"...dann gute Nacht, deutscher Fußball!"

SID
Samstag, 22.10.2011 | 19:20 Uhr
Dieter Hecking ist über die Leistung des Schiedsrichters erbost
© Getty
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Das 2:2 (1:0) zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfB Stuttgart stellte keine der beiden Mannschaften wirklich zufrieden. Der Unmut der Cluberer richtete sich in erster Linie gegen Schiedsrichter Markus Wingenbach.

Dieter Hecking eilte unmittelbar nach dem Abpfiff auf Schiedsrichter Markus Wingenbach zu und geigte ihm die Meinung, und auch eine gute halbe Stunde später hatte sich der Trainer des 1. FC Nürnberg noch nicht beruhigt.

"Wenn man so etwas pfeift, dann gute Nacht, deutscher Fußball!", schimpfte der Coach nach dem 2:2 (1:0) gegen den VfB Stuttgart über die seiner Ansicht nach spielentscheidende Szene vor dem 1:1.

Dass Nürnberg auch im fünften Spiel in Folge nicht gewonnen und der VfB seinen Status als Spitzenmannschaft bestenfalls phasenweise angedeutet hatte - all das war jetzt Nebensache.

"Das ist eine Frechheit"

"Philipp Wollscheid blockt den Schuss mit der Hand, aber er befindet sich in der Bewegung", beschrieb Hecking die Szene, in der der Verteidiger einen Schuss von Martin Harnik zunächst mit dem rechten Fuß abgebremst hatte, ehe ihm der Ball an den rechten Unterarm sprang. "Was soll der Junge denn machen? Wo soll er denn hin mit seiner Hand? Wo? Das ist eine Frechheit, dass er das pfeift!"

Neben Hecking saß sein Kollege Bruno Labbadia und gab lächelnd seine Version zu Protokoll. "Es war für den Spieler schwierig auszuweichen", gab er immerhin zu. Hecking nannte das die "moderate Wortwahl", anschließend umarmte er seinen Kollegen - eine Geste, die Wingenbach verwehrt blieb.

Aufruhr bei den Fans

Die aufgebrachten Club-Fans beschimpften den Mann aus Diez als "Schieber", die Profis haderten mit seinem Pfiff. "Irgendwo muss ich den Arm ja haben, ich kann ihn mir ja nicht auf den Rücken tackern", sagte "Sünder" Wollscheid.

Nach Heckings Darstellung äußerte Wingenbach im Zwiegespräch mit dem Trainer keine Zweifel an seiner Entscheidung, wenngleich er vor einem endgültigen Urteil die TV-Bilder zu Rate ziehen wollte. Öffentlich Stellung nehmen wollte er nicht.

Dass der Club nach dem anschließenden Ausgleich durch Zdravko Kuzmanovics Handelfmeter (61.) ausgerechnet durch Wollscheids Kopfballtreffer erneut in Führung ging (71.), konnte die Franken nicht besänftigen.

Nürnberg verbessert

Denn VfB-Verteidiger Maza rettete den lange schwachen Schwaben mit seinem ersten Bundesligatreffer ebenfalls per Kopf (84.) noch einen Punkt. Timmy Simons hatte Nürnbergs gute erste Halbzeit vor 46.486 Zuschauern mit dem 1:0 belohnt (9.).

Immerhin: Etwas Positives konnte dann selbst Hecking dem Nachmittag noch abgewinnen. "Wir haben vieles richtig gemacht und die Konsequenz gehabt, die uns in Wolfsburg gefehlt hat - im Spiel nach vorne und in den Zweikämpfen", sagte er und sprach von "Wiedergutmachung". Wollscheid betonte: "Wir dürfen uns von unserem Weg nicht abbringen lassen. Wenn wir so agieren, mit dieser Bissigkeit, werden wir die nötigen Punkte gegen den Abstieg holen."

"Der nächste kleine Schritt"

Etwas mehr soll es für den VfB sein, weshalb Labbadia die schwache erste Hälfte zerknirscht aufnahm. "Das war Mist", meinte er, und genau so hat er das seiner Mannschaft in der Kabine auch gesagt. "Das kannst du nicht immer leise rüberbringen", berichtete er, "aber es war moderat."

Und es brachte was: Labbadia beorderte Harnik in die Spitze, in der Kapitän Cacau in Abwesenheit des verletzten "Prellbocks" Pawel Pogrebnjak mit den vielen langen Bällen nichts anfangen konnte. Tamas Hajnal rückte auf die linke Seite, Stuttgart wurde stärker und erkämpfte einen letztlich verdienten Punkt.

Auf dem Weg nach oben sei Stuttgart daher vorangekommen, meinte Labbadia. "Das war der nächste, kleine Schritt."

Nürnberg - Stuttgart: Daten zum Spiel

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