und schiebt überlegt unten links ein.

75., 4:1, Raffael: Doppelschlag der Fohlen. Bicakcic fälscht einen Kruse-Schuss unglücklich ab, Petkovic lässt klatschen, Raffael staubt ab. Die Entscheidung.

87.: Braunschweig verliert nicht nur die drei Punkte, sondern auch den Trainer. Gagelmann schickt Lieberkneckt kurz vor Schluss auf die Tribüne.

90.: Fast der fünfte Treffer. Der eingewechselte Nordtveit knallt einen Freistoß aus 18 Metern aus halbrechter Position an den linken Pfosten.

Fazit: Verdienter Sieg für die Borussia, die effizienter agierte und mehr vom Spiel hatte. Braunschweig kam über gute Ansätze erneut nicht hinaus.

Der Star des Spiels: Raffael. Bewegte sich sehr gut und vor allem zielstrebig in die Halbräume, war stets anspielbar und nur schwer zu stellen. Dazu zwei eigene Treffer, ein Abseitstor und vier Schüsse auf den gegnerischen Kasten. Ganz stark bei Braunschweig: Bellarabi.

Der Flop des Spiels: Benjamin Kessel. Ließ sich vor dem 0:1 von Torschütze Wendt mit einem Bauerntrick abkochen. Vor dem zweiten Gegentor durfte Arango erst in Ruhe den langen Ball annehmen, anschließend setzte Kessel auch Kruse nicht unter Druck. Gewann in der ersten Halbzeit weder einen Zweikampf noch ein Luftduell.

Der Schiedsrichter: Peter Gagelmann erwischte einen fürchterlichen Start ins Spiel. Zückte nach 34 Sekunden Gelb gegen Bellarabi nach einem Foul im Mittelfeld, eine Ermahnung hätte es zu diesem Zeitpunkt allerdings auch getan. Eine Minute später hätte er Caligiuri (gegen Xhaka) konsequenterweise ebenfalls Gelb zeigen müssen, ermahnte den Braunschweiger aber nur. Hinzu kamen drei frühe Fehleinschätzungen bei Zweikämpfen (Stranzl gegen Bellarabi, Reichel gegen Herrmann, Wendt gegen Elabdellaoui). Kritisch auch die Situation im Strafraum zwischen Theuerkauf und Raffael (21.): Der Kontakt war da, doch Raffael fiel für einen Elfmeter wohl einen Schritt zu spät... Richtig jedoch, Raffaels Treffer (25.) die Anerkennung zu verweigern und beim Duell zwischen Dogan und Herrmann nicht auf Strafstoß zu entscheiden (63.).

Das fiel auf:

  • Auch im dritten Heimspiel in Folge ging die Borussia früh in Führung und machte sich damit das Anrennen gegen die tiefstehenden Gäste zunächst deutlich leichter. Dazu musste jedoch eine Einzelleistung herhalten, vor dem 1:0 war noch reichlich Sand im Fohlen-Getriebe.
  • Braunschweig zog die Mittelfeldreihe bei gegnerischem Ballbesitz eng zusammen, auch Bellarabi reihte sich bei den vier verteidigenden Kollegen ein. Nach Ballgewinn ging's über Bellarabi nach vorne, doch gerade nach dem Rückstand zeigte sich wieder die fehlende Durchschlagskraft im Offensivbereich, bei Kumbela kamen kaum Anspiele an.
  • Anders als noch in Hoffenheim stimmten bei Gladbach wieder die temporeichen Läufe in die Tiefe, die vier Offensiven waren sehr umtriebig. Braunschweig war in den Halbräumen hinter Doppelsechs und vor der Abwehrkette besonders verwundbar, dort stimmte die Übergabe der Gegenspieler häufig nicht.
  • Gladbach nach dem zweiten Treffer eine gewisse Zeit lang viel zu passiv, wollte die Führung über den Ballbesitz regeln und leistete sich dabei - aber teilweise auch schon zu Spielbeginn - einige Unachtsamkeiten tief in der eigenen Hälfte. Beispielsweise verlor Xhaka zweimal unnötig den Ball. Durch diese Lethargie brachte Gladbach bei den Gästen den Glauben an die Partie zurück.
  • Braunschweig schob nach der Pause natürlich deutlich mehr nach vorne, vor allem die Außenverteidiger standen höher. In dieser Formation zwangen die Löwen die lässigen Hausherren zu solchen Ballverlusten, die durch ein zügiges Umschaltspiel auch größere Raumgewinne garantierten.
  • Symptomatisch für die Lage der Braunschweiger: Während der besten Phase ihres Spiels drehte ein individueller Fehler (Caligiuri) das Momentum, nach dem 1:3 war bei den Löwen direkt wieder die Luft raus. Unter dem Strich stehen nun die Gegentreffer Nummer elf bis 14.

Gladbach - Braunschweig: Daten zum Spiel

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