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Ohne Kraft für Neues

Die Dortmunder waren mit den Unparteiischen in Wolfsburg nicht zufrieden
© Getty
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Borussia Dortmund kassiert gegen den VfL Wolfsburg eine Niederlage, die der gegen den FC Arsenal gleicht. Auch der Schiedsrichter steht wieder im Blickpunkt. Dabei fehlt dem BVB die nötige Energie, ein probater Plan-B und Personal.

Marco Reus schäumte, als er den Platz verließ. Er fühlte sich betrogen, mindestens um einen Punkt gebracht von Schiedsrichter Dr. Jochen Drees. Dem teilte der Nationalspieler seine Ansichten schon während der Partie mehrmals lautstark mit und auch nach Partie hatte Reus noch Redebedarf. Er kam aber nur bis zum Assistenten, dann schickte Trainer Jürgen Klopp seine Spieler weg und nahm den Schiedsrichter selbst ins Gebet.

Die eingeschränkte Redefreiheit war wieder aufgehoben als Reus sauer vom Platz stapfte und in die Mikrofone der Journalisten sagte, er müsse sich zusammenreißen, um im nächsten Moment doch den Schiedsrichter zu kritisieren. Er musste auch nicht explizit aussprechen, was auch ohne Worte klar war. Auch Klopp beschränkte sich hinterher auf dezente Kritik, führte aber vielsagend an: "Wir hatten schon öfter so Spiele mit Dr. Drees."

Die Dortmunder hatten in der Schlussphase zwei Elfmeter nach vermeintlichen Foulspielen von Ricardo Rodriguez an Robert Lewandowski reklamiert. Die erste Aktion des Schweizers glich der von Per Mertesacker am Mittwoch bei der Niederlage des BVB in der Champions League auf erstaunliche Art. Auch in der Königsklasse gab es zum Unmut der Dortmunder für den leichten Kontakt mit Lewandowskis Schulter keinen Strafstoß.

Ein Fight wie gegen Arsenal

Es war nicht die einzige Parallele zum Spiel gegen die Gunners, die am Samstagnachmittag den Ausgang des Spiels in Wolfsburg entscheidend prägte. Und die Feststellung Klopps, "dass in engen Situationen alles gegen uns gelaufen ist", war auch nicht der einzige Grund für die Niederlage. Der VfL verwickelte die Dortmunder in ein ähnliches Zweikampf-Festival wie Arsenal - und der BVB fand erneut keine Antwort darauf.

Die Dortmunder wurden im Spielaufbau aggressiv attackiert und auch immer wieder erfolgreich am Umschaltspiel gehindert. Es kommt selten vor, dass der BVB (116) nur einen Kilometer mehr läuft im Spiel als der Gegner (115).

So standen zwar am Ende ein paar ordentliche Abschlusspositionen und zwölf Torschüsse zu Buche, eine hundertprozentige Torchance hatte die Borussia allerdings nicht. Die beiden herrlich getretenen Freistöße von Marco Reus (einmal Tor, einmal Pfosten) waren auch die beiden einzigen Versuche, die auf das Tor von Diego Benaglio gingen.

Englische Woche ohne Energie

Von Beginn an lag eine gewisse Lethargie auf den Bewegungen der Spieler. Es war nicht das erste Spiel in dieser Saison, in dem die Dortmunder nicht hundertprozentig frisch und spritzig wirkten. Der vor Energie strotzende Power-Fußball, mit dem die Dortmunder ihrer Gegner normalerweise bearbeiten, war nicht zu sehen.

Wolfsburg machten im gesamten Spiel einen körperlich stärkeren Eindruck und war in den Zweikämpfen präsenter. "Sicherlich hat man das schwere Spiel von Mittwoch noch ein bisschen in den Knochen gemerkt", sagte Henrikh Mkhitaryan, "hier und da hat es bei uns heute auch an der Konzentration gehapert."

Das dürfte auch den BVB-Verantwortlichen nicht entgangen sein. Klopp machte in erster Linie die "Gesetzmäßigkeiten des Fußballs" für die Niederlage verantwortlich, gab aber auch zu, dass die körperbetonte Spielweise des Gegners und die vielen langen Bälle seinem Team Probleme bereitet hätten. "Die Räume, die wir überbrücken mussten, sind kein Kindergeburtstag in einer englischen Woche."

Wenig Personal, kein Plan B

Es ist dieser Spagat, den alle Mannschaften bewerkstelligen müssen, die international im Einsatz sind. Die Dortmunder auf höherem Niveau als beispielweise Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg. Im Moment scheint der BVB, wie schon in der vergangenen Saison, das nicht in dem Maße hinzubekommen wie der große Konkurrent FC Bayern.

Ein Blick auf die Bank in Wolfsburg offenbarte die begrenzten Möglichkeiten Klopps. Da saßen zwar mit dem später für den vermutlich schwer verletzten Neven Subotic eingewechselte Sokratis und Sebastian Kehl zwei erfahrene Akteure. Aber sonst nur Jonas Hofmann, Marvin Duksch, Erik Durm und Julian Schieber.

Klopp hat seit dem missglückten Experiment in Nürnberg (1:1) im September auf größere Experimente und Rotation verzichtet, seine Stars müssen durchspielen. Allerdings hat die Borussia ihren Kader vor der Saison gewollt so konzipiert und zusammengestellt, um auch die jüngeren Spieler mehr in die Pflicht zu nehmen. Nur gelingt die Entwicklung nicht bei jedem so wie erhofft.

Dazu kommt, dass der BVB zweimal in Folge mit relativ einfachen Mitteln an seinem Spiel gehindert wurde. Fehlt dann die letzte Energie, gibt es keinen Plan B, auf den die Dortmunder zurückgreifen könnten.

Subotic und der Scheißtag

Nach der Länderspielpause stehen die wichtigen Duelle in der Bundesliga mit dem FC Bayern und in der Champions League mit dem SSC Neapel an. Klopp muss hoffen, dass sich bei der Nationalmannschaft keine weiteren Spieler verletzen, Jakub Blaszczykowski wird nach seinem Magen-Darm-Infekt dann immerhin wieder zur Verfügung stehen.

Die schwere Verletzung von Subotic (Kreuzbandriss) machte den "Scheißtag" (Michael Zorc) aus BVB-Sicht perfekt. Mit dem Serben ist ein weiterer Langzeitverletzter zu Ilkay Gündogan und Lukasz Piszczek hinzugekommen. Die personellen Möglichkeiten werden also nicht größer.

Das "Potenzial ohne Ende", das Klopp vor dem Spiel in seiner Mannschaft ausmachte, wird er zügig herauskitzeln müssen.

Wolfsburg - Dortmund: Daten zum Spiel

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