Feier mit Blick auf Berlin

SID
Die Dortmunder Spieler feiern die Meisterschaft, allerdings mit angezogener Handbremse
© Getty
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Venlo

Als Kapitän Sebastian Kehl um 17.34 Uhr am Samstag die Meisterschale küsste und gen Himmel reckte, fand für Borussia Dortmund eine Bundesliga-Saison der Superlative ein glanzvolles Finale.

Tausende treuester BVB-Fans unter den 80.720 Zuschauern im ausverkauften Dortmunder Fußball-Tempel strömten von Glück erfüllt auf die grüne Bühne, auf der ihnen unter der Anleitung des Meister-Dirigenten Jürgen Klopp die Idole wie Kehl, Robert Lewandowski, Shinji Kagawa, Mario Götze oder Mats Hummels unvergessliche Momente beschert haben.

Zahllose Stücke des heiligen Rasens und die Aluminium-Tore verschwanden im Handumdrehen.

"Es ist nicht so einfach, die richtigen Worte für etwas ganz, ganz Außergewöhnliches und Großartiges zu finden", sagte ein sichtlich beeindruckter Klopp.

Sein Team hat unglaubliche Zahlen produziert und Rekordmeister Bayern München, das Maß vieler Dinge im deutschen Fußball, auf diesem Raubzug teilweise aus den Rekordlisten gelöscht. "Wir haben 80 Tore geschossen, wir haben in der Rückrunde 47 Punkte geholt, wir haben insgesamt 81 Punkte geholt. Ich bin unendlich stolz auf diese Truppe", sagte der 44-Jährige Klopp.

Die "Gier" zeichnet den BVB aus

81 Punkte bedeuten die beste Saison-Bilanz in 49 Jahren Bundesliga. Die bisherige Bestmarke der goldenen Bayern-Generation mit Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Uli Hoeneß aus den Spielzeiten 1971/1972 und 1972/1973 (umgerechnet 79 Punkte) wurde schwarz-gelb übermalt.

"Das ist eine historische Marke, die sobald nicht mehr geknackt werden dürfte. In 30 oder 40 Jahren werden wir drauf gucken und ein Lächeln auf den Lippen haben. Vielleicht ist die Marke dann noch nicht geknackt", sagte Klopp. 47 Punkte aus 17 Spielen ohne Niederlage in der Rückrunde wohl auch nicht, genauso wenig wie die 28 Spiele in Folge ohne Niederlage innerhalb einer Saison, beides Bestmarken. Den Rekord von 25 Siegen in einer Saison teilen sie sich nun mit den Bayern.

"Uns hat die Gier ausgezeichnet. Das war herausragend in dieser Saison und hat keine andere Mannschaft geschafft", sagte ein sichtlich stolzer Kehl, der bei seiner dritten Meisterschaft erstmals als Kapitän die Meisterschale entgegennehmen konnte.

Honoratioren wie BVB-Präsident Reinhard Rauball, der als Ligapräsident die Schale an Kehl übergab, oder Christian Seifert als Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) standen auf der Westtribüne neben diesem Ausnahmeteam und spendeten ausdauernd Applaus. Schon im vergangenen Jahr ging dieses perfekt laufende BVB-Uhrwerk als jüngste Meistermannschaft (24,2 Jahre im Schnitt) in die Geschichtsbücher ein.

Der schnelle Blick nach Berlin

Gerade das Gierige an Dortmund dürfte bei den Bayern Unbehagen verursachen. Das Team von Trainer Jupp Heynckes geht mit dem Rucksack von vier Niederlagen in Folge gegen Dortmund am Samstag in der DFB-Pokal-Finale in Berlin. Und so rasend schnell, wie es in den vier Jahren der Ära Klopp mit Rang sechs und fünf sowie zwei Meisterschaften zuging, richteten Trainer und Spieler noch in der Stunde des Triumphes den Blick nach vorne.

"Mit dem Pokalfinale können wir weitere Geschichte schreiben, und das ist unser nächstes Ziel", sagte Sebastian Kehl zur Aussicht auf das erste Double in der 103-Jährigen BVB-Geschichte.

Der "Ur-Dortmunder" Kevin Großkreutz verkörpert als Vertreter der großen jungen Fraktion wie kein anderer den unbändigen Willen. "Ich bin mit 23 zweimal Meister geworden, da warten andere eine ganze Karriere drauf. Wir werden jetzt noch ein bisschen feiern, und ab Dienstag gilt die volle Konzentration dem Finale. Und wir wissen, wie wir gegen die Bayern spielen müssen", sagte er.

Party mit angezogener Handbremse

Gefeiert wurde mit angezogener Handbremse. "Wir sind ja noch in diesem Hamsterrad", sagte Klopp mit Blick auf die nächste Aufgabe.

Im Restaurant "View" wurde angemessen gespeist, und ein paar Gläschen gab es auch. Aber nicht bis tief in die Nacht, den Zapfenstreich kontrollierte Kehl persönlich. Am Sonntag gab es ein gemeinsames Frühstück, danach Regeneration.

"Und ab Dienstag wird das Pokalspiel vorbereitet", sagte Klopp. Business as usual. Auf diese Charaktere kann sich auch Bundestrainer Joachim Löw verlassen.

Ein Mats Hummels oder Mario Götze werden nach dem Meisterkorso am Sonntag nach dem Pokalfinale pünktlich wie vereinbart zum deutschen Kader für die Europameisterschaft stoßen, um sich auf das nächste große Ziel vorzubereiten.

Dortmund - Freiburg: Daten zum Spiel

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