FC Bayern: Von "Zerlegen" keine Spur

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Thomas Gaber
Samstag, 28.01.2012 | 22:10 Uhr
Arjen Robben (l.) erzielte gegen Wolfsburg das 2:0 für den FC Bayern München
© Getty
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Der FC Bayern holt gegen Wolfsburg drei Punkte, bleibt aber erneut weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Immerhin gibt ein Dreiviertel-Torschütze Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten. Und Trainer Jupp Heynckes darf feiern.

Die Stimmung in der Allianz Arena tendierte am Samstagnachmittag schon vor dem Anpfiff gen Nullpunkt. Die Schickeria, die einigermaßen berüchtigte Bayern-Fangruppierung und in der Regel Anführer der Gesänge, ging auf Tauchstation. Support-Boykott!

Die Schickeria nimmt es Uli Hoeneß krumm, dass der Präsident eine Zusammenarbeit mit der russichen Öl-Firma Gazprom erwägt. "No Gazprom" stand auf einem Banner, weit weniger gehässig als frühere Aktionen der Schickeria.

Dass die Unterstützung der Fans in den 90 Minuten gegen den VfL Wolfsburg überschaubar blieb, lag nicht nur an der offenbar fehlenden zwischenmenschlichen Nähe zu zwielichtigen Gestalten wie Wladimir Putin, sondern auch an der Leistung der Mannschaft des FC Bayern München.

Neun Torschüsse - Saison-Minusrekord

Das mit Abstand beste an diesem trüben Januar-Tag aus Bayern-Sicht waren die drei Punkte. Darin waren sich auch die Spieler einig. "Wenn man das erste Spiel verliert, geht es in erster Linie darum, das nächste Spiel zu gewinnen. Und das haben wir getan", sagte Kapitän Philipp Lahm.

Die Verunsicherung nach der Schmach von Mönchengladbach war dennoch greifbar. Der FC Bayern war nicht in der Lage, einen disziplinierten aber biederen Gegner zu beherrschen. Neun Torschüsse bedeuten Minus-Rekord in dieser Saison für die Münchner. In vielen Offensivaktionen fehlten Präzision, Überraschungsmomente und der Mut zum Risiko.

"Wir haben uns in der ersten Halbzeit zu wenig bewegt und vorne die Bälle nicht gehalten", sagte Toni Kroos.

Franck Ribery gab anschließend zu, viel "Druck und Stress" verspürt zu haben in den letzten Tagen. Und selbst Trainer Jupp Heynckes sprach erstmals davon, "dass es nicht einfach ist, bei Bayern München Trainer zu sein."

Müller angefressen

Die Kritik nach dem Gladbach-Spiel war hart, aber berechtigt. Aber nicht jeder Bayern-Spieler ging damit auch souverän um.

"Ihr habt eine Woche lang von Krise geschrieben. Wenn Ihr noch eine Woche von Krise schreiben wollt, könnt Ihr das machen", sagte Thomas Müller zu den Medienvertretern. "Über uns wurde berichtet, als wären wir eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Tabelle. Dabei waren und sind wir Tabellenführer."

Viele Spieler und auch Sportdirektor Christian Nerlinger sahen sich an die Hinrunde erinnert. Auch zu Saisonbeginn verlor der FC Bayern gegen Mönchengladbach und besiegte anschließend den VfL Wolfsburg, ohne spielerisch ansatzweise zu überzeugen.

Eine Parallele ist nicht von der Hand zu weisen, die Voraussetzungen sind aber andere. Das Trainingslager in Katar lief bombig, die Mannschaft hat den Heynckes-Fußball intus und sämtliche Spieler aus dem erweiterten Stammkader sind fit. Heynckes konnte es sich gegen Wolfsburg sogar leisten, mit Nils Petersen und Takashi Usami zwei Offensivspieler auf die Tribüne zu setzen.

Von Lahms Aussage vor Rückrundenbeginn, der FC Bayern sei in der Lage "jeden Gegner zu zerlegen" ist der FC Bayern aber derzeit genauso weit entfernt wie von der ebenfalls vom Kapitän verbreiteten These, der FC Bayern sei in etwa so stark wie der FC Barcelona.

"Man kann nicht immer erwarten, dass man Mannschaften wie Wolfsburg mit 5:0 aus dem Stadion fegt. Die Erwartungshaltung ist beim FC Bayern sehr hoch, das ist normal, wenn man sieht, welche Qualität wir auf dem Platz haben. Aber man muss auch mal mit einem Arbeitssieg zufrieden sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft schnell ihren Rhythmus finden wird und so spielt, wie über weite Strecken der Hinrunde", sagte Nerlinger.

Lichtblick Ivica Olic

Neben der Aussicht auf baldige Besserung macht ein persönliches Erfolgserlebnis Mut. Der von Heynckes chronisch nicht berücksichtigte Ivica Olic fügte sich nach seiner Einwechslung eine Viertelstunde vor Schluss gut ein und erzielte ein Dreiviertel-Tor.

Dem eigentlichen Torschützen Arjen Robben, dessen rechter Arm den Ball infolge der verzweifelten Rettungsaktion von Wolfsburgs Rodriguez über die Linie bugsierte, war es fast peinlich. "Dieses Tor gehört Ivica, auch wenn es auf dem Papier nicht so ist. Er hängt sich immer voll rein, auch im Training und hat sich dieses Tor verdient."

Olic hat sich einmal mehr als Alternative im Angriff hervorgetan. "Ich habe eine sehr gute Vorbereitung absolviert und bin topfit. Natürlich möchte ich mehr zum Einsatz kommen und hoffe, es wird in den nächsten Wochen auch so sein", sagte der Kroate.

Heynckes neuer Rekordhalter

Vor dem nächsten Spiel in Hamburg haben die Bayern erneut eine Woche Zeit, um sich zu sortieren und an ihren Schwächen zu arbeiten. Im Gegensatz zur Mannschaft darf sich der Trainer erstmal auf seinen Lorbeeren ausruhen. Der Sieg gegen Wolfsburg war der 456. für Heynckes als Spieler und Trainer in der Bundesliga - Rekord.

"Ich musste 66 Jahre alt werden, um den Rekord von Otto Rehhagel zu brechen. Ich hätte mir persönlich nie vorstellen können, dass ich so lange auf der Trainerbank aktiv dabei bin. Unabhängig davon, dass es nicht so einfach ist, bei Bayern München Trainer zu sein, macht es mir sehr großen Spaß", sagte Heynckes.

Seine Spieler sollten sich in den nächsten Wochen bemühen, damit das auch so bleibt.

Bayern - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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