Bayern gibt Druck an Dortmund weiter

FC Bayern: Demütige Rückkehr zum Glauben

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Jochen Tittmar
Der FC Bayern feiert den 2:1-Sieg gegen Hannover 96
© Getty
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Nach dem Arbeitssieg gegen Hannover 96 hat der FC Bayern München nicht nur Konkurrent Borussia Dortmund vorläufig unter Druck gesetzt, sondern auch den Glauben an den Meistertitel zurückgewonnen. Die Spieler üben sich vorerst noch in Demut. Nur Uli Hoeneß schert aus.

Und plötzlich standen auf einmal alle. Die oft als Operettenpublikum verschrienen Zuschauer in der Allianz Arena hielten es nicht mehr auf ihren Sitzen aus und begleiteten stattdessen die Schlussminuten stehend und schreiend.

Als der Münchner Arbeitssieg gegen Hannover unter Dach und Fach war, konnte man neben all der Erleichterung auf den Rängen auch die Wiederkehr des bajuwarischen Selbstverständnisses hören. "Deutscher Meister wird nur der FCB", skandierte der Großteil der 69.000.

Siebter FCB-Heimerfolg in Serie

21 Tage zuvor stand Manager Christian Nerlinger in den Katakomben der Leverkusener BayArena und schaute ziemlich bedröppelt drein. Von der Meisterschaft wolle er angesichts von sieben Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund jetzt nichts mehr hören, diktierte er nach der 0:2-Pleite in die Notizblöcke der Journalisten.

Schaut man nun am Samstagabend auf die Tabelle, ist der BVB nur noch zwei Zähler entfernt. Der FC Bayern hat erstmals seit langer Zeit den Druck an die Borussia weitergegeben und seinen Lauf mit dem siebten Heimerfolg in Serie unterstrichen.

In den Gesichtern, die die Verantwortlichen in der Mixed Zone nach der Partie machten, spiegelte sich daher der Glaube an den Titel wider. Dass nach 120 kraftraubenden Pokalminuten die Partie gegen 96 über den Willen und die Kampfstärke für sich entschieden wurde, frischte bei den Bayern das positive Gefühl auf, das Rennen um die Schale noch längst nicht verloren zu haben.

Arbeitssieg "muss auch mal sein "

Und sie könnte in der Rückschau womöglich sogar wertvoller werden, als die Ohrfeigen, die man Hoffenheim und Berlin verpasste. "Es war heute ein Arbeitssieg, das muss auch mal sein. Das war ein ganz, ganz wichtiger Erfolg ", strahlte Nerlinger daher nun.

Wichtig deshalb, weil hart erarbeitet und zudem in dezent veränderter Besetzung eingefahren. Nach 18 Monaten ließ Trainer Jupp Heynckes Gomez-Ersatz Ivica Olic mal wieder von der Leine und gestand anschließend ein, dass die Rotation, die er seiner Mannschaft im fünften Spiel innerhalb von 15 Tagen auf drei Positionen verordnete, auch mit einem gewissen Risiko behaftet gewesen sei.

Heynckes: "Ich bin ein etwas anderer Trainer "

"Es ist aber meine Aufgabe als Trainer, vorausschauend zu arbeiten und zu reagieren. Das ist zwar nicht einfach, aber ich bin ein etwas anderer Trainer und weiß, was ich zu tun habe ", machte Heynckes klar.

Immerhin habe er mit Olic und Danijel Pranjic zwei kroatische Nationalspieler eingesetzt und seine in vielen Phasen klug agierende Mannschaft somit bewiesen, dass man nicht nur mit einem starren Stammkorsett zum Erfolg kommt.

"Sie haben sich gut eingefügt und für die Mannschaft gearbeitet. Es kann immer mal eine Verletzung oder eine Sperre vorkommen. Daher ist es wichtig, dass wir auch auf der Bank gute Spieler haben ", lobte Jerome Boateng die Moral der sonstigen Bankdrücker.

Demütiges Hoffen auf BVB-Ausrutscher

Das Team, das noch in Leverkusen durch den Streit zwischen Boateng und Thomas Müller einen gespaltenen Eindruck hinterließ, präsentiert sich nun als Einheit und schaffte es auch, wacklige Phasen wie Mitte der ersten und Ende der zweiten Halbzeit zu überstehen.

Kampfansagen oder gar Sticheleien in Richtung der Dortmunder, um den Druck vor deren Spiel in Köln noch einmal zu potenzieren, verboten sich die Spieler jedoch. Das demütige und von den Westfalen bekannte Von-Spiel-zu-Spiel-schauen hält nun auch der Rekordmeister für eine lohnenswerte Taktik.

"Wir müssen unsere Spiele gewinnen und auf uns schauen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagte Torschütze Toni Kroos und hielt es auf Nachfrage für selbstverständlich, auf einen Punktverlust des BVB zu hoffen. Vor drei Wochen wäre dies angesichts der Münchner Vorstellungen noch zweitrangig gewesen.

Hoeneß sieht wieder "sehr gute Chance "

Spielen, siegen und auf einen Fehler des Tabellenführers warten - "alles andere interessiert im Moment nicht ", stieß Gomez ins selbe Horn.

Nur einer traute sich etwas mehr aus der Deckung und sprach die Gedanken aus, die insgeheim wohl auch einigen Spielern nicht gänzlich fremd sein dürften: Uli Hoeneß.

"Eine sehr, sehr gute Chance " auf die Meisterschaft sehe der Präsident nun. "Ich bin davon überzeugt, dass wir deutscher Meister werden, wenn wir in Dortmund gewinnen, egal was vorher oder nachher passiert. Wenn wir in Dortmund spielen, dann kommt der Tag der Wahrheit."

Müller blafft Reporter an

18 Tage vergehen bis dahin noch. In dieser Zeit geht Hoeneß von einem Zermürbungskampf zwischen beiden Mannschaften aus, "in dem man immer wieder Nadelstiche setzen muss. Und ein Sieg gegen eine starke Mannschaft wie Hannover ist ein Nadelstich. Das wird irgendwann Wirkung zeigen. "

Einzig Thomas Müllers Kurzauftritt passte nicht so recht in die Runde der Selbstbewussten, die nach Spielschluss vor die Medienvertreter traten. Der auf die Bank rotierte 22-Jährige reagierte nämlich reichlich dünnhäutig, als ein Fragesteller sich verhaspelte und vom Gegner Nürnberg sprach, sich daraufhin jedoch sofort korrigierte.

"Wir haben gegen Hannover gespielt", blaffte Müller und verschwand. Dies war jedoch die einzige Szene, die an den Samstag vor drei Wochen in Leverkusen erinnerte.

Bayern - Hannover: Daten zum Spiel

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