HSV: Cardoso siegt - kommt Stevens?

Von Stefan Moser / Felix Mattis
Freitag, 23.09.2011 | 22:34 Uhr
Beim Debüt von Rodolfo Cardoso gab es endlich wieder Grund zum Jubeln für den HSV
© Getty
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Der Hamburger SV hat das erste Spiel nach der Entlassung von Trainer Michael Oenning gewonnen. Die von Interimscoach Rodolfo Cardoso betreute Mannschaft besiegte zum Auftakt des 7. Bundesligaspieltags den VfB Stuttgart mit 2:1 (0:1). Nach Schlusspfiff dementierte HSV-Sportchef Frank Arnesen die Meldung über eine Einigung mit Huub Stevens als neuer Trainer.

Vor 55.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart brachte Martin Harnik (18.) den VfB nach einem Fehler von HSV-Torhüter Jaroslav Drobny in Führung. Nach der Pause drehten Jeffrey Bruma (51.) und Robert Tesche (67.) die Partie für Hamburg. Beide Male ging eine Ecke von Gökhan Töre voraus.

Für den HSV der erste Sieg nach saisonübergreifend 13 Spielen in Folge ohne Dreier.

Neuer HSV-Trainer: Kommt Stevens?

Am Freitagabend berichtete die "Bild", der Hamburger SV hätte sich mittlerweile mit Huub Stevens als neuer Trainer geeinigt. Der Niederlände solle demnach bereits am Montag das Training leiten. HSV-Sportchef Frank Arnesen aber dementierte nach dem Spiel eine Einigung mit dem 57-Jährigen.

Stevens selbst sagte bei "LigaTotal": "Es gab Gespräche, aber es gab keine Gespräche, die bestätigen, dass ich HSV-Trainer bin."

Reaktionen:

Frank Arnesen (Sportdirektor Hamburger SV) zur angeblichen Einigung mit Huub Stevens: "Nein, es ist keine Entscheidung gefallen. Das habe ich vor dem Spiel gesagt, und seitdem konnte ich nicht mit Huub Stevens sprechen. Vielleicht hätte ich es in der Halbzeit machen können, habe ich aber nicht. Ich werde es sagen, wenn wir einen Trainer haben. Wir wollen so schnell wie möglich einen Trainer, weil wir wissen, dass Rodolfo keine Lizenz hat. Wir wollen einen Trainer haben, der zu uns passt, und der auch sehr gern zu uns kommen möchte. Wenn wir ihn nächste Woche finden ist das gut, wenn etwas später, dann eben etwas später."

...zum Spiel: "Rodolfo war in der Pause ganz ruhig, hat erstmal alle durchatmen lassen und dann gesagt, dass wir nur ein Tor hinten sind und einfach ruhig bleiben müssen. Wir können es besser. Nach dem 1:1 haben wir einen ganz anderen HSV gesehen. Lam hat ein Traumdebüt hingelegt."

Wählt den MAN des 7. Spieltags

Rodolfo Cardoso (Trainer Hamburger SV): "Die Jungs sind Profis, sie wissen genau worum es geht. Es war heute wichtig, dass wir nicht auf den Gegner schauen, sondern uns nur um uns kümmern. Das hat die Mannschaft getan. Das war heute der Wandel zum Besseren."

Heiko Westermann (Hamburger SV): "Wir waren von Beginn an im Spiel, auch wenn sicher noch die eine oder andere Abstimmungsschwierigkeit dabei war. Wir wollten Spaß haben und Fußball spielen - und das haben wir gezeigt. Wenn wir immer gewinnen, dann spiele ich auch gerne rechts hinten."

Mladen Petric (Hamburger SV): "Wir haben uns viel vorgenommen und konnten es heute endlich mal umsetzen. Es war ein ganz anderer HSV. Die Mannschaft hat super gekämpft."

Bruno Labbadia (Trainer VfB Stuttgart): "Wir haben super ins Spiel gefunden, haben den Gegner unter Druck gesetzt. Zwangsläufig ist das 1:0 gefallen, aber dann hätten wir auch das 2:0 machen müssen. Leider sind wir dann aber sehr unsauber geworden und kamen gar nicht mehr so schnell hinterher, wie wir die Bälle verloren haben. Dadurch haben wir dann auch zu viele Standardsituationen hinnehmen müssen."

Serdar Tasci (VfB Stuttgart): "Wir haben uns nach dem 1:1 sehr blöd angestellt. Wir waren nicht mehr aktiv, haben den Faden verloren und noch so eine blöde Standardsituation kassiert. Eigentlich hatten wir eine gute Körpersprache, aber wir haben das zweite Tor nicht gemacht und dann wurde Hamburg besser."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Stuttgart beginnt mit derselben Mannschaft, die vergangene Woche in Freiburg gewonnen hat.

Hamburgs Interimscoach Cardoso zaubert einen Neuling aus dem Hut. U-23-Spieler Lam gibt im rechten Mittelfeld sein Bundesliga-Debüt. Jarolim muss für den Deutsch-Chinesen auf die Bank. Für Jansen kommt Töre über den linken Flügel. Hinten rechts muss Westermann aushelfen, weil Diekmeier und Mancienne verletzt ausfallen. Bruma verteidigt dafür zentral.

1.: Hamburg stößt an und spielt hinten rum. Die Stuttgarter spurten sofort nach vorn und machen Druck, so dass Rincon den Ball verliert und Cacau nach elf Sekunden zum ersten Mal rechts im Strafraum zum Abschluss kommt - Außennetz!

18., 1:0, Harnik: Schlechte Ordnung der Hamburger im Zentrum, Kuzmanovic schießt frei aus 23 Metern flach in die Mitte. Drobny wehrt den Ball mit dem Knie schwach nach vorn ab. Dort steht Harnik und schiebt problemlos ins leere Tor ein.

51., 1:1, Bruma: Töre tritt eine Ecke von rechts scharf halbhoch an den Fünfer Bruma wirft sich zum Kopfball in die Flugbahn. Er drückt die Kugel flach und mittig aufs Tor, Kuzmanovic fälscht ab - weshalb Ulreich aus kurzer Distanz leicht unglücklich aussieht

54.: Hamburg kommt schnell über rechts und Lam spielt schön in den Rücken der Abwehr zu Aogo. Der zieht sofort flach ab. Ulreich wehrt nach vorn ab. Töre schlägt den Rebound aber weit drüber.

67., 1:2, Tesche: Wieder bringt Töre eine Ecke von rechts halbhoch an den kurzen Pfosten. Dort verlängert Gentner unglücklich und bedient so Tesche auf der anderen Seite im Sechzehner. Der zieht aus der Drehung per Volley sofort aufs kurze Eck ab und trifft zur Führung.

88.: Aogo versucht nach einem hohen Ball, per Kopf zu klären und serviert Kuzmanovic den Ball damit auf dem Silbertablett. Der Stuttgarter zieht aus gut 16 Metern direkt ab, doch Drobny reagiert stark und pariert.

89.: Der eingewechselte Castelen kommt von halbrechts, schlägt einen Haken und schießt dann flach mit links aufs rechte Eck. Doch Ulreich taucht schnell ab und lenkt das Ding um den Pfosten.

Fazit: Am Ende ein wohl verdienter Sieg für den HSV. Stuttgart verpasste es nach der Führung, die Verunsicherung auszunutzen und den Sack zu zumachen. Nach der Pause war Hamburg die bessere Mannschaft.

Der Star des Spiels: Zhi Gin Lam. Der 20-Jährige war Cardosos Überraschungs-Coup und steht damit auch symbolisch für das Erfolgserlebnis des HSV. Aber auch in seiner Leistung überzeugte der Deutsch-Chinese. Sorgte mit frechen Dribblings für Schwung und behielt auch in den Phasen die Ruhe, in denen seine Kollegen den Kopf verloren. War in 65 Minuten an vier Torschüssen beteiligt und gewann 70 Prozent seiner Zweikämpfe. Bärenstarkes Bundesliga-Debüt. Zusammen mit Töre der beste Hamburger.

Der Flop des Spiels: Christian Gentner. Sollte nach vorne für Impulse sorgen, aber das Spiel lief vollkommen an ihm vorbei. Leistete sich zudem immer wieder einfache Fehlpässe und vertändelte Kontersituationen. Auch große Probleme im Defensivzweikampf. Musste nach 70 Minuten runter.

Der Schiedsrichter: Felix Zwayer. Hatte insgesamt kaum Mühe mit der fairen Partie und hielt sich entsprechend im Hintergrund. Einzig echter Fehler war die Szene in der 82. Minute, als Tasci Petric im Strafraum zu Fall brachte, Zwayers Pfeife aber stumm blieb.

Analyse: Unerwartet flotte Anfangsphase. Hamburg mit Lam und Töre um Tempo und Druck über die Flügel bemüht und gleich zu Beginn mit einigen Abschlüssen aus der Distanz. Stuttgart dagegen versuchte, den Finger in die Wunden zu legen und die HSV-Schwäche beim Umschalten auszunutzen: Nach Ballgewinn ging es sofort in die Tiefe, das Mittelfeld rückte schnell nach und machte Druck auf die Viererkette.

Nach knapp einer Viertelstunde beruhigte sich das Spiel und Hamburg begann, im Mittelfeld langsam die Kontrolle zu übernehmen - bis Drobnys Fehler und das Gegentor den HSV auf einen Schlag wieder ins alte Fahrwasser zogen: Angst, Lähmung, krasse Fehler, vereinzelt gespickt mit individuellem Aktionismus und fehlender Disziplin und Laufbereitschaft in der Arbeit nach hinten. Nur weil Stuttgart zu lässig und unpräzise agierte, stand es zur Pause lediglich 1:0 für die Schwaben.

Die Quittung nach dem Seitenwechsel: Der HSV kam völlig neu sortiert aus der Kabine.

Die bis dahin schwache Doppelsechs dominierte plötzlich aggressiv das Zentrum, Töre und der bei seinem Debüt erfrischend mutige Lam wirbelten über die Außen.

Weil auch Töres Ecken scharf und genau kamen, war die Hamburger Führung nach zwei Standards auch verdient.

Weil Stuttgart erst in der Schlussphase noch einmal den Druck erhöhen konnte, ohne jedoch wirklich zwingend zu werden, geht der Sieg für den HSV unterm Strich in Ordnung.

Ein existenziell wichtiger Dreier nach der Entlassung von Oenning - und der erste Erfolg nach 13 sieglosen Spielen.

Stuttgart - Hamburg: Daten zum Spiel

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