Bundesliga - 26. Spieltag

60-Meter-Sprint ins pure Glück

SID
Sonntag, 18.03.2012 | 13:09 Uhr
Begeisternder Jubel mit Trainer Favre (M.) nach dem Siegtor der Gladbacher in Leverkusen
© Getty
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Lucien Favre hatte mal wieder alle verblüfft. Als Borussia Mönchengladbach den womöglich entscheidenden Schritt Richtung Champions League gemacht hatte, legte der oft so reserviert wirkende Schweizer einen famosen 60-Meter-Sprint zur Eckfahne hin und sprang als einer der ersten Gratulanten Matchwinner Igor de Camargo um den Hals.

"Hut ab. Ich hätte mich dabei verletzt", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nach dem 2:1 (1:0) im Westderby bei Bayer Leverkusen und war ob der ungeahnten Qualitäten seines 54 Jahre alten Erfolgstrainers schwer beeindruckt.

"Ich wollte verifizieren, ob ich noch fit bin", scherzte Favre mit einem spitzbübischen Lächeln im Gesicht und stellte schließlich fest: "Ich bin noch fit."

Champions League zum Greifen nahe

Favre hatte in jener 89. Minute, als de Camargo den Siegtreffer bei einem der ärgsten Rivalen erzielte, wohl vielmehr realisiert, dass die sensationelle Qualifikation für die Königsklasse für den Fast-Absteiger des Vorjahres nun zum Greifen nah ist. "Pure Freude" sei es gewesen, beschrieb der Trainer seine Gefühlslage: "Es war ein sehr emotionales Spiel und die Reaktion der Mannschaft war fantastisch."

Fantastisch ist nun auch die Ausgangsposition vor den letzten acht Saisonspielen. Elf Punkte beträgt der Vorsprung des Tabellendritten aus Gladbach auf die fünftplatzierten Leverkusener. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollte die Borussia dieses Polster noch aus der Hand geben. Doch Verteidiger Martin Stranzl mahnte: "Es kommen noch schwere Spiele auf uns zu. Auch wenn es noch so schön in der Tabelle aussieht, dürfen wir keine Sekunde nachlassen.

"Versuchen, das Unmögliche möglich zu machen"

Es gilt, nur nicht abzuheben, wo doch das einst so unrealistisch erscheinende Ziel plötzlich ganz nah ist. Die Zweifel, die nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg aufgekommen waren, hatten sich jedenfalls vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena verflüchtigt. Vielmehr glaubt Favre, dass die Borussia aus dieser Situation noch stärker hervorgehen wird. Das sei ein wichtiger Sieg für den Kopf gewesen.

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also vor dem Spiel der Spiele am Mittwoch im Pokal-Halbfinale gegen Bayern München. "Wir versuchen das Unmögliche möglich zu machen. Dreimal in einer Saison gegen die Bayern zu gewinnen, ist eigentlich rein statistisch nicht möglich. Trotzdem werden wir es versuchen", sagte Eberl.

Ein Highlight jagt dieser Tage das nächste für die Borussia, dabei drohte in Leverkusen zwischenzeitlich ein empfindlicher Rückschlag. Nach dem frühen Führungstor durch Marco Reus, der einen Blackout von Daniel Schwaab in der 7. Minute eiskalt ausnutzte, kämpfte sich Bayer zurück ins Spiel und hatte mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Stefan Kießling das Blatt bereits fast gewendet (75.).

"Die Mannschaft wollte aber unbedingt diesen Sieg", sagte Favre. Und so kam es auch. Nach einem traumhaften Pass von Reus umkurvte der eingewechselte de Camargo den Leverkusener Schlussmann Bernd Leno und traf zum umjubelten Sieg.

de Camargo als Mann der "Big Points"

Wieder einmal war es de Camargo, der Belgier ist in Gladbach der Mann der wichtigen Tore. "Bei den Big Points ist er da. In der Relegation hat er getroffen, in Bayern, in Hamburg und nun in Leverkusen", lobte Eberl. Mit seiner Rolle ist der belgische Nationalspieler aber nicht ganz glücklich. "Joker ist nichts für mich", sagte de Camorgo: "Aber das muss der Trainer entscheiden."

Im Leverkusener Lager war dagegen die Enttäuschung riesengroß. Auch das letzte verbliebene Ziel ist nun außer Reichweite. Von der Champions League redet unterm Bayer-Kreuz keiner mehr.

"Wir sollten nicht auf den Platz über uns, sondern lieber auf die Plätze unter uns schauen", sagte Trainer Robin Dutt und bemängelte, dass seine Mannschaft nach dem Ausgleich im Übermut nach vorne gestürmt sei. "Alle wollten die ganz große Freude, jetzt haben wir die ganz große Trauer", sagte Dutt. Sollte sogar die Qualifikation für die Europa League in Gefahr geraten, dürfte auch Dutt Probleme bekommen.

Leverkusen - Gladbach: Daten zum Spiel

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