Werder Bremen vor ungewisser Zukunft

SID
Sonntag, 29.04.2012 | 11:43 Uhr
Werder am Boden. Naldo (M.) und Clemens Fritz schauen sinnbildlich für Bremens Situation drein
© Getty
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Das Thema des Tages hatte Tim Wiese irgendwie verpasst. "Was? Der ist zu Chelsea gewechselt? Ich dachte, der wurde operiert?" fragte der Nationaltorhüter in die Runde. Die Unwissenheit Wieses über den Verkauf von Marko Marin stand an diesem 33. Spieltag der Bundesliga sinnbildlich für Werder Bremen.

In naiver Weise hatte sich Werder beim VfL Wolfsburg auskontern lassen und 1:3 verloren. Die Chance auf die Europa League ist nur noch theoretisch.

Nur 13 Punkte hat Bremen in der Rückrunde bisher geholt. Als Neunter liegen die Hanseaten drei Punkte hinter dem Siebten Hannover 96 und haben auch noch das schlechtere Torverhältnis.

"Wir haben es wohl verspielt", nuschelte Aaron Hunt frustriert: "Wenn man so wenig Punkte in der Rückrunde holt, dann hat man es auch nicht verdient." Sozusagen doppelt bitter war für Werder nicht nur, dass Wolfsburg in der Tabelle vorbeizog, sondern auch, dass Hannover ebenfalls verlor.

Mit dem wahrscheinlichen Verpassen der Europa League und den damit verbundenen finanziellen Einbußen macht an der Weser wieder das böse Wort Ausverkauf die Runde. Der Abgang von Wiese stand bereits fest, am Samstag wurde auch noch Dribbler Marin an den FC Chelsea verkauft.

Chelsea Marins Traumverein

"Das Interesse gab es seit einiger Zeit, in der vergangenen Woche ist es dann konkreter geworden", erklärte Geschäftsführer Klaus Allofs. Über die Höhe der Ablösesumme sowie die Vetragsdauer wollte er keine Auskunft geben.

Marin hatte in Bremen noch ein Jahr Vertrag, was Werder dazu veranlasste, rechtzeitig Kasse mit dem 2009 für 8,5 Millionen Euro aus Mönchengladbach gekommenen Offensivspieler zu machen. "Chelsea ist mein Traumverein. Ich bin glücklich darüber, dass ich die Chance bekomme", sagte Marin der "Sport Bild".

Es dürfte Kalkül gewesen sein, dass die Werder-Verantwortlichen die Mannschaft nicht informiert haben. Zu sehr hätte der Abgang eines weiteren Nationalspielers die Elf wohl gehemmt.

Es half jedoch nichts. Die etwas überraschende Wolfsburger Führung durch Hasan Salihamidzic (40.) glich Markus Rosenberg in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus. Nach dem Wechsel besiegte Patrick Helmes (66./89.) mit zwei Toren nach Kontern dann nahezu im Alleingang.

Entscheidungen von Pizarro und Naldo stehen aus

Die Entscheidungen von Wiese und Marin könnten in Bremen durchaus einige Spieler dazu veranlassen, ihre Gedanken über einen Wechsel zu intensivieren. Stürmerstar Claudio Pizarro hat noch immer keinen neuen Vertrag unterschrieben, Abwehrchef Naldo prahlt des Öfteren mit Abwanderungsgedanken.

Allofs will natürlich nichts davon wissen, dass SV bald für Schluss-Verkauf stehen könnte. "Wir wissen, was wir tun", betonte der 55-Jährige. Immerhin bleibt Allofs bei Innenverteidiger Sokratis hart, an dem angeblich Juventus Turin interessiert ist: "Wir denken nicht daran, ihn abzugeben. Mit uns hat auch niemand gesprochen."

Cheftrainer Thomas Schaaf kommentiert den aktuellen Trubel in der ihm eigenen Gelassenheit. "Wir haben über die ganzen Jahre immer wieder Spieler abgegeben. Es ist keine neue Situation", sagte Schaaf.

Bisher hat es Werder in der Tat immer wieder geschafft, große Talente an die Weser zu locken. Doch da konnten sie auch immer mit dem Pfund Europapokal wuchern.

Wolfsburg - Bremen: Daten zum Spiel

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