
Bundesliga - 7. Spieltag
Gladbach minimalistisch zum zweiten Saisonsieg
Borussia Mönchengladbach hat seine Talfahrt gestoppt und Eintracht Frankfurt die erste Saison-Niederlage zugefügt. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre siegte im Borussia-Park mit 2:0 (2:0).
Vor 50.000 Zuschauern erzielten Juan Arango in seinem 100. Bundesligaspiel (8.) und Luuk de Jong (24.) bereits vor der Pause die Tore für die Borussia.
Für Frankfurt war es im siebten Spiel die erste Niederlage, trotzdem bleibt der Aufsteiger aber auf Rang zwei. Gladbach klettert durch den ersten Sieg nach sieben Spielen wieder ins Mittelfeld der Tabelle.
Reaktionen:
Armin Veh (Trainer Frankfurt): "Wir kommen hierher als Aufsteiger gegen den Vorjahres-Vierten und die spielen im eigenen Stadion mit zehn Mann hinten drin. Ich weiß zwar schon, dass es momentan schwierig ist, weil sie im Prinzip zu wenig Punkte geholt haben, was keine einfache Situation ist. Aber dass man in der Art und Weise spielt - nun gut, das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Aber wenn du gewinnst, hast du alles richtig gemacht."
SPORTAL: Einzelkritik und Noten zu beiden Teams
...über die Niederlage: "Die Niederlage war unnötig, weil wir aus unserer Überlegenheit keine Tore gemacht haben. Das erste Tor war ein Sonntagsschuss. Wenn es einer kann, dann Arango, weil er eine super Schusstechnik hat. Das hat der Borussia dann in die Karten gespielt. In der zweiten Halbzeit war es dann mehr ein Handball- als ein Fußballspiel."
Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt) über den gebrauchten Tag: "Man merkt das daran, wenn man am leeren Tor vorbeischießt. Solche Tage gibt es einfach. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, uns davon zu erholen. Wir müssen das einfach abhaken heute."
Max Eberl (Sportdirektor M'Gladbach): "Es ist in letzter Zeit sehr, sehr viel über uns geschrieben worden, es war sehr viel Trubel um uns herum. Deswegen war der Sieg sehr wichtig für uns vor der Länderspielpause. Wir haben seit der vorherigen Länderspielpause kein Spiel gewinnen können, deswegen ist es wichtig, jetzt mit einem guten Gefühl in diese Pause zu gehen."
...auf die Frage, ob die Nicht-Nominierung Hankes nur sportliche Gründe hat: "Es ist völlig legitim, wenn ein Trainer Entscheidungen fällt, von denen er überzeugt ist. Die Leistungen waren bisher nicht so, dass jemand meint, irgendetwas sicher zu haben und diesen Entscheidungen muss man sich unterwerfen. Das ist erst einmal bitter, aber es geht nicht um Mike Hanke, es geht nicht um einzelne Spieler, sondern um das Gesamtkonstrukt Borussia Mönchengladbach. Das muss man akzeptieren."
Der SPOX-Spielfilm:
Vor dem Anpfiff: Gladbach mit drei Änderungen im Vergleich zum EL-Spiel gegen Fener: Brouwers, Ring und Cigerci fliegen aus der Startelf, Letzterer ist nicht mal im Kader. Ebenso wenig wie Hanke. Dafür rücken Rupp, Jantschke und Dominguez ins Team.
Frankfurt mit zwei Änderungen: Demidov ersetzt Anderson in der Innenverteidigung und Occean startet an Stelle von Hoffer vorne im Sturm.
8., 1:0, Arango: Occean mit dem einfachen Abspielfehler im Mittelfeld. Arango nimmt den Ball auf, geht zwei Schritte und zieht dann aus 30 Metern ab. Der Ball fliegt als Bogenlampe runter wie ein Stein, schlägt an die Unterkante der Latte und von da ins Tor.
18.: Langer Ball in Gladbachs Strafraum. Ter Stegen kommt völlig unmotiviert raus und ist zu spät dran. Occean nimmt den Ball mit der Brust runter, dreht sich und schießt aufs leere Tor - Zentimeter links am Kasten vorbei.
24., 2:0, De Jong: Nordtveit schlägt den Ball eher unkontrolliert nach vorne. Zambrano hat den kürzeren Weg zum Ball, pennt aber total. De Jong schiebt sich davor und knallt das Ding per Dropkick volley aus 14 Metern ins rechte Eck.
50.: Jantschke artistisch mit dem Torschuss aus halbrechter Position. Blöd nur, dass es sein eigenes Tor war. Ter Stegen geht dem Ball nicht entgegen, muss dann rückwärts laufen und köpft den Ball gerade noch weg. Mit den Händen durfte er nicht ran.
76.: Schweglers Flanke von rechts findet Occean. Der legt sich quer, trifft den Ball am Körper von Stranzl vorbei satt. Aus elf Metern zischt der Seitfallzieher hauchdünn drüber.
89.: Freistoß Frankfurt: Meier führt aus 23 Metern Torentfernung aus. Halbrechte Position, rechts auf die Tormitte. Ter Stegen mit den Fäusten zur Stelle.
Fazit: Schmeichelhafter Sieg für die Borussia. Frankfurt zeigte die bessere Spielanlage und hatte die Partie im zweiten Durchgang voll im Griff. Allerdings fehlte den Gästen an diesem Abend der Punch in der Offensive.
Der Star des Spiels: Havard Nordtveit war nach dem ziemlich missglückten Spiel gegen Fener am Donnerstag auf angestammter Position wieder fast der Alte. Der Norweger machte die Mitte zusammen mit Marx gut dicht, hatte gute Zweikampfwerte und eine ordentliche Passquote. Dazu der Assist vor dem 2:0 von De Jong.
Der Flop des Spiels: Takashi Inui war bisher nur so durch die Liga geflogen. In Gladbach erwischte der Japaner aber einen schwachen Tag. Inui versprangen viele leichte Bälle, dem Frankfurter Spiel konnte er an diesem Tag keine Impulse geben. Nach 57 Minuten nahm ihn Veh vom Platz.
Der Schiedsrichter: Marco Fritz hatte mit der insgesamt fairen Partie kaum Probleme. Fritz leitete unaufgeregt und sicher, zeigte auch bei den persönlichen Strafen das richtige Maß. Gutes Zusammenspiel mit den beiden Assistenten, die auch die engen Abseitsentscheidungen richtig erkannten.
Die Trainer:
Lucien Favre baute wieder kräftig um, erklärte das Experiment mit Nordtveit als rechten Verteidiger schnell wieder für beendet. So war die Mittelfeldzentrale wieder etwas stabiler. Ansonsten verordnete Favre seiner Mannschaft: Klare Aktionen, keine Schnörkel, Defensive über alles und war damit erfolgreich.
Armin Veh brachte mit dem robusteren Occean wieder einen echten Stoßstürmer und ließ Hoffer draußen. Er korrigierte die Maßnahme wohl zu spät - wobei der Eintracht ein Wusler wie Hoffer im Angriff durchaus gut zu Gesicht gestanden hätte.
Das fiel auf:
- Gladbach endlich mal effizient: Aus den beiden Schüssen, die auf das Tor kamen, resultierten auch gleich zwei Treffer.
- Ansonsten war Gladbachs Offensivleistung aber sehr überschaubar. Es gab kaum eine gelungene Stafette, selbst am Donnerstag gegen Fener kombinierten sich die Gastgeber zwei-, dreimal schön und schnell durch die Mitte. Gegen Frankfurt war davon nichts zu sehen.
- Gladbach zog sich absichtlich mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit völlig zurück, gab sein Offensivspiel quasi auf und verteidigte nur noch. Das aber nicht immer souverän. So hatten die Gastgeber bis zur 78. Minute keinen einzigen Torschuss mehr. Aber: Erstmals stand die Null!
- Ter Stegen hat derzeit wohl mehr mit sich selbst als mit dem Gegner zu tun. Der Torhüter wirkt entweder übermotiviert oder unsicher oder manchmal auch beides gleichzeitig. Jedenfalls ist die Selbstverständlichkeit der letzten Saison mit jedem Gegentreffer in dieser Saison ein Stück weit verloren gegangen.
- Frankfurt war besonders über die linke Seite gefährlich, wo Oczipka immer wieder mächtig anschob. Durch die Mitte ging dagegen kaum etwas, weil auch Inui einen schlechteren Tag erwischt hatte. Trotzdem war die Leistung der Eintracht eigentlich ganz ordentlich - bis auf den schlimmen Fehler von Zambrano vor dem 2:0.
- Erstmals kam die Eintracht in dieser Saison nach einem Rückstand nicht mehr zu einem Punktgewinn oder sogar noch zum Sieg.
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