Schalke siegt: Neun-Tore-Wahnsinn zum Auftakt

Von Fatih Demireli / Alex Truica
Freitag, 18.01.2013 | 22:28 Uhr
Sofian Chahed ersetzte den verletzten Steven Cherundolo auf der rechten Seite
© Getty
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Was für ein Auftakt in das Bundesliga-Jahr 2013! Schalke 04 gewinnt mit 5:4 (1:0) gegen Hannover 96 und beschert Jens Keller eine gute Rückkehr als Bundesliga-Trainer. Überragender Mann in der ausverkauften Veltins-Arena war Lewis Holtby, der möglicherweise letztmals im Trikot der Knappen auflief.

Reaktionen:

Jens Keller (Trainer Schalke 04): "Für die Zuschauer war es heute ein Spektakel, es hat richtig Spaß gemacht. Für mich als Trainer war es aber nicht so angenehm. Nach dem 2:0 habe ich gedacht, das Ding ist durch. Die Nerven waren nicht ganz einfach zu halten."

Mirko Slomka (Trainer Hannover 96): "Ich freue mich über vier Tore in der Offensive. Aber wenn wir vier Tore auf Schalke schießen, müssen wir eigentlich einen Punkt mitnehmen, besser drei. Wir haben vorher davon gesprochen, dass wir uns in der Defensive verbessern wollten, und dann kassieren wir fünf Stück. Defensiv ist das für einen Bundesliga-Trainer ein Desaster."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schalke ohne Papadopoulos, Afellay, Jones, Moritz und Huntelaar. Den Niederländer ersetzt Marica im Sturm. Höger übernimmt den Jones-Part im Mittelfeld. Hildebrand ist wie angekündigt die Nummer 1. Hannover mit Neuzugang Djourou in der Startelf neben Eggimann.

5.: Holtby steckt durch auf Marica. Der Rumäne verzieht mit dem schwächeren linken Fuß aber aus 13 Metern knapp über das Tor. Das hätte locker auch schon das 1:0 sein können.

42.: Kopfballchance von Marica nach einer Ecke! Schöne Aktion des Rumänen, der die Kugel im Rückwärtsfallen per Drehung noch erwischte.

44., 1:0, Farfan: Fuchs mit einem weiten Einwurf in den Strafraum, Eggimann verlängert die Kugel unfreiwillig an den langen Pfosten, wo Farfan blank steht und per Flachschuss Maß nimmt.

49., 2:0, Draxler: Holtby ist nach Fehler von Eggimann rechts durch und legt mit letzter Kraft links rüber zu Draxler, der im Eins gegen Eins gegen Zieler eiskalt abschließt.

55. 2:1, Pinto: Da Silva Pinto mit einer Direktabnahme von der Strafraumgrenze - Neustädter geht zum Ball und will ihn klären, senst aber unglücklich über die Kugel, so dass sich der Ball genau in den Winkel senkt.

60., 2:2, Huszti: Der Ungar kommt links am Strafraum frei zum Schuss und versenkt die Kugel unhaltbar flach ins rechte Eck.

64., 3:2, Höger: Holtby legt von drei Spielern bedrängt im Fallen auf Höger ab, der frei vor Zieler halbhoch ins kurze Eck einschießt.

67., 4:2, Marica: Marica wird von Neustädter geschickt, läuft unbedrängt Richtung Strafraum, drängt ein und schließt frei vor Zieler ins lange Eck ab. Da hat Djourou gepennt.

68., 4:3, Huzti: Jetzt schlägt Hannover wieder zu! Huszti schweißt nach Kopfballablage einen Volleyschuss mittig ins Tor!

88., 5:3, Holtby: Schalke kontert: Gleich drei Mann sind völlig frei durch, Farfan hat den Ball und legt auf Holtby ab, der bemitleidenswerte Zieler ist nach dessen Schuss noch dran, der Ball kullert aber über die Linie.

90, 5:4, Diouf: Diouf mit einem Fallrückzieher von der Strafraumgrenze. Unfassbar.

Fazit: Ein Offensivspektakel - vor allem in der zweiten Hälfte mit einem verdienten Sieg für Schalke.

Der Star des Spiels: Lewis Holtby hatte einen schweren Stand, nachdem er in der Winterpause seinen Weggang bekanntgab. Für den Youngster schien es eher eine Befreiung zu sein. Viel Spielwitz, viele gute Ideen, zwei Vorlagen und ein Tor. Bei seinem Abschiedsspiel?

Der Flop des Spiels: Mario Eggimann verlängerte beim 0:1 den Ball per Kopf für Farfan, der dann frei abschließen konnte. Beim 0:2 dann sogar ein Doppelfehler und wieder Initiator des Gegentors. Dass er ansonsten sicher stand, nur ein schwacher Trost.

Der Schiedsrichter: Deniz Aytekin musste viele Karten verteilen, hat aber jedes Mal richtig entschieden. Auch Diouf hätte für sein Einsteigen gegen Höger (14.) eine Gelbe verdient. Richtig war Gelb statt Rot für Djourou. Insgesamt ein guter Auftritt in einem Spiel mit vielen Fouls.

Die Trainer:

Jens Keller: Seine Elf stellte sich nach den vielen Ausfällen quasi von alleine auf. Holtbys Einsatz, der in der Schwebe stand, erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Reagierte auf das zwischenzeitliche Scheibenschießen mit der Hereinnahme des jungen Kolasinac.

Mirko Slomka: Musste einige Umstellungen vornehmen, u.a. auch Djourou spielen lassen, weil Haggui und Schulz fehlten. Abstimmungsprobleme fielen auf. Versuchte mit Abdellaoue für Sobiech für neue Akzente zu sorgen, doch die erhoffte Wirkung blieb aus.

Das fiel auf:

  • Schalke ergriff früh die Initiative, spielte aggressives Pressing und erspielte sich so die ersten Chancen - dies provozierte eine auffällige Unordnung bei Hannover.
  • Konsequenz: Da Silva Pinto ließ sich tief fallen, um die Räume enger zu machen. Dadurch Hannover erst gefestigt, dann ebenbürtig.
  • Bemerkenswert: Hannover in den ersten 45 Minuten ohne Torchance.
  • Nach der Pause zwei Mannschaften mit offenem Visier, wobei sich Hannovers Staubsauger Pinto etwas offensiver orientierte und dadurch Hannover ingesamt etwas das Spiel nach vorne verlagerte.
  • Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 Hannover mit riskantem Aufrücken - ohne echte Absicherung, sodass sich 96 schnell wieder den Zwei-Tore-Rückstand einhandelte.
  • Schalke und Hannover mit den Problemen der Hinrunde: In der Rückwärtsbewegung noch zu viele Fehler und daher anfällig.

Schalke - Hannover: Daten zum Spiel

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