Fussball

1. FC Köln: Geradewegs in die Hölle

Von Thomas Gaber
Der 1. FC Köln hat in zwei Bundesliga-Spielen schon acht Gegentore kassiert
© Getty

Das 1:5 beim FC Schalke 04 war ein sportlicher Offenbarungseid des 1. FC Köln. Trainer Stale Solbakken leidet und spricht von "verletztem Stolz". Und Lukas Podolski? Erneut eine einzige Enttäuschung.

Michael Rensing hat ein Faible für Musik. House, Progressive, Electro, Tech House, Techno, das ist seine Richtung. Als DJ MagentaR steht er gerne an den Plattentellern. Sollte er seinem Hobby am Sonntag nachgehen wollen, muss er früh aufstehen oder eine Late-Night-Session einlegen. Der Rest des Tages ist fürs Bällefangen reserviert.

Rensings Chef Stale Solbakken, Trainer des 1. FC Köln, sagte auf die Frage eines Journalisten nach dem 1:5 auf Schalke, ob denn am Sonntag in Köln trainiert werde: "Ja, um 10, 12, 15 und 17 Uhr."

Motivationsprobleme beim FC?

Das war freilich nicht ganz ernst gemeint. So wie sich der FC in der zweiten Halbzeit präsentierte, wären aber durchaus ein paar Extraschichten angebracht. Nach dem Doppelschlag der Schalker kurz nach der Pause ergab sich der FC mehr oder weniger widerstandslos. Rauls fast schon arroganter Heber zum 4:1 gab den Kölnern den Rest.

"Ich kann sagen, dass ich 100 Prozent gegeben habe, weiß aber nicht, ob das alle Spieler getan haben", sagte Kevin McKenna. Eine gewagte These, aber wohl nicht ganz unbegründet. McKenna gewann starke 88 Prozent seiner Zweikämpfe, Mato Jajalo beispielsweise nur deren 18.

Motivationsprobleme sind so ziemlich das letzte, was Solbakken gebrauchen kann. Der Coach hat schon genug Baustellen.

Die Übergabe der Kapitänsbinde von Lukas Podolski zu Pedro Geromel war begleitet von vielen unangenehmen Nebengeräuschen; zudem legte sich Stolbakken gleich mit der Kölner Presse an, indem er ankündigte, dier Macht der Medien einschränken zu wollen.

Solbakken spürt "die Hölle"

Wenn da wenigstens die Ergebnisse stimmen würden. Doch die Bilanz nach zwei Spielen ist desaströs: 0 Punkte, 1:8 Tore. Und Solbakken leidet: "Im Inneren ist es für mich die Hölle. Ich spüre sehr großen Druck seitens der Fans und der Medien, auch auf meine Person. Dabei sind es nicht die Medien, die mich leiden lassen, sondern mein verletzter Stolz."

Sportdirektor Volker Finke sprang seinem Trainer auf Schalke demonstrativ zur Seite: "Die Situation ist mehr als ärgerlich. Aber dass es ein bisschen Zeit braucht, eine veränderte mannschaftstaktische Einstellung auf den Platz zu bringen, ist nicht ganz überraschend. Für die ganz globalen Fragen ist es noch etwas zu früh. Ich werde den Trainer in allem, was er macht, unterstützen."

Der ist von seiner Arbeit nach wie vor überzeugt. "Ich denke nicht an meine persönliche Situation, sondern ich glaube an mein Konzept. Deshalb hat der FC mich gefragt, deshalb hat man mich gekauft", sagte Solbakken. Doch sein Plan einer kompakten, organisierten Einheit fiel nach der Pause in sich zusammen.

Solbakken sprach von "großen und einfachen Fehlern" seiner Spieler und einer "katastrophalen Leistung" in den letzten 40 Minuten.

Podolski enttäuscht erneut

Negativ aufgefallen ist auch Lukas Podolski, trotz seines Führungstreffers (12.). Als einziger Kölner Stürmer in Abwesenheit des gesperrten Milevoje Novakovic lief Podolski knapp 9,4 Kilometer und damit die mit Abstand geringste Strecke der Kölner Spieler, die über 90 Minuten im Einsatz waren und gewann nur 24 Prozent seiner Zweikämpfe. Nach dem Abpfiff verweigerte er den Gang zu den mitgereisten Fans.

Nach dem eher schwachen Auftritt im ansonsten so bemerkenswerten Länderspiel der DFB-Elf gegen Brasilien ein unrühmliches Ende einer schwarzen Woche für den 26-Jährigen.

Dass Podolski allmählich die die Lust verliert in Köln, befürchtet Solbakken nicht. "Ich kann zu 100 Prozent ausschließen, dass Lukas den Verein bis zum 31. August verlassen wird", sagte der Coach.

Keine kurzfristigen Transfers möglich

Auf Verstärkungen muss Solbakken aber auch verzichten. Stürmer Djiby Fall von Lok Moskau würde gerne nach Köln kommen, doch dem FC fehlt das Geld. "Transfersumme und Gehalt machen das unrealistisch", sagt Solbakken und richtet seinen Blick nach ganz oben: "Ich kann einfach nur beten, dass sich auf bestimmten Positionen keiner verletzt."

In der nächsten Woche trifft der 1. FC Köln ausgerechnet auf den 1. FC Kaserslautern. Der FC ist gegen die Roten Teufel seit 26 (!) Bundesligaspielen ohne Sieg. "Das wird schon ein großes, großes Spiel", prophezeit Solbakken.

Als Einstimmung sollte der Trainer seinen Spielern ein Video der ersten Halbzeit auf Schalke zeigen. Der FC war die bessere Mannschaft und musste kurz vor der Halbzeit durch einen unberechtigten Handelfmeter den Ausgleich hinnehmen.

Ein bisschen Hoffnung auf Besserung gibt es sogar in Köln.

Schalke - Köln: Daten zum Spiel

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