Fussball

Endlich teilweise refinanziert

Von Für SPOX in Augsburg: Thomas Gaber
Montag, 07.11.2011 | 09:30 Uhr
Manuel Neuer rettete dem FC Bayern mit einer Glanzparade drei Punkte
© Getty

Zum ersten Mal hielt Manuel Neuer dem FC Bayern einen Sieg fest. Dass es in Augsburg so weit kommen konnte, lag an wiederkehrenden Fehlern der Bayern. Alaba fiel als Schweinsteiger-Ersatz durch, eine neue Personaldebatte gibt es aber nicht.

In Uli Hoeneß kam am Sonntagabend der Schwabe durch. Das hatte nichts mit dem Aufenthaltsort Augsburg im schwäbischen Teil Bayerns zu tun, sondern mit einer Aktion eines Angestellten des FC Bayern, für den der Schwabe Hoeneß im letzten Frühjahr wider seiner Prinzipien viel Geld bezahlt hat.

In der 83. Minute des Bundesligaspiels zwischen den Bayern und dem FC Augsburg hielt Manuel Neuer mit einer Weltklasseparade gegen Edmond Kapllani den schmeichelhaften 2:1-Sieg der Münchner fest. Um den Hals gefallen ist Hoeneß Neuer nach Schlusspfiff nicht, aber einen festen Händedruck als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit war es dem Präsidenten des FC Bayern dann doch wert.

"Die erste Million abbezahlt"

Zum ersten Mal rettete Neuer seinem neuen Verein einen Sieg. Nach der schier endlosen Siegesserie der Bayern ohne Gegentor und ohne unhaltbar Gehaltene von Neuer hat Hoeneß endlich einen Anlass, den Businessplan der Refinanzierung des Nationaltorhüters zu überarbeiten. "Manuel hat die erste Million abbezahlt", sagte er.

Eine Million für eine Parade, bei einer Ablösesumme von 25 Millionen muss sich Neuer folglich noch 24 Mal anstrengen. Rechnet Hoeneß nach Punkten, muss Neuer noch 48 einspielen; dank ihm haben die Bayern jetzt zwei mehr auf der Habenseite.

Er habe versucht, sich vor dem auf ihn zustürmenden Kapllani so lange wie möglich groß zu machen, erklärte Neuer. "Ich habe erkannt, dass er eigentlich nur noch in die rechte Ecke schießen kann. Dass ich den Ball dann auch gehalten habe, sah vielleicht spektakulär aus. Aber das sind zum Teil einstudierte Automatismen."

Schwache zweite Halbzeit

Dass Neuer nicht gegen Leverkusen, Manchester City oder Neapel hinlangen musste, sondern gegen den biederen Aufsteiger Augsburg, lag an der seltsamen Lethargie, mit der die Bayern nach einer komfortablen 2:0-Führung versuchten, das Spiel nach Hause zu schaukeln. "Unkonzentriert" (Toni Kroos), "fahrig" (Mario Gomez), schlichtweg "schlecht" (Philipp Lahm) spielten die Münchner in der zweiten Halbzeit gegen einen Gegner, der lange Zeit die einfachsten Dinge falsch machte und bis zum Anschlusstreffer von Hosogai (59.) wenig Bundesligataugliches zustande brachte.

Eine Erklärung für die schwächste Halbzeit der Saison hatten die Bayern nicht. "So ein Leistungsabfall ist eigentlich nicht zu verstehen", sagte Neuer. "Vielleicht haben wir das Spiel etwas zu leicht genommen nach dem 2:0."

Wie schon beim 3:2 gegen den SSC Neapel unter der Woche in der Champions League ließen sich die Bayern nach einem Gegentor infolge einer Standardsituation in die Enge treiben und verloren die Bälle teilweise schon in der gefährlichen Zone knapp 30 Meter vor dem eigenen Tor. Der Lerneffekt aus dem Napoli-Spiel ging gegen Null.

Es mag kein Zufall sein, dass ohne Bastian Schweinsteiger die ordnende Hand im Mittelfeld fehlt, wenngleich die Münchner auch ohne ihren Chef im Zentrum in der Lage sein müssten, eine Mannschaft wie den FC Augsburg unter Kontrolle zu halten.

Alaba kann Schweinsteiger nicht ersetzen

David Alaba konnte in der Rolle des Schweinsteiger-Ersatzes nicht überzeugen. Der Österreicher vermied im Passspiel jegliches Risiko und war der zweikampfschwächste Spieler auf dem Platz (nur 22 Prozent gewonnene Duelle). "Ich habe in der zweiten Halbzeit nicht gut gespielt und muss mich sicher steigern", sagte Alaba selbstkritisch.

Dennoch wird der 19-Jährige wohl vorerst in der Mannschaft bleiben, da Anatolij Tymoschtschuk wegen seiner überflüssigen Roten Karte nach einem Tritt gegen Daniel Baier in der Nachspielzeit mindestens zwei Spiele pausieren muss.

Trainer Jupp Heynckes gehen ausgerechnet vor dem Spiel gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund die defensiven Mittelfeldspieler aus. Gegen den BVB ist das Duo Alaba/Gustavo wahrscheinlich, da Heynckes Toni Kroos ungern von der Zehner-Position nimmt. "Ich würde auch Sechser spielen, aber der Trainer versucht so wenig wie möglich zu ändern. Wir werden schon zwei Sechser finden, die gegen Dortmund spielen", sagte Kroos.

Dass die Bayern ohne Schweinsteiger in jedem Fall weniger Qualität haben, bestätigte Kapitän Lahm: "Er ist nicht eins zu eins zu ersetzen, das hat man gegen Augsburg wieder gesehen."

Nächstes Ziel: Dreier gegen BVB

Gegen Dortmund, den Neuer "auf Augenhöhe" mit den Bayern sieht, gibt es für Lahm aber nur ein Ziel: die nächsten drei Punkte einzufahren und den deutschen Meister in der Tabelle abzuhängen. "Unser Anspruch ist, den Vorsprung auf die Konkurrenz mit einem Heimsieg gegen Dortmund weiter auszubauen", sagte er.

Der BVB wird Neuer womöglich öfter zu Glanztaten zwingen als die Augsburger am Sonntag. Für Mario Gomez kein Problem. "Weil er diese Dinger hält, ist er ja auch der Beste. Wenn er heute Abend einschläft, wird er sich denken: "Endlich habe ich auch mal meinen Beitrag zu einem Sieg geleistet.'" Einen Beitrag in Höhe von einer Million Euro.

Augsburg - Bayern: Daten zum Spiel

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung