Fussball

Gustavo rettet die Bayern

Von Thomas Gaber/Fatih Demireli
Mario Gomez (r.) hatte beim Spiel in Wolfsburg zur Halbzeit nur vier Ballkontakte
© Getty

Der FC Bayern München gewann am 2. Spieltag dank eines Last-Minute-Tors vor Luiz Gustavo (90.+1) beim VfL Wolfsburg mit 1:0 (0:0) und holte damit den ersten Sieg der Bundesliga-Saison 2011/12.

Die Bayern hatten erneut viel Ballbesitz, konnten daraus aber wie gegen Mönchengladbach kaum Kapital schlagen. Wolfsburg verteidigte mit viel Einsatz, war in der Offensive aber viel zu harmlos. Schiedsrichter Knut Kircher verweigerte einem regulären Tor von Patrick Helmes (39.) die Anerkennung.

Die Reaktionen:

Jupp Heynckes (FC Bayern): "Wir haben gegen eine sehr kampfstarke Mannschaft gespielt. Ich denke, dass Wolfsburg sehr schwer zu spielen ist. Von beiden Seiten war es ein läuferisch sehr gutes Spiel. Wir haben sehr geduldig und ruhig gespielt."

Franck Ribery (FC Bayern): Wir haben etwas Glück gehabt in den letzten zwei Minuten, aber ich glaube, das war heute eine andere Mannschaft als gegen Gladbach. Wir haben mit mehr Aggressivität gespielt, haben viel Gas gegeben. Die drei Punkte waren sehr wichtig, auch für den Kopf. Wir müssen jeden Samstag so spielen wie gegen Wolfsburg."

Hasan Salihamidzic (VfL Wolfsburg): "Das ist eine Riesen-Enttäuschung. Ich ärgere mich unglaublich. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und auch ein reguläres Tor geschossen, aber am Ende sind die Bayern in der Kabine und wissen nicht, wie sie gewonnen haben."

Wolfsburg-Coach Felix Magath übt scharfe Kritik am Schiedsrichterteam

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Wolfsburg beginnt im 4-4-2 mit der gleichen Elf wie beim 3:0 in Köln. Helmes dank seiner zwei Tore zum Auftakt wieder statt Lakic im Angriff neben Mandzukic.

Den Bayern fehlt Robben wegen Rücken- und Adduktorenproblemen. Dafür steht Ribery wieder in der Startelf. Heynckes verzichtet auf Petersen, nimmt dafür Pranjic und Olic in den Kader auf.

1.: Ochs nach Hasebe-Pass an der Grundlinie im Strafraum. Flacher, gefährlicher Pass in die Mitte, wo Salihamidzic den Ball nur haarscharf verpasst.

22.: Kroos nach Gomez-Pass im Strafraum. Spitzer Winkel, weil Kjaer zumacht, aber Kroos schießt wuchtig mit rechts. Am Tor vorbei!

39.: Flanke Schäfer von links. Mandzukic verlängert per Kopf auf den langen Pfosten. Da steht Helmes frei und köpft ein. Der Assistent hebt die Fahne - Fehlentscheidung. Nie und nimmer Abseits.

44.: Toller Flankenwechsel von Müller links rüber zu Ribery. Der legt ab für Gomez. Schuss aus kurzer Distanz, aber Benaglio ist da.

46.: Kroos zu Gomez an den Strafraum. Der im Fallen weiter rüber zu Schweinsteiger. Dieser schießt aus halblinker Position mit links aufs Tor. Drüber!

57.: Ribery kommt über links und passt zu Schweinsteiger. Der steckt direkt durch für Kroos. Schuss aus 14 Metern, knapp links am Tor vorbei.

65.: Schäfer von rechts mit Effet. Helmes steigt am zweiten Pfosten hoch, wird von Badstuber bedrängt. Der Kopfball geht am Tor vorbei.

90.+1, 0:1, Gustavo: Olic setzt sich links gegen Hasebe durch, passt flach in die Mitte auf Ribery. Der passt weiter auf Gustavo. Direktschuss mit links. Benaglio ist noch dran, doch der Ball ist drin.

Fazit: Das Bayern-Spiel krankte erneut in der Offensive, doch die Gäste wollten den Sieg mehr als tapfer verteidigende Wolfsburger und wurden kurz vor Schluss belohnt.

Der Star des Spiels: Franck Ribery. In der ersten Halbzeit der einzige Bayern-Spieler mit Elan. Setzte sich auch mal gegen zwei, drei Wolfsburger durch, bereitete das entscheidende Tor durch Gustavo vor und gewann fast 60 Prozent seiner Zweikämpfe.

Der Flop des Spiels: Thomas Müller. Hatte auf dem rechten Flügel einen schweren Stand gegen Schäfer und den giftigen Salihamidzic und war nahezu wirkungslos. Bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute war Müller an keinem Torschuss der Bayern beteiligt und gewann nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe.

Der Schiedsrichter: Knut Kircher lang bei einigen Duellen um den Ball daneben, fiel aber nicht auf Kroos' alberne Schwalbe rein. Folgenschwer aber der Blackout des Assistenten, der als einziger im Stadion Helmes vor seinem Tor im Abseits sah.

Analyse: Beide Mannschaften begannen aggressiv und zielstrebig. Wolfsburg hatte nach 50 Sekunden die erste Chance, die Bayern holten im Gegensatz zwei Eckbälle raus. Der VfL versuchte, die Initiative zu übernehmen, in der ersten Viertelstunde sicherte oft nur Josue als letzter Mann in der eigenen Hälfte ab.

Der Magath-Elf gelang es durch hohe Laufarbeit, oft Überzahl in Ballnähe zu schaffen, wodurch die Bayern kaum Raum und Zeit hatten, vernünftige Angriffe vorzutragen. Müller war auf rechts bei Schäfer und Salihamidzic gut aufgehoben. Wenn bei den Bayern etwas ging, dann über Ribery, der sich immer wieder gegen Hasebe durchsetzen konnte.

Dem Bayern-Spiel fehlte es aber erneut an Tempo, vor allem das Zentrum mit Schweinsteiger und Gustavo verschleppte das Spiel. Wolfsburg blieb aggressiv, war aber in der Vorwärtsbewegung zu hektisch. Beide Teams strahlten in Halbzeit eins praktisch null Torgefahr aus. Gomez kam als einziger Bayern-Stürmer auf ganze vier Ballkontakte, Wolfsburg gab nur einen Torschuss ab.

Nach der Pause wurden die Bayern zielstrebiger. Das Tempo wurde erhöht und der Ball öfter direkt gespielt. Wolfsburg war fast ausschließlich mit Defensivarbeit beschäftigt.

Bis in die Nachspielzeit hinein verteidigte der VfL fehlerlos, wurde dann aber noch bitter bestraft. Neben dem Last-Minute-Tor positiv bei Bayern: erstmals seit 13 Auswärtsspielen blieben sie ohne Gegentor.

Wolfsburg - Bayern: Daten zum Spiel

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