Bundesliga - 5. Spieltag

"Platz eins ist das Ziel!"

Von Stefan Rommel / Marc-Oliver Robbers
Samstag, 10.09.2011 | 20:25 Uhr
Werders Spieler feiern den Derbysieg gegen den HSV - allen voran Lautsprecher Tim Wiese (2.v.l.)
© Getty
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Werder Bremen hat seinen Höhenflug weiter fortgesetzt und den dritten Sieg in Folge gefeiert. Im Nord-Derby gegen den Hamburger SV siegte die Mannschaft von Thomas Schaaf mit 2:0 (0:0) und stürzte den HSV damit noch tiefer in die Krise. Das Comeback von Naldo kurz vor Schluss nach 16 Monaten machte den Bremer Arbeitstag perfekt.

Vor 42.000 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weserstadion schnürte Claudio Pizarro kurz nach der Pause und eine knappe Viertelstunde vor dem Ende einen Doppelpack (53. und 78.) zum Bremer Sieg.

Bremen klettert durch den Erfolg auf Tabellenplatz zwei, Hamburg bleibt mit nur einem Punkt aus fünf Spielen Letzter.

Trainer Michael Oenning wird trotz einer insgesamt ansprechenden Leistung seiner Mannschaft weiter in der Diskussion stehen.

Reaktionen:

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): "Die Mannschaft hat hervorragend gespielt: Wir waren bissiger, griffiger, haben immer wieder nachgesetzt, weil wir das Spiel gewinnen wollten. Wir haben in der zweiten Halbzeit deutlich gezeigt, dass wir das Spiel gewinnen wollen. Wir haben uns heute nicht damit zufrieden gegeben nur mitzuspielen, sondern wir wollten das Spiel entscheiden. Wir sind zufrieden mit dem Saisonstart - viel entscheidender für mich ist aber, dass wir wieder besser Fußball spielen."

Michael Oenning (Trainer Hamburger SV): "Es war ein sehr packendes, enges Derby. Meine Mannschaft hat sehr engagiert gespielt, bis zum Ende alles versucht. Heute kann man ihr nichts vorwerfen, aber Pizarro und Wiese waren besser. Ärgerlich ist, dass wir zwei Standard-Tore bekommen haben, das begleitet uns schon länger - da müssen wir noch konsequenter werden. Ich habe eine klare Entwicklung gesehen. Wenn Petric etwas mehr Glück hat, macht er zwei Tore, dann sieht es anders aus."

Claudio Pizarro (Werder Bremen): "Der Sieg war sehr wichtig heute. Wir versuchen eine Top-Mannschaft in der Bundesliga zu sein, den ersten Platz zu erreichen - das ist das Ziel!"

Tim Wiese (Werder Bremen): "Wir haben ein klasse Spiel gemacht, aber auch Hamburg hat gut gespielt. Wir waren die bessere Mannschaft. Ich habe gelesen, dass man mir das Maul stopfen will. Das hier ist aber kein Ballett, kein Schach, kein Weichei-Fußball, dass man gleich heulen muss. Wer mir das Maul stopfen will, muss schon früher aufstehen. Aber der HSV hat eine gute Mannschaft - absteigen werden die nicht."

Nachbetrachtung:

Das 175. Nord-Derby erfuhr seine besondere Brisanz durch die Tabellenkonstellation, den Hamburger Fehlstart - und fast schon traditionell auch durch ein paar markante Worte von Bremens Schlussmann Tim Wiese.

Der hatte im Vorfeld gegen den HSV gestichelt, die Hamburger wollten ihn dafür büßen lassen. Aber Wiese ist eben nicht nur ein Maulheld, sondern auch da, wenn es drauf ankommt. Zweimal rettete er mit einem tollen Reflex gegen Petric und war neben Doppel-Torschütze Pizarro Werders Matchwinner.

Die Bremer haben ihre Art des Fußballs wieder gefunden, Werder tritt nach einer schwachen Saison endlich wieder als Kollektiv auf. Im ersten Spiel ohne Per Mertesacker zeigte die Mannschaft Teamgeist, Leidenschaft, Geschlossenheit und den nötigen Biss. Die Zugänge Ignjovski und Sokratis scheinen echte Verstärkungen zu sein, lediglich Mehmet Ekici hat den Weg in die Startelf noch nicht gefunden.

Die Probleme auf des Gegners Seite sind dagegen immer noch immens. Auch wenn der HSV zumindest eine Halbzeit lang eine gute Vorstellung geboten hatte. So langsam kristallisieren Spielidee und Personal heraus. Es bleiben aber auffällig viele Gegentore nach Standards. Sieben sind es bereits in dieser Saison.

Und die eigentliche Essenz fehlt weiter: Der HSV punktet einfach nicht. Das wiederum wird den Druck auf Trainer Michael Oenning nicht weniger werden lassen. Sportchef Arnesen stellte sich erneut demonstrativ hinter seinen Trainer, beim nächsten Heimspiel gegen Gladbach sollte aber langsam auch Zählbares herausspringen.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im ersten Spiel ohne Mertesacker spielt Prödl von Beginn an in der Innenverteidigung. Ignjovski ersetzt den verletzten Schmitz links in der Viererkette und feiert sein Bundesliga-Debüt. Ansonsten keine Änderungen.

Beim HSV bleibt Drobny im Tor, dazu wieder mit Mancienne in der Startelf, diesmal rechts in der Viererkette. Im offensiven Mittelfeld Guerrero und Skjelbred, Petric ganz vorne drin.

22.: Pizarro zimmert einen Freistoß in die Mauer. Arnautovic nimmt den Abpraller aus 18 Metern volley. Aber Drobny pariert den harten Schuss im Nachfassen.

39.: Eine Ecke von Marin von rechts köpft Sokratis aus acht Metern mit Wucht an die Querlatte. Drobny wäre ohne Chance gewesen.

48.: Pizarro bugsiert die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie. Gräfe gibt das Tor nicht, weil Pizarro sich bei Westermann aufgestützt hat. Richtige Entscheidung.

53., 1:0, Pizarro: Marin zirkelt einen Freistoß von links über die Mauer. Drobny fällt etwas schwerfällig ins Eck, der Ball springt an den Posten. Pizarro ist da und nickt den Abpraller aus zwei Metern ins leere Tor.

72.: Petric lässt Wolf aussteigen und zirkelt den Ball aus sieben Metern Richtung langes Eck, Wiese hält die Kugel mit einem Wahnsinnsreflex.

77.: Marin auf Hunt. Der nimmt von halblinks Maß, den Flachschuss pariert Drobny aber mit dem linken Fuß.

78., 2:0, Pizarro: Ecke von rechts. Pizarro nimmt den Ball trotz Bedrängnis von Aogo mit der Brust runter und schweißt das Ding volley aus elf Metern in den rechten Winkel.

84.: Petric völlig frei im Sechzehner, zieht aus der Drehung ab. Aber Wiese pariert erneut sehr stark.

86.: Das Comeback des Spieltags: Naldo wird nach 16 Monaten Verletzungspause für Pizarro eingewechselt.

Fazit: Verdienter Erfolg für Bremen, das mehr Leidenschaft und Willen an den Tag legte als der HSV - der allerdings in der ersten Halbzeit richtig gut spielte.

So diskutierten die mySPOX-User während des Spiels!

Der Star des Spiels: Sokratis zeigte auf der rechten Seite eine bärenstarke Leistung. Der Grieche hatte Jansen defensiv komplett im Griff, machte nach vorne jede Menge Dampf. Mit Pech beim Lattenkopfball. Sokratis Dynamik war ein wichtiger Faktor im Bremer Spiel. Nur: Jeder seiner weiten Einwürfe muss als falsch geahndet werden. Sokratis hebt dabei immer sein linkes Bein. Auch stark: Matchwinner Pizarro und Keeper Wiese, der zweimal stark parierte.

Der Flop des Spiels: Dennis Aogo wäre einer derjenigen gewesen, die beim Rückstand eine Reaktion zeigen mussten. Vom Nationalspieler kam aber gar nichts. Im Gegenteil: bei Pizarros 2:0 stellte er sich im Zweikampf amateurhaft genug an. Offensiv kaum zu sehen.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe wählte eine sehr großzügige Linie und hatte die zeitweise sehr hitzige Partie insgesamt gut im Griff. Pizarros Tor kurz nach dem Wechsel nicht anzuerkennen war richtig. Die Gelbe Karte gegen den Peruaner wegen angeblicher Schwalbe in der ersten Halbzeit aber deutlich überzogen.

Analyse: Der HSV kam schnell ins Spiel, war im Mittelfeld aggressiv und spielte ordentlich nach vorne - auch wenn die gesamte Mannschaft bei den meisten Angriffen nicht entschlossen genug nachrückte.

Nach gut zwanzig Minuten wurde die Partie immer rassiger, es gab viele harte Zweikämpfe - für den neutralen Betrachter ein tolles Derby, dem aber lange die klaren Torchancen fehlten.

Gegen Ende der ersten Halbzeit erspielte sich Bremen ein leichtes Übergewicht, wirklich zwingend war aber nur Sokratis' Kopfball.

Nach dem Wechsel legten die Gastgeber eine Schippe drauf und drängten von Beginn an auf den Führungstreffer. Hamburg reagierte nur noch und kam selbst kaum zu strukturierten Angriffen. Pizarros Tor zeichnete sich förmlich ab.

Werder hatte die Partie danach dank der größeren Leidenschaft unter Kontrolle, hielt den HSV immer weit vom eigenen Tor weg und hatte selbst die besseren (Konter-)Gelegenheiten.

Lediglich bei den Chancen von Petric wurde Hamburg noch gefährlich. Pizarros Sensationstor entschied das Spiel endgültig - erneut ein Gegentor nach einem Standard für den HSV.

Bremen - Hamburg: Daten zum Spiel

 

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