HSV im freien Fall: "Null Punkte sind Scheiße"

SID
Samstag, 24.03.2012 | 11:46 Uhr
Der Hamburger SV verlor zuletzt vier Spiele in Folge
© Getty
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5 Pleiten aus 6 Spielen: Der HSV taumelt Richtung Liga zwei. Der Sportchef hat "keine Angst", Spieler klagen über fehlendes Glück. Der VfL hingegen darf plötzlich von Europa träumen.

Seltsame Logik nach der vierten Pleite in Serie: "Wenn wir so weiter spielen, schaffen wir die Wende", erklärte Sportchef Frank Arnesen. Dessen Hamburger SV bleibt nach dem zumindest kämpfend aber verdient erlittenen 1:2 (0:0) beim VfL Wolfsburg im freien Fall in Richtung des ersten Bundesliga-Abstiegs der Vereinsgeschichte.

Für die Fans des nach dem dritten Sieg in Richtung Europaliga durchstartenden Nordrivalen aus der Autostadt war klar: "Zweite Liga, Hamburg ist dabei."

"Arnesen: Habe keine Angst"

So weit ist es für den Bundesliga-Dino zwar sieben Spieltage vor Saisonende noch nicht, aber dem nun anstehenden Kellerduell in Kaiserslautern (31. März, 15.30 Uhr) kommt richtungsweisende Bedeutung zu.

"Ich habe keine Angst. Das Glück muss man sich erkämpfen. Die Punkte holen wir uns nun eben im nächsten Spiel in Kaiserslautern", sagte Frank Arnesen und nahm zugleich seinen in den letzten Wochen bemerkenswert erfolglosen ehemaligen Erfolgscoach Thorsten Fink (nur ein Punkt aus den letzten sechs Spielen) in Schutz.

Er fände es unfair, den Trainer daran zu beurteilen. "Als wir ihn geholt haben, waren wir 17. und haben danach eine Aufholjagd gestartet."

Aogo zuversichtlich

In der aktuellen Situation würde schon ein einziger Sieg erheblich weiter helfen. Der aber ist schwer vorstellbar, wenn sich der Hamburger SV wie in Wolfsburg kaum Chancen erarbeitet.

Der schwache Angreifer Mladen Petric, der fast jeden Zweikampf verlor, erzählte am Ende nur von "extrem viel Pech". Sein keinen Deut besserer Sturmpartner Marcus Berg hatte wenigstens zwei lichte Momente.

Den ersten in der 47. Minute, als er Wolfsburgs Führung durch den überragenden Mario Mandzukic innerhalb einer reichlichen Minute egalisierte und den zweiten in seiner Spielanalyse: "Null Punkte sind scheiße".

Im Einerlei der Durchhalteparolen bewies im Hamburger Lager ansonsten nur Dennis Aogo Courage. "Wir brauchen uns nicht hinstellen und jammern", befand der Nationalspieler.

"Wir können wieder aufstehen"

"Wir müssen zugeben, dass wir nicht unseren besten Fußball gespielt haben. Aber wir waren wieder eine Mannschaft mit Leidenschaft. Das ist das Positive. Wir können wieder aufstehen", so Aogo weiter.

Aogo selbst hätte den auch durch einen Fehler von Torwart Jaroslav Drobny (ließ den spielentscheidenden Freistoß von Marcel Schäfer von der Rechtsaußenposition ins kurze Eck flutschen/75.) missglückten Ausflug ins Niedersächsische in der Nachspielzeit noch retten können.

Aus dem Getümmel schoss der 25-Jährige aber über die Querlatte in Richtung Wolfsburger Fankurve, aus der es zurück schallte: "Hey, was geht ab: Hamburg steigt diesmal ab."

VfL: Geht noch was in Richtung Europa?

Mit dem Abstiegskampf haben die nach zehn Punkten aus den letzten vier Spielen nunmehr zehn Punkte vor dem HSV rangierenden Wolfsburger zum ersten Mal nach über einem Jahr nichts mehr zu tun.

"Das war ein effektiver Schritt unten raus", befand Torwart Diego Benaglio.

Der Schweizer übernahm die Kapitänsbinde vom wegen Formschwäche nicht berücksichtigten Nationalspieler Christian Träsch und hatte die größten Probleme an einem ansonsten für ihn erstaunlich ruhigen Abend, als ihm nach einem Zweikampf die Kontaktlinse des linken Auges verrutschte.

Kein Blick auf die Tabelle

Am Ende hatte Benaglio zwar wieder gute Sicht, wollte aber trotzdem nicht auf jene Tabelle blicken, die seinen VfL in Reichweite des internationalen Geschäftes präsentierte.

"Wenn wir nach dem letzten Spieltag auf die Tabelle schauen, dann reicht es."

Sein seit Wochen in starker Form spielender Teamgefährte Ashkan Dejagah machte das nächste Match bei Hertha BSC (31. März, 18.30) zum Gradmesser.

"Da müssen wir unsere Serie fortsetzen, aber danach drücke ich Hertha die Daumen", sagte der Ex-Berliner, der vor fast fünf Jahren von der Spree an die Aller gekommen war.

Wolfsburg - Hamburg: Daten zum Spiel

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