Bundesliga - 18. Spieltag

Gladbach überrumpelt die Bayern

Von Stefan Rommel / Markus Matjeschk
Freitag, 20.01.2012 | 22:23 Uhr
Marco Reus (l.) bejubelt mit Mike Hanke (M.) und Haavard Nordtveit sein Tor zum 1:0
© Getty
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Der FC Bayern München hat den Start in die Rückrunde komplett verpatzt. Gegen Verfolger Borussia Mönchengladbach setzte es für den Tabellenführer am 18. Spieltag mit einem 1:3 (0:2) wie schon in der Hinrunde eine herbe Niederlage. Die überragenden Marco Reus und Doppeltorschütze Patrick Herrmann waren zu viel für den Rekordmeister.

Vor 54.057 Zuschauern im restlos ausverkauften Borussia-Park erzielten Marko Reus (11.) und Patrick Herrmann (41./71.) die Tore für die Borussia. Bastian Schweinsteiger gelang eine Viertelstunde vor Schluss lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik (76.).

Bei FCB-Verteidiger Daniel van Buyten, der kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, besteht laut Vereinsverantwortlichen der Verdacht auf einen Mittelfußbruch.

Reus, der am Saisonende von Mönchengladbach zu Borussia Dortmund wechseln wird, wurde von den Gladbacher Fans mit wohlwollendem Beifall empfangen.

Bei den Bayern feierte Bastian Schweinsteiger nach 79 Tagen Verletzungspause sein Comeback, war aber zu keiner Zeit so dominant, wie man es von ihm gewohnt ist. Die lange Pause war Schweinsteiger deutlich anzumerken.

Mönchengladbach rückt durch den Sieg bis auf einen Punkt an die Bayern heran.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Dante ist gesperrt (5. Gelbe Karte), für den Brasilianer verteidigt wie erwartet Brouwers. Neuzugang Ring sitzt auf der Bank.

Bei den Bayern ersetzt Kroos den gesperrten Ribery (Gelb-Rote Karte) auf der linken Mittelfeldseite.

Schweinsteiger gibt sein Comeback im defensiven Mittelfeld, daneben Tymoschtschuk. Boateng beginnt hinten rechts, Rafinha nur auf der Bank.

11., 1:0, Reus: Rückpass Badstuber auf Neuer. Herrmann setzt ihn unter Druck und Neuer schlägt den Ball in Bedrängnis genau Reus in die Beine. Der fackelt nicht lange und schießt den gar nicht so einfach zu verarbeitenden Ball aus 32 Metern ins leere Tor.

14.: Robben flankt von rechts an den Elfer. Gomez springt höher als Stranzl, aber ter Stegen kratzt den Kopfball stark noch aus dem linken Eck.

41., 2:0, Herrmann: Robben vertändelt den Ball. Arango auf Hanke, der den Ball erst klasse behauptet und dann aus dem Mittelfeld rechts in die Gasse zu Herrmann spielt. Die Bayern stehen im Zentrum, keiner macht die linke Seite dicht. Herrmann hat Platz und Zeit, schaut Neuer aus und lupft den Ball aus 13 Metern von halbrechts ins lange Eck.

44.: Reus auf Hanke, gute Gegenbewegung gegen van Buyten. Satter Schuss aus 23 Metern, knapp rechts am Tor vorbei.

71., 3:0, Herrmann: Überragender Konter! Arango steil auf Reus. Der verzögert und spielt den Ball auf den mit Tempo einlaufenden Herrmann in die Gasse. Drei Bayern schauen zu, Herrmann umkurvt Neuer und schiebt den Ball im Fallen aus sieben Metern ein.

76., 3:1, Schweinsteiger: Nach einer Ecke kommt der Ball durch Zufall zu Schweinsteiger, der das Ding aus sechs Metern unter die Latte haut.

85.: Flanke von links, Gomez verpasst am Fünfer. Hinten lauert Schweinsteiger, der sofort scharf nach innen legt. Stranzl klärt per Grätsche vor dem einschussbereiten Müller.

Fazit: Verdienter Sieg für Gladbach, das aggressiver, körperlich spritziger und mental flexibler wirkte als lethargische Bayern.

Der Star des Spiels: Das Gladbacher Trio Arango-Reus-Herrmann zerlegte die Bayern-Defensive teilweise wie aus dem Lehrbuch. Mit schlichten, aber technisch perfekt ausgeführten Mitteln schnitten die Gladbacher Angriffe durch die Gästeabwehr.

Der Flop des Spiels: Bayerns rechte Seite. Boateng traute sich kaum über die Mittellinie und wenn er mal mit nach vorne ging, spielte er einen verängstigten Diagonalball, anstatt Robben auch mal mit Zug zu hinterlaufen. Der Niederländer seinerseits wirkte nicht frisch, kam nie an Daems vorbei und verlor mehr und mehr die Lust am Spiel. Vor dem 0:2 im Zweikampf nicht stabil.

Der Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer hatte mit dem sehr anständigen Spiel kaum Probleme und leitete sicher. Auch seine Assistenten trafen bei teilweise hauchdünnen Abseitsentscheidungen bis auf einmal die richtigen Entscheidungen.

Analyse: Verhaltener Beginn beider Mannschaften. Die Bayern durften den Ball und das Spiel kontrollieren, Gladbach zog sich dicht gestaffelt zurück und wartete auf Ballverluste des Gegners. Der üble Fehler von Neuer und Reus' Tor spielten dem Plan der Gastgeber noch mehr in die Karten.

Auffällig bei Gladbach: Die Viererkette rückte teilweise extrem weit aufs Mittelfeld auf und spielte damit risikoreich auf Abseits. Die Bayern fanden über rechts mit Robben und dem offensiv unsichtbaren Boateng kaum statt, Arango arbeitete diszipliniert mit nach hinten, um Daems' Schnelligkeitsdefizite gegen Robben erst gar nicht akut werden zu lassen.

Sobald die Bayern-Angriffe notgedrungen ins Zentrum verlagert wurden, weil die Flügel abgedeckt waren, fehlte komplett das Tempo und so versickerte Versuch um Versuch ohne jegliche Torgefahr. Dazu fehlte die Galligkeit in den Zweikämpfen. Gladbach war im Offensivspiel ballsicherer und nutzte die Freiräume zu schnellen, schnörkellosen Angriffen. Das 2:0 von Herrmann war ein Konter wie vom Reißbrett.

Bayern-Trainer Heynckes reagierte erst nicht, korrigierte dann seine Entscheidung, Kroos auf den linken Flügel zu stellen, wo der kaum Akzente setzen konnte. Kroos von da an im Zentrum und Müller eine Linie weiter nach vorne geschoben, um Gomez in einem 4-1-3-2 zu unterstützen.

Am Spielablauf änderte die Umstellung allerdings wenig. Gladbach hatte die Partie weiter im Griff, obwohl die Bayern ihre Ballbesitzzeiten weiter nach oben schraubten. Die Gäste blieben aber hilflos, versuchten es oft mit ungenauen Diagonalbällen.

Nach 70 Minuten lösten die Bayern die Viererkette auf und stellten van Buyten mit in den Sturm - eine Minute später versetzte der nächste Konter dem Rekordmeister dann den Todesstoß. Zwar wurden die Gastgeber gegen Ende der Partie immer müder, die Bayern bleiben aber vor dem Tor zu umständlich.

Die Münchener zerschellten damit wie schon im Hinspiel an einem eisern-disziplinierten Gladbach, das zudem bei seinen Kontern teilweise Weltklasseniveau erreichte.

Gladbach - Bayern: Daten zum Spiel

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