Dortmund spielt Köln aus dem Stadion

Von Stefan Rommel / Marcus Blumberg
Sonntag, 25.03.2012 | 19:29 Uhr
Lukas Piszczek (2.v.l.) ist schneller als Martin Lanig am Ball und köpft zum 1:1 ein
© Getty
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Borussia Dortmund hat zum Abschluss des 27. Spieltags beim 1. FC Köln mit 6:1 (1:1) gewonnen und damit den Vorsprung auf Verfolger Bayern München bei fünf Punkten gehalten.

Vor 51.000 Zuschauern in Köln brachte Milivoje Novakovic den FC früh in Führung (13.).

Danach drehte der deutsche Meister allerdings auf und bog die Partie nach Toren von Lukasz Piszczek (26.), Shinji Kagawa (47., 80.), Robert Lewandowski (52.), Ilkay Gündogan (78.) und Ivan Perisic (84.).

Köln steckt nach der 15. Niederlage - die meisten der Liga - tief im Keller und liegt mit 28 Punkten nur noch einen Zähler vor dem Relegationsrang. Der BVB ist seit 21 Spielen unbesiegt und hat 28 von 30 möglichen Punkten in der Rückrunde geholt.

Reaktionen:

Trainer Jürgen Klopp (Dortmund): "In der ersten Habzeit waren wir weit davon entfernt, was wir uns vorgenommen hatten. Das 1:0 der Kölner hatten wir gefressen - kollektiver Tiefschlaf würde ich sagen. Dann machen wird das 1:1 und haben dann etwas schöner gespielt. Aber insgesamt haben wir zu wenig Fußball gespielt. Wir machen zu einem sehr günstigen Zeitpunkt das 2:1 und dann das 3:1 - dann war das Spiel gegessen und dann hat man gesehen, wie die Mannschaft Fußball spielen kann. Dann war es ein toller Nachmittag."

Sascha Riether (Köln): "Wir sind riesig enttäuscht und haben uns das anders vorgestellt. Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, wie man gegen Dortmund bestehen kann. Nach der Halbzeit - nach dem 1:1 - hatten wir Hoffnung, dass hier noch etwas möglich ist. Aber es kann nicht sein, dass wir in der zweiten Halbzeit 5:0 verlieren. Die zweite Halbzeit kann man nicht entschuldigen. Es war nicht gut für uns - es war katastrophal."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Wegen einer Baustelle auf der A1 steckten rund 4000 BVB-Fans im Stau, weshalb die Partie mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

Der FC in Bestbesetzung, wieder mit Podolski und Lanig. Dafür müssen Pezzoni und Ishak weichen.

Der BVB etwas überraschend mit Pokal-Held Gündogan an Stelle von Kehl in der Startelf. Ansonsten keine Änderungen und alles wie gehabt bei den Gästen.

13., 1:0, Novakovic: Flanke Lanig von der rechten Seite. Novakovic geht Subotic im Rücken weg. Weidenfeller macht drei Schritte raus, bleibt dann plötzlich auf halbem Weg stehen. Novakovic köpft den Ball unbedrängt über Weidenfeller ins rechte Eck.

26., 1:1, Piszczek: Freistoß Schmelzer fast von der rechten Eckfahne. In der Mitte steht Lanig hinterm Mann, hat keinen Körperkontakt zu Piszczek. Der verlängert den Ball als Aufsetzer ins linke Eck. Rensing ohne Chance.

30.: Lange Diagonalflanke von links. Wieder ist Piszczek recht frei, nimmt den Ball volley. Aus 16 Metern knapp drüber.

38.: Clemens verlagert geschickt auf Podolski, der auf links freie Bahn hat. Dortmund verschiebt schlecht. Dann schlägt Podolski aber einen Haken zu viel und kommt nur noch mit rechts zu einem schwachen Abschluss. Weidenfeller klärt.

47., 1:2, Kagawa: Freistoß BVB, der mit einer Variante überrascht. Gündogan flankt aus dem Halbfeld nicht zur Mitte, sonder legt quer auf Kuba. Köln bewegt sich Richtung Ball, übersieht den einlaufenden Gündogan. Peszko steht deshalb gegen zwei und verliert den Kopfball gegen Piszczek. Dessen Vorlage nagelt Kagawa am anderen Pfosten dann aus spitzem Winkel an die Unterkante der Latte, von wo der Ball ins Tor springt.

52., 1:3, Lewandowski: Kuba auf Kagawa, der geht sofort weiter ins Tempo. Kagawa leitet mit der Hacke in Kubas Lauf. Querpass auf Lewandowski, der aus vier Metern nur noch ins leere Tor einschieben muss.

78., 1:4, Gündogan: Ballverlust Geromel. Blitzkonter BVB, zwei auf einen. Gündogan auf Kagawa, der blind zurück zur Mitte legt, wo Gündogan nur noch ins leere Tor einschieben muss.

80., 1:5, Kagawa: Flanke von rechts, von Kuba. Kagawa und Lewandowski können sich am Fünfer streiten, wer ihn denn jetzt reinmurmelt. Kagawa erbarmt sich und trifft aus sechs Metern.

84., 1:6, Perisic: Gündogan steckt durch auf den Kroaten, der völlig unbedrängt aus 15 Metern trifft. Rensing durch die Beine.

Fazit: Völlig verdienter Sieg für den BVB. Köln nur in der Anfangsphase auf Augenhöhe - danach hoffnungslos unterlegen. Phasenweise war es ein Klassenunterschied.

Der Star des Spiels: Lukasz Piszczek machte 60 Minuten lang - als es noch einigermaßen ein Spiel auf demselben Niveau war - brutal Dampf über die rechte Seite, band Gegenspieler Peszko und Eichner im Prinzip ständig in der Defensive. Dazu entschlossen in den entscheidenden Szenen: Schneller als der bessere Kopfballspieler Lanig beim Ausgleich am Ball, energischer bei der Vorarbeit zum 1:2 gegen Landsmann Peszko. In der letzten halben Stunde wie der Rest der Mannschaft nur noch mit dem Nötigsten. Auch Kagawa sehr stark, der allerdings machen durfte, was er wollte.

Der Flop des Spiels: Kölns System, das gegen einen flexiblen Gegner wie dem BVB zur völligen Bedeutungslosigkeit erstarrt und aus dem kein Spieler ausbrechen darf - egal, was da kommen mag. Und eine zweifelhafte Mentalität einer Mannschaft, die tief im Abstiegsstrudel ein Spiel auf indiskutable Weise und nach eigener Führung herschenkt.

Der Schiedsrichter: Felix Zwayer mit einer etwas kleinlichen Linie, mit der in der Mehrzahl der Entscheidungen die Gastgeber nicht einverstanden waren. Leistete sich aber keine großen Fehler und lag bei den wichtigen Entscheidungen richtig, so bei Benders Tor kurz vor der Pause (Abseits) und bei Subotic' vermeintlichem Handspiel, das unabsichtlich und deshalb kein Elfmeter war.

Analyse: Der FC mit dem gewohnten Spiel, massiv im Zentrum aufgestellt und abwartend. Dazu waren die Gastgeber in den Zweikämpfen aber gegen am Anfang etwas müde Dortmunder sehr engagiert und holten sich so auch viele zweite Bälle. Die Gäste in der Startphase zu ungenau und überhastet.

Köln versuchte gar nicht erst, Hummels schnell anzulaufen, sondern formierte sich im Mittelfeld kompakter, um die Abspielstationen zuzustellen - mit eher mittelmäßigem Erfolg, weil viele Angriffe dann doch von Hummels eingefädelt wurden.

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Nach zwanzig Minuten fand Dortmund besser ins Spiel. Das Kombinationsspiel wurde flüssiger, das Pressing funktionierte. Die Folge war eine zunehmende Überlegenheit, gegen die sich der FC bis zur Pause nur noch selten erwehrte. Konstruktives Offensivspiel gab es nur noch einmal bei Podolskis Großchance nach einem Konter.

Ansonsten kombinierte sich der BVB immer wieder relativ leicht durch die Kölner Mittelfeldreihe, Kagawa lauerte dahinter und bekam enorm viele Bälle in der gefährlichen Zone 30 Meter vor dem Tor serviert. Immerhin stand Kölns Innenverteidigung einigermaßen sicher.

Die Dortmunder Führung entsprang einer cleveren Standardvariante, der ersten seit gefühlten fünf Jahren. Das vorentscheidende 1:3 war dann eine Demonstration der Dortmunder Überlegenheit in punkto Passsicherheit, Tempo und Spielwitz.

Der FC lief in den Minuten danach nur noch hinterher, hatte Dortmund kaum etwas entgegenzusetzen. Die ließen den Ball laufen wie im Training, waren aber schludrig und auch zu verspielt beim letzten Pass. Sonst wäre die Partie womöglich schon nach einer Stunde endgültig durch gewesen.

Aber auch so spulte der Meister sein Pensum bis zum Ende runter, ohne von einem an diesem Tag jämmerlichen FC noch einmal gefährdet zu werden - und schoss Köln am Ende doch noch bitterlich ab.

Köln - Dortmund: Daten zum Spiel

 

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