Pizarro erlöst Werder Bremen

Von Florian Bogner
Sonntag, 25.09.2011 | 19:31 Uhr
Herthas Adrian Ramos (l.) traf für Berlin zur Führung und flog später mit Gelb-Rot vom Platz
© Getty
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Werder Bremen hat auch das vierte Heimspiel der Bundesliga-Saison gewonnen und damit Anschluss zu Tabellenführer FC Bayern München gehalten. Am 7. Spieltag kamen die Bremer zu einem 2:1 (1:1)-Sieg über Hertha BSC, den Claudio Pizarro mit einem Doppelpack (23./90.+3) sicherstellte.

Für die Hertha hatte Adrian Ramos nach drei Minuten zur Führung getroffen.

Die Gäste beendeten das Spiel nur mit neun Mann - Christian Lell (57.) und Adrian Ramos (63.) sahen in der zweiten Halbzeit jeweils Gelb-Rot. Durch den Sieg bleibt Bremen Zweiter, die Hertha ist Zwölfter.

Die Reaktionen:

Thomas Schaaf (Trainer Bremen) über seine Verbannung auf die Tribüne: "Ich habe ein Tor gesehen, was ein klares Tor war. Beide Spieler haben um den Ball gekämpft und beide waren mit dem Gegner beschäftigt. Wir haben uns schwer getan und wenn ein solches Tor abgepfiffen wird, ärgert man sich."

...auf die Frage, ob Werder jetzt Bayern-Jäger ist: "Das können Sie uns nahelegen, aber wir schauen nach Punkten. Andere Dinge sind nicht ganz so vergessen, was wir das letzte Jahr durchgemacht haben."

Claudio Pizarro (Bremen): "Am Anfang hatten wir Schwierigkeiten, als wir das Tor bekommen haben. Danach haben wir aber sehr gut gespielt, das 1:1 geschossen und hatten noch ein paar Möglichkeiten. Die Berliner haben uns durch viele Fouls gestoppt und dafür die Roten Karten bekommen. Dadurch hatten wir es eigentlich einfach, aber Berlin stand gut. Zum Glück haben wir das Tor gemacht und noch gewonnen."

Andre Mijatovic (Hertha BSC): "Wir haben über 25 Minuten mit neun Spielern gespielt. Wir haben uns richtig gut gehalten und wenig zugelassen. Es ist aber schwer gegen elf Bremer - gegen so eine starke Mannschaft über 90 Minuten zu verteidigen. Aber ich muss sagen, dass ich absolut nicht mit Schiedsrichterleistung zufrieden bin. Vielleicht kann man die Roten Karten geben, aber allgemein hat er keine Sicherheit ausgestrahlt, zu viel Theater gemacht. Am Ende ist dies natürlich sehr bitter für uns."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Werder muss neben den Langzeitverletzten Borowski, Boenisch, Avdic und Silvestre auch auf Wiese (Rotsperre) und Sokratis (Muskelfaserriss) verzichten. Für Wiese hütet Mielitz das Tor, für Sokratis spielt Schmitz, Ignjovski wechselt die Seite. Ekici erhält den Vorzug vor Marin, Prödl spielt für Naldo.

Bei der Hertha ist Ramos im Sturmzentrum zurück, Lasogga weicht wieder auf die Bank. Ansonsten spielt die Elf, die zuletzt gegen Augsburg ein 2:2 holte.

3., 0:1, Ramos: Raffael wird rechts nicht von Bargfrede angegriffen, passt an den Sechzehner. Ramos lässt Ignjovski einfach stehen und schießt von links eiskalt ins rechte Eck ein. 3. Saisontor.

17.: Ramos legt von rechts ins Zentrum auf Raffael. Der verzögert und zieht aus 17 Metern ab - Mielitz ist unten und hält.

23., 1:1, Pizarro: Fritz flankt von links. Pizarro stützt sich bei Kobiaschwili auf, köpft aufs Tor - Kraft lässt den Ball hinter die Linie rutschen.

34.: Kraft fischt einen Hunt-Freistoß gerade noch so aus dem rechten Eck. Kurz darauf kommt Hunt von rechts erneut zum Abschluss - der Pfosten rettet für Berlin.

57., Gelb-Rot für Lell: Lell grätscht Wolf weit vom eigenen Tor entfernt um und darf dafür unter die Dusche. Dumme Aktion.

62.: Doppelpass Janker/Ramos. Janker steht frei vor Mielitz, doch Ignjovski wirft sich im letzten Moment in den Schuss.

63., Gelb-Rot für Ramos: Ramos foult Bargfrede und tritt dann vor Wut den Ball weg. Brych zeigt wegen dieser Unsportlichkeit Gelb-Rot.

79.: Kobiaschwili spielt Doppelpass mit Raffael und zieht zum Tor. Seine flache Hereingabe klärt Wolf in den Fuß von Raffael. Dessen Schuss aus zehn Metern blockt Bargfrede zur Ecke.

90.+3, 2:1, Pizarro: Ecke Marin von links, Rosenberg verlängert, Pizarro drückt aus abseitsverdächtiger Position per Kopf aus vier Metern ein. 5. Saisontor.

Fazit: Etwas glücklicher Sieg für Werder. Die Grün-Weißen spielten lange zu einfallslos, um die dezimierte Hertha in Bedrängnis zu bringen.

Der Star des Spiels: Claudio Pizarro. Der Stürmer unterstrich mit seinem Doppelpack seinen Stellenwert für Werder. Ebenfalls stark: der Ex-Bremer Peter Niemeyer, der den Hertha-Maschinenraum gut organisierte und viele Zweikämpfe gewann, sowie der unermütliche Raffael, der an jeder gefährlichen Hertha-Szene beteiligt war.

Der Flop des Spiels: Alexandar Ignjovski. Der junge Serbe musste aufgrund der Sokratis-Verletzung die Seiten wechseln und hatte damit in der ersten Halbzeit seine Probleme. Ignjovski verlor über 70 Prozent seiner Zweikämpfe und spielte viele Fehlpässe. Nach der Pause steigerte sich Ignjovski immerhin ein bisschen, offensiv kam er aber auch da nicht zur Geltung.

Der Schiedsrichter: Dr. Felix Brych. Stand vor allem im zweiten Durchgang im Fokus und nicht unter Verdacht, die Hertha zu bevorzugen. Versuchte sich mit zwei frühen Gelben Karten gegen Lell und Ramos Respekt zu verschaffen, womit er bereits früh den Zorn der Berliner auf sich zog. Dass sich Pizarro beim 1:1 leicht aufgestützt hatte, was Brych durchgehen ließ, ärgerte die Berliner noch mehr. Die Gelb-Roten Karten waren indes beide korrekt. Im Fall Ramos vor allem, weil Brych Kobiaschwili zuvor drauf hingeweisen hatte, das nächste Ballwegschlagen zu ahnden. Dafür erkannte er auf der Gegenseite ein Tor von Pizarro wegen Haltens gegen Hubnik zu Recht nicht an (80.). Im Anschluss an diese Szene schickte er Thomas Schaaf auf die Tribüne.

Analyse: Berlin mit dem besseren Start, weil Niemeyer den zögerlichen Ekici aus dem Spiel nahm und der bewegliche Raffael auf der anderen Seite über die Außen für Betrieb sorgte. Erst als Schaaf Fritz nach 20 Minuten auf die linke Seite beorderte (im Tausch mit Hunt), wurde Werders Ordnung besser und Bremen übernahm die Initiative.

Wählt den MAN des 7. Spieltags

Hertha verdichtete den Raum mit zwei Viererketten (und Raffael davor) und unterband damit vor allem Werders Flügelspiel. Bremen war so überdurchschnittlich oft zu Flanken aus dem Halbfeld gezwungen, insgesamt sieben Mal in Halbzeit eins. Eine davon führte zum Ausgleich, weil die Zuordnung bei Berlin (Kobiaschwili vs. Pizarro) einmal nicht passte.

Nach der Pause riss Bremens Spielfluss allerdings ab, auch die Hertha brachte kaum Nennenswertes zustande. Ramos war weitestgehend isoliert. Immerhin war die Werder-Innenverteidigung ab und an für einen Aussetzer gut.

Durch die zwei Platzverweise binnen sechs Minuten änderte sich das Spiel nicht wirklich - Herthas Viererriegel standen fortan nur noch tiefer, Werder wusste mit Ballbesitz in Hülle und Fülle noch weniger anzufangen.

Schaaf reicherte die eigene Offensive in der Schlussphase noch mit Marin und Rosenberg an, letzterer war am Siegtor entscheidend beteiligt.

Bremen - Hertha: Daten zum Spiel

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