Bundesliga - 3. Spieltag

Fußball-Wahnsinn: Hoffenheim geht wieder K.o.!

Von Haruka Gruber / Jochen Rabe
Sonntag, 16.09.2012 | 17:28 Uhr
Die Freiburger feiern den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich durch Karim Guede (2.v.l.)
© spox
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Was für ein Spiel! In den spektakulärsten 90 Minuten der bisherigen Saison hat der SC Freiburg mit einem 5:3 (2:1) über 1899 Hoffenheim am dritten Spieltag den ersten Sieg gefeiert.

Bis dieser aber perfekt war, erlebten die 22.800 Zuschauer im MAGE SOLAR Stadion einen turbulenten Spielverlauf. Hoffenheim ging durch Mathieu Delpierre früh in Führung (2.), aber Freiburg schlug mit Karim Guede (17.) und Max Kruse (27.) vor der Pause zurück.

Verrückt wurde es in der zweiten Hälfte: 1899 glich aus dem Nichts zum 2:2 aus (Vukcevic, 57.), Freiburg führte (Diagne, 68.), Hoffenheim glich zum 3:3 aus (Usami, 76.) - bis dann Freiburg doch alles klarmachte mit Cedric Makiadi (83.) und Sebastian Freis (87.).

Die Reaktionen:

Markus Babbel (Trainer 1899 Hoffenheim): Das waren definitiv zu viele Gegentore. Da ist es kaum möglich, ein Spiel zu gewinnen. Freiburg hat sehr viel Druck gemacht und war sehr aggressiv. Wir haben gut dagegengehalten. In den entscheidenden Momenten machen wir aber zu viele Fehler. Insbesondere bei Standardsituationen haben wir zweimal nicht gut ausgesehen. Das sind Gegentore, die mich maßlos ärgern, weil wir klare Zuteilungen haben. Diese Naivität geht nicht. Letztlich war Freiburg einen Tick überzeugter, das Spiel gewinnen zu wollen."

Christian Streich (Trainer SC Freiburg): Wir haben sehr offensiv und mit viel Risiko gespielt. Das spiegelt das Ergebnis auch wider. Mit dieser Spielweise konnten wir nicht alle Torchancen der TSG verhindern, dafür war Hoffenheim zu gut. Ich freue mich vor allem über die Art und Weise wie wir gespielt haben.

Marvin Compper (1899 Hoffenheim): Wir haben es Freiburg zu leicht gemacht, kriegen zu viele Gegentore und agieren im Zweikampf zu sorglos. Die Einstellung hat zwar gestimmt, doch wir machen es uns immer wieder durch unsere Fehler kaputt.

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Doppelte Umstellung bei Freiburg: Jendrisek stürmt anstelle von Freis, Kapitän Schuster kehrt für den in Leverkusen schwachen Hedenstad in die Anfangsformation zurück.

Hoffenheim mit drei Änderungen: Ochs mit der 1899-Premiere für den Gelb-Rot-gesperrten Schröck, außerdem Usami für Vukcevic und Williams für Weis. Startelf-Kandidat Chris muss absagen (Muskelfaserriss).

2., 0:1, Delpierre: Rudy zirkelt einen Freistoß vom linken Strafraumeck an den Fünfer. Gewirr im Strafraum, die Freiburger bekommen den Ball nicht weg. Und dann reagiert Delpierre im Duell mit Guede am schnellsten und schießt das Leder aus fünf Metern ins linke Eck!

9.: Starke Parade von Wiese! Schmid schlägt vom linken Halbfeld eine genaue Flanke ans lange Eck des Fünfers. Dort steht Makiadi völlig frei und kommt zum Kopfball. Wiese ist im kurzen Eck und wehrt zur Ecke ab!

17., 1:1, Guede: Sorg flankt vom linken Strafraumeck nach innen. Rudy bekommt die Kugel nicht weg und so landet sie bei Kruse. Der will aus sieben Metern in halblinker Position eigentlich schießen, doch ihm rutscht der Ball über den Schlappen und rollt zur Mitte. Dort reagiert Guede schneller als Compper und schiebt den Ball ins rechte Eck.

27., 2:1, Kruse: Schuster schlägt vom rechten Flügel eine überragende Flanke an den Fünfmeterraum. Dort geht Kruse dem Ball energisch entgegen und köpft ins rechte untere Eck ein!

57., 2:2, Vukcevic: Aus heiterem Himmel gleichen die Gäste wieder aus! Zentral vor dem Strafraum ist Sorg unachtsam und verliert das Leder gegen den stark nachsetzenden Vukcevic. Der Joker geht in den Sechzehner und schließt trocken aus 13 Metern ab. Der Ball schlägt links halbhoch ein!

68., 3:2, Diagne: Was für ein Bock! Was für ein Fehler von Wiese!! Schuster schlägt eine Ecke von links auf den langen Pfosten. Der Hoffenheimer Keeper fliegt vogelwild darunter her und so kommt Diagne zum Kopfball - und nickt neben den rechten Pfosten ins Netz!

76., 3:3, Usami: Hoffenheim kommt wieder zurück! Johnson geht von links auf den Sechzehner zu und legt quer für Usami. Der nimmt das Leder an, dreht sich einmal um die eigene Achse - und drischt es dann aus 17 Metern mit voller Wucht ins rechte Eck! Keine Chance für Baumann!

83., 4:3, Makiadi: Das ist Slapstick! Wiese wird in allen Gazzetten stehen! Der Keeper unterläuft WIEDER eine Ecke, diesmal von rechts. Am langen Pfosten steht Makiadi und muss nur noch den Schlappen hinhalten! Unfassbar! Wahnsinn!

87., 5:3, Freis: Kruse spielt aus zentraler Position einen perfekt getimten Pass auf Freis. Der geht in den Sechzehner, legt das Leder am herausstürmenden Wiese vorbei und schiebt dann locker ins leere Tor ein!

Fazit: Das spektakulärste Spiel der Saison! Freiburg zwei Klassen besser, aber zu unachtsam. Hoffenheim kann mit dem 3:5 fast froh sein, Freiburg hätte auch 7, 8 Tore erzielen können.

Der Star des Spiels: Karim Guede. Wird von Trainer Streich zwischen der Doppel-Sechs und dem ungewohnten Sturm hin und her geschoben - und der slowakische Nationalspieler mit deutsch-togolesischen Wurzeln passt sich wie ein Chamäleon bestens an. War gegen Hoffenheim als Rammbock gefragt, gewann für einen Angreifer starke 45,2 Prozent der Zweikämpfe (14 von 31), traf zum 1:0, gab 6 Torschüsse ab und bereitete 2 Torschüsse vor. Auch stark: Kruse (1 Tor, 2 Assists) und Flanken-König Schuster (2 Assists).

Der Flop des Spiels: Tim Wiese. Von Usami und den eingewechselten Vukcevic sowie Joselu abgesehen müsste fast jeder Hoffenheimer erwähnt werden. Wie Kevin Volland mit seiner womöglich historischen Minusleistung: In den ersten 45 Minuten kam er zu ganzen 7 Ballkontakten und spielte lediglich 2 Pässe, daraufhin folgte die Auswechslung. Oder auch Zugang Ochs, der in der gesamten Partie keinen einzigen Zweikampf gewinnen konnte - und das als Rechtsverteidiger! Doch als am folgenschwersten erwiesen sich Wieses Unsicherheiten. Mehrmals verschätzte er sich beim Flankenabfangen, zwei Patzer führten zum 2:3 und 3:4.

Der Schiedsrichter: Felix Zwayer. Zeigte wesentlich mehr Gelbe Karten für Hoffenheim (5) als für Freiburg (2), doch alle Ahndungen waren gerechtfertigt. Hatte das richtige Gefühl, als er kurz vor der Pause beim harmlosen Gerangel zwischen Johnson und Schuster keinen von beiden verwarnte. Gute Leistung.

Die Trainer:

Christian Streich. Unberechenbarkeit bleibt Programm: Guede wurde aus dem Mittelfeld wieder in den Sturm geschoben, Jendrisek stand plötzlich in der Startelf und Schuster gab bei Ballbesitz den Libero, so dass sich Freiburgs 4-4-2 häufig in ein 3-5-2 veränderte. Streich reagierte schnell auf Hoffenheims überraschendes 2:2 und brachte Caligiuri für Jendrisek, um das Mittelfeld zu stärken. Trotz des späteren 3:3 ein wichtiges Signal. Joker Freis erzielte das 5:3.

Markus Babbel. Traf die richtige Entscheidung, indem er Usami erstmals in der Startelf aufbot. Der Japaner war der mit Abstand beste Hoffenheimer, erspielte sich die meisten Chancen, traf zum 3:3, gab gute Pässe (80,0 Prozent angekommen) und gewann trotz zerbrechlicher Statur gute 52,9 Prozent der Zweikämpfe. Ansonsten aber bleibt Babbels Wirken unglücklich: Rudy sollte mit der erneuten Berufung in die erste Elf gestärkt werden, enttäuschte stattdessen zum wiederholten Male. Auch Ochs wird nach seinem miserablen Einstand genau wie die Alternativen Beck (öffentlich von Babbel kritisiert) und Schröck (zuletzt Gelb-Rot) verunsichert sein. Im Grunde wie die gesamte Mannschaft, allen voran Torwart Wiese.

Das fiel auf:

  • Ein seltsamer Spielverlauf, der bereits in der ersten Halbzeit zu statistischen Anomalien führte: So hatten die überlegenen Freiburger 57 Prozent Ballbesitz und ein Torschuss-Plus von 9:4, gewannen dafür aber nur 43,6 Prozent der Zweikämpfe.
  • Hoffenheim schoss nach zwei Minuten das 1:0 - die erste Führung überhaupt in dieser Saison. Doch statt sicherer aufzutreten, zeigte sich besonders die Abwehr indisponiert.
  • Zu sehen vor allem bei Torwart Wiese: Er sollte mit seiner Winner-Mentalität den Klub zu einem Champions-League-Klub formen, stattdessen ist er eines der großen Übel für den Albtraumstart.
  • Freiburg in allen Belangen besser. Interessant vor allem die taktische Variante, beim Aufbau aus der eigenen Häflte Schuster von der Doppel-Sechs nach hinten zu ziehen, damit er als Libero den ersten öffnenden Pass spielt. Aus dem 4-4-2 wurde ein 3-5-2 mit den Außenverteidigern Mujzda sowie Sorg, die weit nach vorne schoben.
  • Was dem SC anzulasten war: die mangelnde Konzentration. Wenn Freiburg 90 Minuten lang den unterlegenen Gegner ernst genommen hätte, wäre 1899 nie in der Lage gewesen, drei Tore zu schießen.
  • Umso bitterer, dass Hoffenheim trotz des 2:2 und 3:3 am Ende doch noch deutlich verloren hat. Nach vier Pflichtspielen gegen kein einziges Topteam kassierte Hoffenheim 15 Gegentore. Ein Beleg für die Zerbrechlichkeit des Teams.

Freiburg - Hoffenheim: Daten zum Spiel

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