Leverkusen erobert Betzenberg

Von Haruka Gruber / Markus Matjeschk
Freitag, 18.11.2011 | 22:20 Uhr
Sidney Sam (r.) traf auch in seinem dritten Spiel gegen seinen früheren Arbeitgeber
© Getty
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Venlo

Bayer Leverkusen hat die Erfolgsserie des 1. FC Kaiserslautern gestoppt und mit dem 2:0 (0:0)-Erfolg den Anschluss an die Spitzengruppe gehalten.

Vor 40.000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion erzielten ausgerechnet die beiden Ex-Lauterer Michael Ballack (54.) und Sidney Sam (70.) die Treffer.

Für den FCK bedeutete es die erste Niederlage nach vier Spielern, Leverkusen hingegen sammelte trotz durchwachsener Leistung Selbstvertrauen vor dem wichtigen Champions-League-Gruppenspiel gegen den FC Chelsea (Mi., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER).

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Reaktionen:

Michael Ballack (Leverkusen): "Das war ein souveräner Sieg. Wir hätten schon frühzeitig ein, zwei Tore machen müssen, ich besonders. Aber wir haben über 90 Minuten hochkonzentriert gespielt. Wenn man im Herbst seiner Karriere ist, genießt man die Stimmung ganz besonders hier auf dem Betzenberg. Ich denke, ich muss damit rechnen, dass nach der Saison Schluss ist. Das kann ich selbst entscheiden, das lasse ich auf mich zukommen. Wenn man 35 ist, hat man nicht mehr so viele Jahre vor sich."

Marco Kurz (Trainer Kaiserslautern): "Wir haben eine klar bessere erste Halbzeit gespielt als der Gegner. In der zweiten Halbzeit nach dem 0:1 hat man gemerkt, dass ein Knacks im Spiel war, nach dem 0:2 war das Spiel dann entschieden. Da kamen Routine und Ballsicherheit zum Tragen."

Kevin Trapp (Kaiserslautern) über seinen Patzer: "Es tut mir natürlich für die Mannschaft leid, dass wir so das 0:1 kassiert haben. Aber Fehler passieren, da darf ich mich nicht verrückt machen lassen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Lautern im Vergleich zum 1:1 in Hoffenheim mit einer Änderung: Petsos ersetzt De Wit.

Leverkusen hingegen überrascht: Reinartz bekommt im defensiven Mittelfeld statt Rolfes das Vertrauen. Der grippegeschwächte Schürrle fehlt, deswegen rückt Castro auf die rechte Offensiv-Außenbahn. Schwaab beginnt als Rechtsverteidiger.

5.: Sam enteilt der Lauterer Defensive und hebt den Ball an den Elfmeterpunkt. Castro legt per Kopf zurück an die Strafraumkante. Ballack knallt sofort mit rechts drauf - zu mittig.

8.: Kouemaha tankt sich halblinks in den Sechzehner und hat nur noch Leno vor sich. Sein Schuss holpert dann aber flach rechts vorbei.

40.: Kouemaha taucht auf links auf, zieht nach innen und drischt die Kugel auf Verdacht in den Sechzehner. Toprak fälscht mit dem Schienbein ab - hauchdünn rechts vorbei.

50.: Bender hat 30 Meter zentral vor der Kiste alle Zeit der Welt und zimmert den Ball halbhoch aufs linke Eck. Trapp lenkt das Geschoss um den Pfosten.

54., 0:1, Ballack: Sam setzt sich links durch und legt ins Zentrum zu Ballack. Satter Linksschuss aus 22 Metern, allerdings zentral auf den Kasten. Trapp greift daneben und lenkt die Kugel selbst ins Netz. Schon sein achter Treffer gegen den FCK.

62.: Sahan setzt sich wunderbar durch und legt von rechts flach in die Mitte. Kouemaha kommt gerade noch hin, Leno pariert mit einem starken Reflex.

70., 0:2, Sam: Kießling legt rechts raus auf Bender, der mit viel Übersicht zum völlig freistehenden Sam ins Zentrum spielt. Lockerer Linksschuss aus 12 Metern ins linke Eck - drin. Viertes Tor gegen Lautern.

Fazit: Ein Spiel auf überschaubarem Niveau. Leverkusen gewinnt verdient, weil Lautern nach der Pause zu passiv auftritt.

Der Star des Spiels: Michael Ballack. Vor dem Spiel sorgte Ballack mit seiner Aussage für Wirbel, im Sommer Leverkusen wahrscheinlich zu verlassen. Von Anpfiff an demonstrierte er jedoch, dass er mittlerweile unverzichtbar ist. Er lief viel, ging in die Spitze, ließ sich ins defensive Mittelfeld fallen und tauchte am linken und rechten Flügel auf. Nicht nur wegen seinen fünf Torschüssen und dem 1:0 war er auffälligster Mann des Spiels.

Der Flop des Spiels: Kevin Trapp. Nach dem schwachen Saisonauftakt in Bremen (0:2) war der 21-jährige Keeper ein stabiler Rückhalt und behauptete sich gegen Konkurrent Sippel als Nummer eins. Mit seinem Patzer bei Ballacks Distanzschuss leitete er jedoch die erste Niederlage für den FCK seit über einem Monat ein. Bitter, da er ansonsten eine tadellose Leistung erbrachte.

Der Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer. Keine Mühe mit der Partie ohne einen einzigen Aufreger.

Analyse: Zehn aufregenden Anfangsminuten folgte Stümperhaftigkeit: Kaiserslautern begann überraschend mutig und hatte gelegentlich sogar Sinn für Kombinationen, doch weite Strecken der ersten Halbzeit wurden von teils unerklärlichen Fehlern beider Teams geprägt. Auffällig, wie unsauber selbst die technisch begabten Spieler den Ball annahmen oder weiterverarbeiteten (Tiffert und Fortounis bei Lautern, Sam bei Leverkusen).

Mit der Pause jedoch veränderte sich das Bild grundlegend: Die Lauterer waren in der ersten Halbzeit noch am gefährlichsten, wenn sie über die rechte Seite kamen, weil Leverkusens Linksverteidiger Kadlec häufig keine Hilfe von den Mitspielern erhielt. In der zweiten Hälfte stellte der FCK diese Bemühungen fast komplett ein - und ließ auch sonst die nötige Entschlusskraft vermissen.

Eklatant vor allem, wie passiv das zentrale Mittelfeld plötzlich auftrat. Tiffert, Kirch und Petsos gingen nicht mehr entschlossen in den Zweikampf, so dass die Leverkusener mühelos bis zum Strafraum und dort zum Abschluss kamen. Auf diese Weise erspielte sich Bayer die besten Chancen und Ballacks 1:0. Sams 2:0 war ein weitere Beleg für die seltsame Teilnahmslosigkeit der Lauterer.

Der Sieg konnte jedoch nicht Leverkusens weiterhin offensichtliche Probleme übertünchen: Das Engagement stimmt, aber wie in den Wochen zuvor fehlt die Inspiration. Zumindest zeigte der verunsicherte Reinartz im defensiven Mittelfeld eine ordentliche Leistung und dürfte an Selbstvertrauen gewonnen haben.

Kaiserslautern - Leverkusen: Daten zum Spiel

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