"Auf einem Reifen da rein"

Von Stefan Rommel
Sonntag, 22.01.2012 | 23:04 Uhr
Dortmunds Robert Lewandowski (l.) war von der Hamburger Abwehr kaum zu halten
© Getty
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Borussia Dortmund gelingt ein Start nach Maß in die Rückrunde. Der Sieg in Hamburg zeigt: Wieder einmal ist der BVB auf den Punkt giftig und topfit - sieht sich jetzt aber mit einem Vierkampf an der Spitze konfrontiert. Beim HSV ist die Euphorie der letzten Vorrundenspiele verflogen. Trotzdem glaubt Trainer Thorsten Fink weiter unbeirrt an die Qualitäten seines Teams.

Reaktionen:

Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV): "Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht. Die Mannschaft hatte zu viel Respekt vor Dortmund. Und es fehlte der Mut - ich weiß nicht, warum, aber daran müssen wir noch arbeiten. Wir waren eigentlich gut drauf in der Hinrunde - deshalb hat uns die Pause scheinbar nicht gut getan. Die Mannschaft hat noch nicht das gespielt, was wir wollten."

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Ich hatte das Gefühl, als wir in der ersten Halbzeit relativ viele Chancen vergeben haben, dass mich das Ergebnis nicht so sehr interessiert, sondern dass ich einfach nur beruhigt bin, wenn wir unseren Fußball durchziehen. Dass dann noch das Ergebnis gepasst hat, war umso schöner."

Mladen Petric (Hamburger SV): "Wir alle hätten nicht für möglich gehalten, dass wir nochmal so ein Spiel abliefern könnten. Wir haben uns auseinandernehmen lassen."

Robert Lewandowski (Borussia Dortmund): "Das erste Spiel ist immer wichtig, deshalb sind wir sehr froh, dass es so gut gelaufen ist bei uns. Wir haben als Mannschaft gut funktioniert. Aber jetzt kommt Hoffenheim und das ist für uns immer ein sehr schwerer Gegner."

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Nachbetrachtung:

Der BVB hat die seltene Gabe, dem Gegner bei dessen eigenen Ballbesitz extrem gefährlich zu werden. In der ersten Halbzeit hatte der HSV 61 Prozent Ballbesitz. Die Quantität war also durchaus gegeben, qualitativ "guten" Ballbesitz gestand der BVB den Gastgebern aber nur in minimalen Dosen zu.

Diese Defensivarbeit ist der Grundstock für die Offensivbemühungen, die Balance zwischen den beiden Elementarteilen des Fußballs zu diesem Zeitpunkt der Rückrunde schon wieder hergestellt.

Wie in den letzten drei Auftaktspielen hat es Trainer Jürgen Klopp perfekt verstanden, seine Mannschaft auf- und auf den Gegner einzustellen. Dortmund war auf den Punkt giftig und zeigte eine spielerische Leichtigkeit, als wäre die Saison nie unterbrochen worden. Auf einem sehr schwierig zu bespielenden Rasen.

"Wir wollten nicht einfach so in die Rückrunde reinrutschen - wir wollten einen absoluten Wheely-Kaltstart hinlegen: auf einem Reifen da rein", so Trainer Klopp. "Das geht nur, wenn du etwas investierst und das hat die Mannschaft gemacht."

Der BVB wirkte wie angestachelt von den Ergebnissen des Wochenendes, von Bayerns Niederlage und dadurch, dass jetzt plötzlich auch Borussia Mönchengladbach schon 36 Punkte gesammelt hat - und der wenig geliebte FC Schalke sogar einen mehr. Die Spitze ist näher zusammengerückt.

Als Ansage an den Rest der Titelkandidaten wollte natürlich kein Dortmunder die Partie in Hamburg verstanden wissen. Der Meister bleibt seiner Linie des Understatements weiter treu - auch wenn weitere Spiele dieser Kategorie demnächst kontraproduktiv wirken könnten.

Das sind Luxusprobleme im Vergleich zum HSV. Der hatte sich enorm viel vorgenommen, war schließlich in der Liga unter Thorsten Fink acht Spiele am Stück ungeschlagen und schielt ganz verstohlen sogar noch auf die internationalen Plätze.

Die Klatsche gegen den BVB riss aber alte Wunden wieder ein wenig auf. Trainer Fink hielt an seinem Konzept fest, obwohl seine Mannschaft deutlich unterlegen und auf dem besten Weg zu einem Debakel war. Mit der Umstellung auf ein 4-4-2 und der Einwechslung von Mladen Petric wollte Fink dem Dortmunder Wirbel entgegnen. Die passende Anleitung, wie seine Mannschaft fortan bestehen sollte, gab er ihr aber offenbar nicht mit auf den Weg. Die minimalen Korrekturen erwiesen sich allesamt als unbrauchbar.

Der BVB war an diesem Tag schlicht eine Klasse zu gut für Hamburg. Vor der Partie hatte Fink noch gehofft, den Gegner noch nicht als eingespielte Einheit anzutreffen und sich dadurch auch Chancen ausgerechnet.

Am Ende blieb ein Rückfall in längst vergessene Zeiten vom Saisonstart, als der HSV von einer Verlegenheit in die andere torkelte und sich in einigen Spielen wehrlos ergab.

Gerade deshalb sollte das Team die Lektion gegen denn BVB auch als solche begreifen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Die Euphorie und Aufbruchstimmung ist nach dem Pokal-Aus und dem schwachen Auftaktspiel aber dahin.

"Ich habe das Thema Abstiegskampf nie abgeschrieben", sagte Fink, um seiner Mannschaft eine Warnung mit auf den Weg zu geben.

Und trotzdem sieht der Trainer immer noch viel mehr Potenzial als es Tabellenplatz 14 besagt. "Das Problem ist, dass meine Mannschaft immer noch nicht begriffen hat, was sie kann. Wir werden das Spiel nun analysieren und dann wird die Mannschaft zeigen, was sie kann."

Hamburg - Dortmund: Daten zum Spiel

 

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