Bundesliga - 33. Spieltag

Augsburg feiert seine gefühlte Meisterschaft

SID
Die Augsburger feiern den Klassenerhalt wie im Rausch
© Getty
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Als der Schlusspfiff ertönte, streiften sich die Augsburger die vorbereiteten T-Shirts über. Die Spieler tanzten, sangen und lagen sich in den Armen. "Leidenschaft versetzt Berge", stand auf den Leibchen geschrieben. Kaum ein anderer Satz bringt das Erfolgsgeheimnis des Aufsteigers besser auf den Punkt.

Denn der Klassenerhalt mit diesem Kader grenzt tatsächlich an ein kleines Wunder. Ähnlich sah das auch Paul Verhaegh nach dem 0:0 bei Borussia Mönchengladbach: "Für uns ist das wie eine Meisterschaft."

Trainer Jos Luhukay wirkte fast ein wenig verloren inmitten der feierwütigen Augsburger, die in den Katakomben des Borussia-Parks ihrer Freude freien Lauf ließen, um kurz darauf mit einem klaren Ziel nach Augsburg zu fliegen: "Wir werden wahrscheinlich die Stadt auseinandernehmen", sagte Jan-Ingwer Callsen-Bracker.

Luhukay ist kein großer Freund solcher Ausschweifungen. Der Niederländer zog sich im Moment seines wohl größten Trainererfolgs zurück und ließ die Mannschaft ihren Freudentaumel ausleben: "Sie haben gebeten und gebettelt, dass sie einen Tag länger freihaben können. Den habe ich ihnen gegeben, und jetzt dürfen sie auch ein paar Bier trinken", sagte der 48-Jährige.

Ein Zweitliga-Kader für die 2. Liga

Er selbst flog nicht mit der Mannschaft zurück, um diesen für Augsburg denkwürdigen Tag bei einem Abendessen mit seiner Familie zu genießen. Trotz aller Nüchternheit war ihm die Genugtuung deutlich anzumerken. Manager Andreas Rettig und er haben nach dem Unentschieden in Mönchengladbach als Architekten des Augsburger Erfolgs ihr Ziel erreicht.

Sie haben geschafft, was dem Verein vor der Saison kaum ein Experte zugetraut hatte. Das sei ein Zweitliga-Kader für die direkte Rückkehr in die 2. Liga - so lautete das Urteil der meisten Experten. Nach dem 12. Augsburger Rückrundenspiel ohne Niederlage mussten sie erkennen, dass sie sich geirrt hatten.

Dabei war der Aufsteiger in seine erste Bundesligasaison mit dem kleinsten Budget der 18 Erstligisten gestartet. Auf kostspielige Neuverpflichtungen mussten die bayerischen Schwaben verzichten. Und gleich zu Beginn der Saison plagten Luhukay große Verletzungssorgen.

Bevor dem FCA am neunten Spieltag der erste Sieg gelang, musste der Verein sogar Vergleiche mit dem SC Tasmania Berlin über sich ergehen lassen, der schlechtesten Mannschaft der Bundesliga-Geschichte.

Jentzsch: "Natürlich haben wir auch gezweifelt"

Auch in den eigenen Reihen wuchs die Unsicherheit während der Hinrunde. Luhukay fürchtete, dass die Negativerlebnisse auf die Psyche seiner Spieler schlagen und eine unterschwellige Verlierermentalität fördern. "Natürlich gab es Momente, in denen wir auch mal gezweifelt haben", sagte Torwart Simon Jentzsch. Letztlich zähle aber, dass sie als Kollektiv zurückgekommen seien.

So holte Augsburg aus den letzten vier Spielen der Hinserie sieben Punkte, schöpfte neue Hoffnung und sorgte in der Rückrunde mit leidenschaftlichen Auftritten für Aufsehen. Von 16 Spielen gingen in der Rückserie nur vier verloren. "Wir haben in der Rückrunde unter Beweis gestellt, dass wir nur als Team bestehen können", erklärte Torsten Oehrl.

Den Stempel einer fußballerisch minderwertigen Mannschaft legte das Team so schnell ab, wie es ihm aufgedrückt bekommen hatte. Selbst Meister Borussia Dortmund trotzte der FCA ein Unentschieden ab. "Angeblich konnten wir nur kämpfen und laufen. Aber wir haben uns entwickelt und auch guten Fußball gespielt", sagte Paul Verhaegh.

Für seinen Trainer blieb somit die Erkenntnis: "Im Fußball sollte man nicht so schnell aufgeben." Denn Leidenschaft kann Berge versetzen.

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