Wieder mal Krise in Stuttgart

SID
Montag, 30.01.2012 | 11:03 Uhr
Die Stuttgarter Serdar Tasci und Zdravko Kuzmanovic hadern mit dem 0:3 gegen Gladbach
© Getty
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Als die unvermeidliche Frage nach der Zukunft von Trainer Bruno Labbadia fiel, verdüsterte sich die Miene von Fredi Bobic. "Das ist kein Thema. Da könnt ihr noch dreimal nachfragen", grantelte der Manager nach dem 0:3-Heimniederlage seines VfB Stuttgarts gegen Borussia Mönchengladbach.

Nach zuletzt vier Pleiten in Serie und nur sechs Punkten aus den letzten zehn Spielen grummelt es jedoch im Verein, viele der 53.600 Zuschauer verschwanden nach einem Pfeifkonzert schon lange vor Spielende aus der eisigkalten Arena.

Bobic erklärte trotzdem, dass er "überzeugt" vom Trainer sei, "ganz klar". Klar ist aber auch, dass der VfB nach einem starken Saisonstart auf Platz zehn zurückgefallen ist, mit nur noch vier Punkten Abstand auf einen Relegationsplatz.

Und obwohl vor dem Duell mit Gladbach in Vedad Ibisevic für stolze fünf Millionen Euro ein Wunschstürmer von Labbadia verpflichtet worden war, lieferte die konzeptlos wirkende Mannschaft eine der schwächsten Saisonleistungen ohne eine einzige hundertprozentige Chance ab. Und kassierte die erste Heimpleite gegen Lieblingsgegner Gladbach seit über 17 Jahren.

"Wir reden vor den Spielen sehr viel. Und dann gelingt es uns nicht, das umzusetzen", schilderte Kapitän Serdar Tasci die Situation und hob warnend den Zeigefinger: "Wir müssen jetzt aufpassen und nach unten schauen. Wir haben das zwar im letzten Jahr erlebt und können mit dem Druck umgehen, aber ein Selbstläufer wird das nicht."

"Problembär" Bruno wie einst in Stuttgart und Leverkusen

In Stuttgart sind sie wieder einmal dort, wo sie nach der völlig verkorksten Vorsaison eigentlich nie mehr hinwollten - in einer Krise und mitten im Abstiegskampf.

Die Magie von Bruno Labbadia, der den VfB nach seinem Amtsantritt am 12. Dezember 2010 in der vergangenen Saison vor dem Abstieg gerettet hatte, scheint nach gut einem Jahr verbraucht. Das erinnert an seine vergangenen Trainerstationen bei Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV, wo er jeweils einen starken Start hinlegte, dann von den Medien zum "Problembär" Bruno ernannt wurde und nach nicht einmal einem Jahr wieder gehen musste.

In der Woche vor seinem 46. Geburtstag versucht der mit einem Kontrakt bis zum 30. Juni 2013 ausgestattete Labbadia nun, die Ruhe zu bewahren und seinen Job zu retten.

"Natürlich ist jetzt eine größere Unruhe da. Aber Panik oder Hektik haben im letzten Jahr auch nicht geholfen. Wir müssen jetzt schauen, wer den Weg 100 Prozent mitgeht", sagte Labbadia. Durchhalteparolen beim VfB, die man nach jeder neuen Niederlage so ähnlich auch von fast jedem Spieler zu hören bekommt.

Vier VfB-Trainer mussten in den letzten gut drei Jahren gehen

Torhüter Sven Ulreich, der wieder einmal bester Stuttgarter war und eine noch höhere Niederlage verhinderte, brachte die Lage im Team auf den Punkt: "Ich bin ein bisschen ratlos."

In solchen Situationen war bei den Schwaben zuletzt immer der Trainerwechsel die Reaktion der Wahl. In den vergangenen gut drei Jahren mussten Armin Veh, Markus Babbel, Christian Gross und Jens Keller ihren Job auf dem VfB-Schleudersitz verlassen.

Die Achterbahnfahrt in Stuttgart zwischen Weltklasse und Kreisklasse wurde damit nicht beendet. Dass derlei Aktionen aber durchaus etwas bringen können, beweist das Beispiel des Gegners Borussia Mönchengladbach. Trainer Lucien Favre hat nach seinem Amtsantritt vor zwölf Monaten wahre Wunder bewirkt.

Gladbach: "Mit Meisterschaft nichts zu tun"

In der vergangenen Saison gingen die "Fohlen" noch 0:7 in Stuttgart unter, diesmal verließen sie nach den Toren von Mike Hanke (31.), Marco Reus (81.) und Igor de Camargo (84.) als souveräner 3:0-Sieger den Platz. Damit spielen die in der vergangenen Saison genauso wie die Stuttgarter gerade so dem Abstieg entronnenen Gladbacher im Vierkampf an der Tabellenspitze einem Punkt hinter dem Führungstrio weiter eine Hauptrolle.

Hanke meinte trotzdem: ""Wir haben mit der Meisterschaft nichts zu tun. Wir schauen gerne auf die Tabelle, aber wir wissen, wo wir herkommen." Dort, wo Stuttgart gerade wieder einmal hingeraten ist - mitten im Abstiegskampf mit einer Trainerdiskussion.

Stuttgart - Gladbach: Daten zum Spiel

 

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