Emotionaler Abschied von Ballack und Adler

SID
Sonntag, 29.04.2012 | 12:41 Uhr
Michael Ballack (l.) und Rene Adler nehmen Abschied von Bayer und genießen das Bad in der Menge
© Getty
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Die letzte Ehrenrunde in seinem langjährigen "Wohnzimmer BayArena" genoss Michael Ballack an der Seite seiner drei Söhne in vollen Zügen. Doch bevor der frühere Nationalmannschaftskapitän bei Bayer Leverkusen von der Bühne verschwand, hielt er noch eine Lobrede auf Teamchef Sami Hyypiä.

"Sami ist vom Auftreten her fantastisch. Harmonie und Respekt waren sowieso da. Aber das Entscheidende ist auch, dass er eine gute Bilanz vorzuweisen hat.

Daran werden ja Trainer immer gemessen. Und das war sehr ordentlich, so wie Bayer sich das vorstellt", sagte Ballack nach dem 1:0 (0:0) gegen Hannover 96, womit die Leverkusener nach einer über weite Strecken sehr enttäuschenden Saison Schadensbegrenzung betrieben und die Europacup-Teilnahme sicherstellten.

Die aus der Not geborene Lösung mit Hyypiä und Trainer Sascha Lewandowski erwies sich für Bayer als voller Erfolg. Das Duo, das am 1. April die Nachfolge des glücklosen Robin Dutt angetreten hatte, führte eine leblose Elf mit drei Siegen und zwei Unentschieden zurück in die Erfolgsspur, und doch könnte bei Bayer bald die Suche wieder aufs Neue beginnen.

Hyypiä macht sich seine Gedanken, ob denn das Trainergeschäft überhaupt das Richtige für ihn ist. "Ich lebe und spiele seit 15 Jahren unter Druck und ich weiß nicht, ob ich das die weiteren Jahre meines Lebens haben möchte. "Ich habe Zweifel, ob es der richtige Weg für mich ist", sagte die frühere Liverpool-Legende in einem Sky-Interview.

Entscheidung über Hyypiä-Zukunft nach Saisonende

Entschieden sei aber noch nichts, betonte Hyypiä. "Alles ist offen. Wir haben noch ein Spiel und konzentrieren uns darauf, Fünfter zu werden", sagte der Finne und auch Sportchef Rudi Völler wollte die Äußerungen nicht überbewerten: "Er ist eine total ehrliche Haut. Wie andere Trainer verspürt er auch den Druck in dieser Phase. Da ist sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen."

Gesprochen wird bei Bayer nach dem Spiel beim 1. FC Nürnberg am kommenden Samstag. Danach soll zeitnah eine Entscheidung fallen, wie Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser betonte. Dass die Vereinsführung aber mit der Arbeit von Hyypiä und Lewandowski ausgesprochen zufrieden ist, steht außer Frage.

Sicher versprüht Bayer noch längst nicht den fußballerischen Glanz wie vor Jahresfrist unter Jupp Heynckes. Doch der Finne hat es mit seiner natürlichen Autorität geschafft, den Klub wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Stafan Kießling trifft zum 13. Saisontor

Nach dem Sieg gegen Hannover, den Stefan Kießling mit seinem 13. Saisontor vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena sicherstellte, ist sogar der fünfte Platz möglich. Das würde den Leverkusenern einen stressigen Saisonbeginn ersparen, wären sie doch dann direkt für die Gruppenphase in der Europa League qualifiziert. Dass dies freilich nicht die Ansprüche sind, ist allen aber auch klar.

"Dieser Verein ist immer in der Lage, Champions League zu spielen", ergänzte Ballack und auch Ex-Nationaltorhüter Rene Adler, der ebenfalls mit großem Applaus nach zwölf Jahren verabschiedet wurde, fand deutliche Worte: "Wir haben eine schlechte Saison mit einem blauen Auge beendet. Trotz der vielen Verletzungen und Nebenkriegsschauplätzen ist bei diesem Potenzial mehr drin."

Zukunft von Ballack und Adler noch nicht geklärt

Am Ende hatten sich dann aber doch wieder alle lieb. "Irgendwo ist so ein Abschluss auch versöhnlich. Man muss das Große und Ganze sehen, nicht nur die letzten beiden Jahre. Ich hatte eine tolle Zeit hier", sagte Ballack und erinnerte an seine Anfangszeit bei Bayer von 1999 bis 2002.

Wo der Weg hinführt, konnte und wollte er nicht sagen. Ein Wechsel nach Amerika steht im Raum, konkret ist jedoch nichts. Auch Adler ließ hinter seiner Zukunft noch ein Fragezeichen.

"Es steht noch nicht fest, aber es beginnt auf jeden Fall ein neuer Lebensabschnitt", sagte der Schlussmann, der beim Hamburger SV als neue Nummer eins im Gespräch ist. In Leverkusen hatte er keine Zukunft mehr, weil Youngster Bernd Leno ihm den Rang abgelaufen hat.

Die Zeichen standen aber nicht nur bei den Rheinländern auf Abschied. Auch bei Hannover hat der Gesuch von Sportdirektor Jörg Schmadtke nach einer Vertragsauflösung für Wirbel gesorgt. "Wir werden versuchen, ihn zu überzeugen, Hannover 96 weiter verantwortlich zur Verfügung zu stehen", sagte Präsident Martin Kind.

Leverkusen - Hannover: Daten zum Spiel

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