Bundesliga - 34. Spieltag

Luhukay: "Schwerste Entscheidung der Karriere"

SID
Sonntag, 06.05.2012 | 12:30 Uhr
Jos Luhukay war seit 2009 Trainer des FC Augsburg
© Getty
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Das Schauspiel versagte im letzten Akt. Weder Jos Luhukay noch Präsident Walther Seinsch ging beim obligatorischen Abschiedsfoto auch nur der Ansatz eines Lächelns über die Lippen, als es am Samstag um 18.01 Uhr endlich vorbei war. Eine Viertelstunde lang hatten die Verantwortlichen des FC Augsburg den rund 100 Medienvertretern nach dem 1:0 (1:0) gegen den Hamburger SV zuvor eine theaterreife Vorstellung geboten.

Danksagungen und Lobhudeleien dominierten, als Luhukay seine große Ära beim FC Augsburg nach drei Jahren und 122 Spielen wie erwartet "aus freien Stücken" beendete. Der letzte Schuss der Fotografen aber verrät: Es bleibt jede Menge Unmut.

"Die letzten Tage waren für mich als Mensch nicht einfach. Ich habe schon Ende März angegeben, dass ich Zweifel habe über meine Zukunft in Augsburg", sagte Luhukay zu Beginn seiner rund siebenminütigen emotionalen Rede. Interne Differenzen und Alleingänge des neuen Führungsduos Seinsch und Manfred Paula sollen den Niederländer zu der "schwersten Entscheidung meiner Trainerkarriere" gedrängt haben

"Es ist mir wirklich nicht leicht gefallen und es tut sehr weh", beteuerte er niedergeschlagen. Rund 500.000 Euro gehen dem 48-Jährigen durch die Auflösung seines ursprünglich bis 2013 laufenden Vertrags mit den Schwaben durch die Lappen. Der Verlust für den Verein aber ist weitaus größer.

Weinzierl in den Startlöchern

In Luhukay und dem zur DFL wechselnden Manager Andreas Rettig verliert der Liga-Neuling sein Herz. Schwer zu glauben, dass der als sicherer Nachfolger gehandelte Markus Weinzierl von Jahn Regensburg aus sportlich begrenztem Potenzial eine ähnlich starke Mannschaft formen kann. "Ich habe vollstes Vertrauen in die Verantwortlichen. Wir werden wieder eine Mannschaft haben, die um den Klassenerhalt spielen kann", hofft immerhin Torhüter Simon Jentzsch.

Die Spieler, denen Paula und Seinsch am Sonntagmorgen in einer Blitzansprache die aktuellen Entwicklungen erklärten, sollen erst am Samstag von Luhukays definitiver Entscheidung erfahren haben. Offiziell wussten sie auch Tags drauf, als sie sich in den wohlverdienten Urlaub verabschiedeten, nichts über den möglichen Nachfolger.

"In den kommenden Tagen" soll derjenige bekannt gegeben werden, hieß es - angedacht ist wohl der 15. Mai, nachdem Weinzierl mit Regensburg die Zweitliga-Relegation beendet hat.

"Es muss ja trotzdem weiter gehen"

Daniel Baier sprach von "einem Schock", Torsten Oehrl blickte ratlos ins Leere, als er sagte: "Es muss ja trotzdem weiter gehen." Die 34 Spieltage lang lustige Kiste beendet ihre überraschend gute Saison ohne Puppen.

Die Fans äußerten sich 90 Minuten lang pro Luhukay, von seinen Spielern wurde der scheidende Trainer nach Abpfiff des sportlich bedeutungslosen letzten Saisonspiels in die Luft geworfen. Seinsch aber musste sogar von seinem Pressechef darauf hingewiesen werden, dass er dem scheidenden Trainer höflichkeitshalber noch einen großen Strauß Blumen in die Hand zu drücken hat.

Von "großer Enttäuschung" hatte der 70-Jährige zuvor gesprochen, als er die ohnehin schon längst durchgesickerte Nachricht verkündete. Über die Gründe wurde geschwiegen. Ausschlaggebend für Luhukays Rücktritt aber waren wohl die schleppenden Vertragsverhandlungen mit den Co-Trainern Rob Reekers und Markus Gellhaus sowie Torwarttrainer Zdenko Miletic. Außerdem soll Augsburgs künftiger Manager Paula Kompetenzen bei der Auswahl der Neuverpflichtungen erhalten haben.

Kein Kontakt zu anderen Klubs: "Stehe für Normen und Werte"

Den Verein, den er vor dem Abstieg in die Dritte Liga bewahrte und auf direktem Wege ins Oberhaus führte, will Luhukay "durch die vordere Tür verlassen. Denn ich bin auch durch die vordere Tür gekommen", beteuerte er.

Viel mehr zu gewinnen als in dieser Saison, die der FCA durch das Siegtor der Leihgabe Koo Ja-Choel (34.) auf Rang 14 und damit vor dem HSV beendete, hatte Luhukay in Augsburg nicht mehr. Die große Entfernung zu seiner Familie in Holland soll ihn zusätzlich zu den internen Differenzen belastet haben.

Kontakte zu anderen Klubs - wie etwa Bayer Leverkusen - dementierte Luhukay vehement: "Ich stehe für Normen und Werte. Und ich habe mich vom ersten bis zum 34. Spieltag mit voller Leidenschaft und Herz für den FCA eingesetzt, um ihm auch im nächsten Jahr wieder eine Chance zu geben."

"Leidenschaft versetzt Berge"

Wie sehr er das getan hat, konnten 30.660 Fans am Samstag erneut bewundern. "Leidenschaft versetzt Berge" stand auf den Augsburger Klassenerhalts-Shirts.

Die Spieler wollten Luhukay mit einem Sieg verabschieden und kickten den HSV dadurch auf die schlechteste Platzierung (15) der vergangenen 49 Spielzeiten. "In der nächsten Saison möchte ich Spieler, die Eier zeigen", polterte Trainer Thorsten Fink. Im Vergleich zu Augsburgs Eiertanz waren das zumindest deutliche Worte.

Augsburg - Hamburg: Daten zum Spiel

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