Samstag, 05.05.2012

Bundesliga - 34. Spieltag

Hertha rettet sich in die Relegation

Dank des brasilianischen Brüder-Paars Raffael/Ronny hat Hertha BSC am 34. Spieltag der Saison 2011/2012 1899 Hoffenheim mit 3:1 (1:0) besiegt und sich im letzten Augenblick vom 17. auf den 16. Platz geschoben. Damit steigen die Kölner nach dem 1:4 gegen den FC Bayern direkt ab, Berlin hingegen nimmt an der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten teil. Das Hinspiel findet am Donnerstag statt.

Herthas Fanol Perdedaj bejubelt das 1:0 durch Änis Ben-Hatira
© Getty
Herthas Fanol Perdedaj bejubelt das 1:0 durch Änis Ben-Hatira

Vor einer für ein Abstiegsfinale enttäuschenden Kulisse von 55.000 Zuschauern, fast 20.000 unter Vollauslastung, brachte Änis Ben-Haitra die Hertha in Führung (14.). Der Linksaußen erhöhte in der 78. Minute, bevor Marvin Compper der Anschlusstreffer gelang (85.). Raffael markierte in der Nachspielzeit den 3:1-Endstand.

Begünstigt wurde der Hertha-Sieg von einer Fehlentscheidung von Schiedsrichter Kinhöfer, der Hoffenheims Babel in der ersten Halbzeit des Feldes verwies.

Für die Schreckensmeldung aus Berliner Sicht sorgte Pierre-Michel Lasogga, der mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden musste und für die Relegation ausfällt.

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Reaktionen:

Trainer Otto Rehhagel (Hertha BSC): "Am Samstagabend dürfen sich die Spieler und Fans noch freuen, ab Sonntag gilt die ganze Konzentration den beiden Relegationsspielen. Das war eine Nervenschlacht. Wie man das übersteht, weiß man hinterher nicht mehr. Wir haben heute das Spiel mit einer unglaublichen Nervenbelastung angehen müssen. Alle waren bereit. Aber wenn man übermotiviert ist, dann lähmt das die Beine. Wir haben nur das erreicht, was wir erreichen mussten - mehr nicht."

Michael Preetz (Hertha BSC): "Es war eine enorme Drucksituation, wie in einem Pokalspiel. Die Mannschaft hat heute dem enormen Druck standgehalten. Das hat sie besser gemacht, sie hat aufopferungsvoll gekämpft. Ich war genauso angespannt wie die Spieler. Jetzt sind noch zwei Spiele zu gehen. Wir haben noch eine zweite Chance bekommen, das haben wir durch großes Engagement und großen Kampf heute geschafft. Wir müssen sehen, dass die Spieler bis Donnerstag wieder fit sind. Es ist natürlich ein Unterschied, ob du mit einem Sieg in die Relegation gehst oder ob du in die Relegation hinein taumelst."

Trainer Markus Babbel (1899 Hoffenheim): "Es war ein sehr abwartendes Spiel. An dem Punkt, an dem ich dachte, dass wir das Spiel kippen können, haben wir eine Gelb-Rote Karte kassiert. In der zweiten Halbzeit war Hertha immer gefährlich. Nach dem Anschlusstreffer haben wir nochmal alles riskiert. Aber ich denke, dass Hertha der verdiente Sieger war. Sie waren vor dem Tor eiskalt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Rehhagel mischt erneut ordentlich durch: Lell (Fußprellung), Ronny, Ramos und Rukavytsya (alle Bank) raus, Holland, Lasogga, Kobiaschwili und Ebert rein. Hoffenheim nur mit einer Veränderung: Kaiser, der vermutlich gehen muss, steht in der Startelf, dafür sitzt Musona auf der Bank. Folge: Salihovic rückt von der Sechser- auf die Zehner-Position.

14., 1:0, Ben-Hatira: Ben-Hatira mit der Freistoß-Flanke aus dem rechten Halbfeld. Mit links zieht er den Ball Richtung Tor. In der Mitte kommt keiner dran und der Ball schlägt im langen Eck ein.

34.: Klasse Pass von Salihovic in die Gasse auf Schipplock. Kraft kommt aus seinem Tor und zieht voll durch, Schipplock ist einen Tick eher am Ball und legt sich die Kugel an Kraft vorbei. Das Tor ist leer, doch Schipplock ist nicht schnell und beweglich genug und wird nach außen abgedrängt. Chance dahin!

41., Gelb-Rot für Babel: Schiri Kinhöfer liegt doppelt falsch: Babel foult Niemeyer, Kinhofer gibt Vorteil. In der nächsten Aktion schubst Babel Kobiaschwili leicht. Der fällt um - und Kinhöfer pfeift ab. Er gibt Babel fürs erste Foul Gelb und für die Folgeaktion gleich nochmal. Macht Gelb-Rot. Doch da lag Kinhöfer daneben. Beide Aktionen waren kein Gelb.

45.: Feiner Pass von Raffael auf Ben-Hatira, der legt von der Grundlinie zurück an den Fünfer, wo Lasogga steht, aber von Compper umgerissen wird. Kinhöfer gibt allerdings keinen Elfmeter. Nächste Fehlentscheidung!

58.: Ronny mit einem saftigen Distanzschuss aus 25 Metern. Starke sieht den Ball erst spät und ist trotzdem unten. Starke Parade.

60.: Lasogga knickt nach einem Kopfballduell mit Compper das Knie weg. Mit Verdacht auf Kreuzbandriss muss er ausgewechselt werden.

78., 2:0, Ben-Hatira: Wieder ein Zucker-Pass von Raffael in die Gasse auf Ramos. Der legt quer in die Mitte, wo der Ball mit ein bisschen Glück bei Ben-Hatira landet, der ihn aus zehn Metern ins leere Tor schiebt.

85., 2:1, Compper: Freistoßflanke von rechts in den Strafraum. Compper reißt freistehend das Bein nach oben und drückt die Kugel über die Linie.

90.+2, 3:1, Raffael: Hertha fängt eine Ecke ab. Raffael alleine auf dem Weg zum Tor, das leer ist, weil Starke mit vorne ist. Der Brasilianer läuft über den halben Platz und schiebt locker ein.

Fazit: Am Ende wurde es unnötig spannend, dennoch gewinnt Berlin verdient und rettet sich in die Relegation.

Der Star des Spiels: Raffael. Von Beginn an die dominante Kraft: War im Grunde bei jedem Angriff beteiligt, traf zum Endstand, leitete das 2:0 ein, zeichnete für 4 Torschüsse und 2 Torschussvorlagen verantwortlich. Erstaunlich: Trotz einiger riskanter Pässe fanden 88 Prozent seiner Anspiele den Mitspieler. Gleichfalls stark: Ben-Haitra mit dem wichtigsten Doppelpack seiner Karriere.

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Der Flop des Spiels: Sven Schipplock. Der Mittelstürmer ging wie gewohnt mit Emsigkeit voran (3 Torschüsse), dennoch bleibt nach dem letzten Spieltag die Erkenntnis: Hoffenheims großen Ambitionen ist Schipplock schlichtweg zu schlecht - zumindest als Stammkraft. Ohnehin technisch limitiert, verlor er in Berlin auch noch 15 der 18 Zweikämpfe und offenbarte bei der Großchance in der 34. Minute Defizite bei Antritt und Koordination. Für Neuzugang Derdiyok wird Schipplock kein Konkurrent sein.

Der Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer. Eine miserable Leistung - und das im entscheidenden Spiel um den Abstieg. Dass er Babel für zwei Fouls innerhalb weniger Augenblicke mit Gelb-Rot des Platzes verwies, war lächerlich. Ebenso, dass er nach dem klaren Compper-Foul an Lasogga den Berlinern ein Elfmeter verweigerte

Analyse: Ein Nachmittag, wie es zu erwarten war: Berlin mühte sich und blieb doch limitiert, Hoffenheim wiederum investierte nicht mehr denn nötig. Heraus kam ein wenig ansehnliches Spiel, bei der sich 1899 in der ersten Halbzeit statistisch sogar überlegen zeigte (61 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 56 Prozent Ballbesitz).

Mit dem Platzverweis für Babel verkehrte sich das Bild: Hoffenheim wartete nur noch ab und versuchte gar nicht erst, auf den Ausgleich zu gehen. Stattdessen bestimmte Berlin das Geschehen, ohne zu viel zu riskieren. Besonders die Einwechslung von Ronny für den übermotivierten und Gelb-Rot-gefährdeten Perdedaj kurz vor der Pause erwies sich als wirkungsvoll.

Ronny beherrschte mit seinem Bruder Raffael das Zentrum, gewann 77 Prozent der Zweikämpfe und gab trotz defensiver Grundausrichtung 2 Torschüsse ab und gab 3 Torschussvorlagen.

Nachdem Rehhagel in Berlin mit vielen seiner Entscheidungen falsch lag, hatte er zum richtigen Zeitpunkt doch noch das richtige Händchen. Jetzt ist selbiges in der Relegation gefragt.

Hertha - Hoffenheim: Daten zum Spiel

 


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