Barcelona, Real... Bayern?

Von Florian Bogner
Sonntag, 25.09.2011 | 21:30 Uhr
Beängstigend gut: Der FC Bayern (hier Robben und Schweinsteiger) eilt derzeit von Sieg zu Sieg
© Getty
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Nicht nur Rudi Völler sieht den FC Bayern München derzeit in einer anderen Liga. Der Rekordmeister muss nicht mal seine Bestleistung abliefern, um die Liga-Gegner zu deklassieren. Nach der lockeren Einheit gegen Bayer Leverkusen herrscht nun Vorfreude auf das Champions-League-Spiel gegen Manchester City. Leverkusen dagegen ist gegen RKC Genk unter Zugzwang.

Auf dem Papier hatte gerade der Vize-Meister beim Dritten der Vorsaison 0:3 verloren, dennoch sah der Trainer des Vize-Meisters nicht wirklich unglücklich aus. "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, weil sie sich defensiv gewehrt hat und nicht hat abschlachten lassen", sagte Robin Dutt nach der Abreibung in der Allianz Arena und meinte das auch noch vollkommen ernst.

Der Sportdirektor des Vize-Meisters, Rudi Völler ordnete die Niederlage ähnlich ein. "Wenn man gegen eine solche Klassemannschaft schnell 0:2 hinten liegt, muss man gucken, dass man Schadensbegrenzung betreibt", sagte Völler mehr oder weniger entspannt. Das Spiel war nach Dutts und Völlers Meinung also eigentlich schon nach 19 Minuten verloren.

Völler adelt FC Bayern

Die Begründung für Leverkusens Passivität lieferte Völler gleich mit: Wenn man versucht hätte, mit aller Macht nach vorne zu laufen, dann hätte man von den Münchnern ja sechs Stück eingeschenkt bekommen. "Barcelona, Real Madrid - das ist dasselbe Niveau", adelte Völler den Rekordmeister.

Wüsste man es nicht besser, könnte man beinahe denken, der Liga-Rest schwenkt angesichts der Bayern-Serie von sechs Siegen und 21:0 Toren schon die weiße Flagge.

Bremen und Mönchengladbach - am ersten Spieltag Bayern-Bezwinger - halten noch einigermaßen mit. Der Rest ist eher mit sich selbst beschäftigt.

Leverkusen sieht sich laut Völler sowieso eher auf Höhe von Stuttgart, Dortmund, Schalke und Wolfsburg. "Mit diesen Mannschaften wollen wir uns messen, vor diesen wollen wir am Ende stehen - auch wenn's jetzt noch ein bisschen holprig läuft."

Lahm: "Haben viele Fehler gemacht"

Alles in allem sind solche Aussagen durchaus beängstigend, wenn man berücksichtigt, dass die Münchner beim zehnten Pflichtspielsieg in Folge nicht an ihr derzeitiges Leistungsvermögen heranreichten.

Kapitän Philipp Lahm hatte gegen Bayer jedenfalls einiges entdeckt, was ihn störte. "Wir hatten in der ersten Halbzeit Konzentrationsprobleme, haben viele Fehler gemacht."

Auch Toni Kroos meinte: "Wir können schon noch einen Tick besser spielen." Alles kein Grund zur Sorge für den Trainer. "Wenn Gomez und Robben wieder ganz fit sind, haben wir noch Spielraum nach oben", kündigte Jupp Heynckes vergnügt an.

Fügen sich alle Mannschaften fortan so devot ihrem Schicksal, wie es Bayer tat, droht der Liga in der Tat ein Bayern-Durchmarsch. "Wir hätten sicher nichts dagegen", sagte Lahm. Seine selbstbewusste Einschätzung der Lage: "Wenn, dann können wir uns in dieser Verfassung nur selbst schlagen."

Schweinsteiger freut sich auf ManCity

Die Bundesliga ist für den FCB derzeit nicht mehr als eine lockere Trainingsrunde, die Champions League dagegen die wahre Bühne. "Am Dienstag kommt eine richtige Herausforderung auf uns zu: Da müssen wir zeigen, dass wir auch in der Champions League gegen Top-Mannschaften so spielen können", griff Bastian Schweinsteiger am Samstag schon mal aufs Spiel gegen Manchester City vor.

Zwar ist ManCity als Königsklassen-Debütant sicherlich kein Gegner zum Fürchten, wird den Bayern aber einen besseren Blick auf ihre internationale Konkurrenzfähigkeit geben, als es die Liga-Gegner bisher tun konnten.

"Es wäre schön, wenn wir sie am Dienstag packen", meinte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und rechnete vor: "Dann haben wir fünf Punkte Vorsprung auf sie, das ist unser großes Ziel."

Badstuber souverän - Boateng kritisiert

Die homogene Defensive dürfte dabei einmal mehr als Faustpfand gelten. 568 Minuten ist Manuel Neuer in der Liga mittlerweile unbezwungen und damit schon auf Platz acht der Bundesliga-Bestenliste vorgestoßen. Zum Rekord von Timo Hildebrand fehlen noch 316 Minuten, oder anders gesagt: dreieinhalb Spiele.

Holger Badstuber kristallisiert sich vor Neuer immer mehr als Abwehrchef heraus und überzeugt Woche für Woche mit souveränen Leistungen.

Leise Kritik äußerte Heynckes hingegen an Jerome Boateng, der gegen Leverkusen auf der Bank saß und nun auch das Spiel gegen die Ex-Kollegen verpassen könnte. "Boateng hat bisher nicht die Kontinuität in den Spielen wie zum Beispiel Badstuber", sagte der Coach, "deswegen auch der Wechsel."

Völler: Sieg gegen Genk Pflicht

Solche Luxusprobleme hätte man bei Leverkusen wohl gerne. Nach den Ausfällen von Daniel Schwaab und Michal Kadlec bot Dutt gegen Bayern so was wie das letzte Abwehr-Aufgebot auf. "Wenn man so viele Ausfälle hat, muss man was zusammenflicken", kommentierte Völler.

Dementsprechend wollte der Sportdirekter das 0:3 auch nicht überbewerten. "Abhaken und ganz schnell an Genk denken", war die Bayer-Devise. "Da müssen wir gewinnen."

Anders als der FCB ist Leverkusen am Mittwoch gegen den belgischen Meister nämlich unter Zugzwang. Ein Sieg ist Pflicht, will man um Platz zwei mitspielen. Immerhin kehren dann die zuletzt in der Liga gesperrten Kadlec und Andre Schürrle zurück, auch Michael Ballack dürfte seine Grippe bis dahin überstanden haben.

Die Marschroute gibt Völler vor: "Wir müssen wieder mutiger spielen." Damit Dutt hinterher nicht wieder mutige Aussagen im Angesicht einer Niederlage treffen muss und damit Wasser auf die Mühlen derer liefert, die sich in München mit einem "Dutt, verpiss' Dich"-Plakat Aufmerksamkeit verschafften.

Bayern - Leverkusen: Daten zum Spiel

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