Sonntag, 30.09.2012

Bundesliga - 6. Spieltag

Ärger beim Sieger, viel Lob für Werder

Als die Sieger noch mit den Fans feierten, braute sich über ihnen bereits ein Gewitter zusammen. Dabei war alles wie erwartet gelaufen am Samstagnachmittag im Weserstadion. Bayern München hatte Werder Bremen mit 2:0 (0:0) geschlagen, auch das sechste Saisonspiel gewonnen und die Tabellenführung in der Bundesliga glanzlos zwar, aber souverän behauptet. Was also sollte die gute Stimmung stören?

Werder Bremen kämpfte lange auf Augenhöhe mit dem FC Bayern
© Getty
Werder Bremen kämpfte lange auf Augenhöhe mit dem FC Bayern

Die zutiefst enttäuschten Verlierer vielleicht? Die stumm die Köpfe hängen ließen und keine Anstalten machten, in die Kabine zu gehen.

Als könnte das irgendetwas ändern an der verpassten Chance gegen die lange pomadig agierenden Bayern, die erst im Schlussspurt die Negativserie der Gastgeber verlängerten und nun seit zehn Spielen gegen den alten Rivalen aus der Hansestadt ungeschlagen sind.

FCB-Laterne nur leicht geglimmt

Im Jubel der Fans ahnten Philipp Lahm, Franck Ribery & Co. noch nicht, wie Trainer Jupp Heynckes ihren Auftritt ohne "Esprit" kritisch bewertete und Sportvorstand Matthias Sammer sogar rechtschaffen sauer wurde. "Lätschert" nannte er die Einstellung der Mannschaft - und das dürfe man ihr nicht durchgehen lassen.

Das österreichische Idiom, das so viel bedeutet wie schlapp und uninspiriert, traf auf den Punkt, was die 42.100 Zuschauer in der ausverkauften Arena erlebt hatten. "Wenn Spiel oder Training ist, muss die Laterne an sein. Heute hat sie nur leicht geglimmt", fügte Sammer an - und forderte drei Tage vor dem Champions-League-Ausflug nach Borissow Konsequenzen.

"Es geht nicht immer darum, das Ergebnis zu bewerten, sondern darum, die Leistung zu bewerten." Doch das war gegen die aufopfernd, am Ende aber nachlässig bis naiv verteidigenden Bremer nicht so, wie es sich Sammer vorgestellt hat. "Wir waren nicht richtig gallig."

Bei Bayern-Kapitän Lahm klang es anders: "Wir haben uns schwergetan. Als es drauf ankam, haben wir die Partie aber entschieden. Das zeichnet uns aus." Diese Selbstzufriedenheit mag es sein, die Sammer auf die Palme bringt: "Wir müssen aufwachen. Wenn wir uns einlullen lassen, sind wir auf dem Holzweg."

Deutliche Worte als Weckruf

"Wir haben deutliche Worte in der Halbzeit gefunden", erzählte Heynckes. Zu langsam habe seine ohne den angeschlagenen Arjen Robben angetretene Mannschaft gespielt. "Ohne Esprit" sowieso. Erst die Einwechslung von Mario Mandzukic, der den Ex-Bremer Claudio Pizarro ersetzte und auch im sechsten Bundesligaspiel wieder traf (2:0/84. Minute), sowie Xherdan Shaqiri und Javier Martinez habe den Ausschlag gegeben. Ein Glück für Heynckes, dass man "Spiele von der Bank aus entscheiden kann".

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Der lätscherte Auftritt der Bayern war ein Grund dafür, dass aus dem erwartet leichten Sieg nichts wurde gegen den einstigen Rivalen, der mit 26 Siegen mehr Erfolge gegen die Münchner aufzuweisen hat als jedes andere Team in der Fußball-Bundesliga. "Werder hat eine richtig gute Mannschaft, der man Zeit geben muss", sagte Sammer. "Deshalb schätzen wir den Sieg auch sehr hoch ein."

Viel Lob für seine Mannschaft, die Punkte aber für den Gegner - Werder-Trainer Thomas Schaaf quittierte das mittlerweile gewohnte Prozedere mit einem Lächeln - und analysierte nüchtern: "Ich denke schon, dass wir uns gewehrt haben. Aber ich hätte mir manchmal mehr Mut in der Offensive gewünscht."

Haarsträubende Fehler

Auch Sebastian Prödl konnte das Lob nicht mehr hören. "Ich bin mega-enttäuscht. Heute war mehr drin", sagte der Österreicher, der im Abwehrzentrum mit Sokratis seine beste Saisonleistung bot. Das 1:0 von Luiz Gustavo in der 81. Minute, das dem Spiel die Wende gab, entsprang trotzdem wieder einem haarsträubenden Fehler. Niemand fühlte sich für den Brasilianer verantwortlich, der sich an der Strafraumgrenze den Ball unbedrängt zurechtlegen konnte und dem zu weit vor seinem Tor postierten Sebastian Mielitz mit einem überlegten Schlenzer keine Chance ließ.

Mit lätscherter Einstellung oder fehlendem Mut hatte dies nichts zu tun. Vielleicht mit der noch fehlenden Routine der jungen, nach den Abgängen von Wiese, Pizarro, Naldo & Co. komplett neuformierten Mannschaft. "Das war heute nicht unsere Gewichtsklasse", sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs. Aber allzu dramatisch wollte er die Niederlage auch wiederum nicht sehen. "Es hat ja wohl niemand ernsthaft damit gerechnet, dass wir die Bayern schlagen."

Bremen - Bayern: Daten zum Spiel


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