Saisonvorschau: SpVgg Greuther Fürth

Die perfekte grüne Welle

Von Jochen Rabe
Freitag, 17.08.2012 | 09:46 Uhr
Erstmals in der Vereinsgeschichte schaffte die SpVgg Greuther Fürth den Aufstieg in die Bundesliga
© Getty
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In den Tagen vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison stellt SPOX alle 18 Klubs in einer Vorschau-Serie vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: SpVgg Greuther Fürth.

Fürth - eine Stadt auf der Welle der Euphorie. Der Fluch ist besiegt, das Kleeblatt geht in seine erste Bundesliga-Saison. Bei all der Feierstimmung muss auch die Anspruchshaltung im Umfeld des Klubs angepasst werden. Seit Jahren ist man gewohnt, viel zu siegen. Acht der letzten zehn Zweitliga-Spielzeiten beendete die Spielvereinigung unter den ersten Sechs. Eine Etage höher kann und wird es auch Dürreperioden geben.

Dessen ist sich Trainer Mike Büskens bewusst: "Wir sind jetzt in einer anderen Rolle. Wir werden Phasen haben, in denen wir uns mit weniger Punkten zufriedengeben müssen. Mit diesen Situationen müssen wir realistisch und nüchtern umgehen und auf unseren Weg vertrauen", sagte Büskens in einem "Kicker"-Interview.

Das ist neu

Vor allem ist in Franken eines neu: die Ligazugehörigkeit. Diesen Anlass nutzten die Fürther, um das Stadion zu sanieren. Durch den Bau einer neuen Gäste-Tribüne erhöht sich das Fassungsvermögen im Ronhof auf 18.500 Zuschauer.

Auch personell gibt es Veränderungen. Der Aderlass der Spielvereinigung nach dem Aufstieg ist überschaubar. Aus der Stammelf der Vorsaison verließen lediglich Publikumsliebling Stephan Schröck (1899 Hoffenheim) und Angreifer Olivier Occean (Eintracht Frankfurt) den Klub. Vor allem Letzterer wird im Offensivspiel der Franken jedoch merklich fehlen. Occean war erfolgreichster Torschütze (17 Treffer), eine wichtige Anspielstation und ein arbeitender Stürmer.

Das Erbe des Kanadiers soll Neuzugang Baye Djiby Fall antreten. Der Senegalese kam vom belgischen Pokalsieger Sporting Lokeren und wird auf Dauer wohl den Vorzug vor Gerald Asamoah bekommen. Der sagte dem "Donaukurier" zwar, er fühle sich fit und freue sich auf die Bundesliga, aber "klar ist auch, dass ich nicht mehr 90 Minuten durchspielen kann und wir mit Occean einen Stürmer verloren haben. Den müssen wir ersetzen." Dass Fall bereits gegen den FC Bayern beginnen darf, ist dennoch eher unwahrscheinlich. Der Neuzugang braucht noch Zeit.

Als Schröck-Ersatz kommen gleich zwei Neuzugänge in Frage: Der dänische EM-Teilnehmer Tobias Mikkelsen hat gegenüber dem Fürther Rekord-Transfer Zoltan Stieber (900.000 Euro) vorerst die Nase vorn. Der Däne hat die letzte Saison fast komplett durchgespielt und kommt mit drei EM-Einsätzen zum Kleeblatt. Stieber dagegen machte bei Mainz in der Vorsaison lediglich sieben Bundesliga-Spiele. Die breite Brust spricht also zunächst für Mikkelsen.

Die Franken stopften allerdings nicht nur Löcher. Der Kader wurde auch verbreitert, die Positionen wurden durch Neuzugänge doppelt besetzt. Dabei setzt man - ganz nach der Philosophie von Trainer Mike Büskens - nicht auf erfahrene Spieler, sondern vertraut entwicklungsfähigen Talenten.

So verpflichtete die Spielvereinigung Thanos Petsos (21), Michael Hefele (21), Abdul Rahman Baba (18), Thomas Pledl (18) und die Ersatz-Keeper Wolfgang Hesl (26) und Issa Ndoye (26). Zudem kommen Lasse Sobiech (21) aus Dortmund und der Kameruner Franck Ohandza (20) auf Leihbasis.

Diese sollen von den erfahrenen Profis wie Kleine oder Asamoah lernen und profitieren.

Die Taktik

Mike Büskens hält am bewährten 4-4-2-System mit flacher Mittelfeld-Vier fest. Nicht nur auf dem Papier will der Coach seine Taktik beibehalten. Auch in der Bundesliga soll sein Team das mutige, schwungvolle Kombinations-Spiel über die offensiven Außen aufziehen: "Dieser Elan, dieser Schwung, dieses Tempo haben uns in die Bundesliga gebracht", sagt Büskens.

Viel Grund, an seiner Ausrichtung zu zweifeln, hat er auch nicht. Der Meister der 2. Liga verzeichnete die wenigsten Gegentore und die zweitmeisten eigenen Treffer. Das einfache Erfolgs-Rezept der Fürther: offensives Pressing, schnelles Umschalten, gezielter Abschluss.

Das Stamm-Personal bleibt weitgehend gleich. In der kompletten Hintermannschaft sind die Aufstiegs-Helden gesetzt. Für den Ligastart ist Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal nach einem Muskelfaserriss allerdings noch fraglich. Die erste Alternative auf dieser Position ist Neuzugang Baba.

Wichtig für die Umsetzung der taktischen Vorgaben wird sein, wie schnell sich die Neuzugänge ins System einfinden können. Besonders auf den zweiten Angreifer - sei es Fall oder Asamoah - kommt es an, wie sein Vorgänger viel zu arbeiten und damit die nötigen Lücken für Strafraum-Wühler Nöthe zu reißen.

Der Spieler im Fokus

Sercan Sararer. Der 22-Jährige ist eines der größten Talente in den Reihen der Kleeblätter. In der vergangenen Zweitliga-Saison machte er alle 34 Spiele und erzielte dabei neun Tore.

Als Belohnung durfte der geborene Nürnberger im Mai für die türkische Nationalmannschaft debütieren - und überzeugte sofort.

Das weckt Begehrlichkeiten. Alle großen Istanbuler Klubs sollen Interesse gezeigt haben. Sararer wollte jedoch unbedingt in der Bundesliga bleiben, um sich bei Fürth für höhere Aufgaben zu empfehlen. Und möglichst die Klasse zu halten. Nach den Abgängen von Occean und Schröck kommt nun noch mehr Verantwortung auf Sararer als Leistungsträger und Antreiber zu.

Die Prognose

Eine Truppe, die weitgehend keine Bundesliga-Erfahrung hat, dürfte naturgemäß vom ersten Spieltag an gegen den Abstieg kämpfen. Mit dem Fürther Teamgeist und der frechen, offensiven Spielkultur könnte den Kleeblättern allerdings durchaus die eine oder andere Überraschung gelingen.

Ein weiteres Plus der Franken: Auch im Fall des ausbleibenden Erfolgs wird es keine Schnellschüsse geben. Trainer Büskens ist unantastbar. Dass er die "Unaufsteigbaren" ins deutsche Oberhaus geführt hat, macht ihn zum Helden. Sollte er das von seiner Seite aus wollen, wird er wohl über mehrere Jahre kontinuierlich arbeiten können. Diese Saison gehen die Fürther auf jeden Fall seinen Weg.

Wenn die Neuzugänge es schaffen, die schmerzhaften Abgänge von Schröck und Occean vergessen zu machen, und die Mannschaft sich weiter von der Euphorie-Welle in der Stadt tragen lässt, ist der Verbleib in der Bundesliga drin.

Der Kader der SpVgg Greuther Fürth

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