VfB am Boden: Bobic kündigt Konsequenzen an

SID
Samstag, 25.09.2010 | 19:48 Uhr
Kollektives Köpfeschütteln: Die VfB-Niederlage gegen Leverkusen war die fünfte im sechsten Spiel
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Fünf Niederlagen aus sechs Spielen, Absturz auf den 18. und letzten Platz: Allein die nackten Zahlen belegen die sportliche Krise des VfB Stuttgart.

"Die Situation ist sehr schwierig, die Lage so ernst wie es der Tabellenstand ausdrückt. Es wird ein sehr langer Weg, ein sehr, sehr steiniger, um da wieder rauszukommen", sagte Sportdirektor Fredi Bobic nach dem phasenweise verheerenden Auftritt beim 1:4 (0:2) gegen Bayer Leverkusen.

Dabei war es nicht das Zahlenwerk als solches, das Bobic am meisten störte, sondern vielmehr das Zustandekommen der Misere - und das, daran ließ er keinen Zweifel, wird für den ein oder anderen Spieler Konsequenzen haben.

"Wir sind nicht geschlossen als Mannschaft aufgetreten, nicht in die Zweikämpfe gegangen, dabei predigen wir das schon so lange. Es wird Gespräche darüber geben, warum das der Fall war. In dieser Form ist das nicht zu akzeptieren", sagte er.

Wieder Heimspiel abgeschenkt

Zumal es in dieser Saison nicht das erste Mal passierte, dass Stuttgart in einem Heimspiel die erste Halbzeit komplett abschenkte. Schon gegen Borussia Dortmund spielte der VfB von Beginn an desolat, lag bald 0:3 zurück und verlor letztlich 1:3. Diesmal stellten Sami Hyppiä (19.) und Arturo Vidal (21.) die Weichen für Bayer früh auf Sieg. Als Mauro Camoranesi wegen einer Notbremse gegen Tranquillo Barnetta die Rote Karte sah (31.), war der VfB schon verloren.

"Bei einem Heimspiel muss man mehr brennen", meinte Bobic, der als "einzig Positives" hervorhob, dass Stuttgart nach dem Seitenwechsel zumindest kämpfte. Mehr als das zwischenzeitliche 1:2 durch Zdravko Kuzmanovic (52.) sprang dabei aber auch nicht heraus.

Dann gaben die mitunter wunderbar kombinierenden Gäste wieder Gas, Hanno Balitsch (69.) und Sidney Sam (88.) trafen noch. "Wir hatten keine Möglichkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Es war insgesamt ein schwarzer Tag für uns, die Leistung stimmte nicht", musste Trainer Christian Gross zugeben.

Mängel schockieren

Die vom Schweizer ausgegebene Mängelliste musste die Anhänger des VfB unter den 38.300 Zuschauern schockieren. "Wir waren nicht in den Zweikämpfen, haben es dem Gegner zu leicht gemacht", sagte er, außerdem verkraftetet "der eine oder andere Spieler die Doppelbelastung nicht". Für Kicker, die sich Profis nennen, ein beschämendes Zeugnis. Gross will deshalb am Donnerstag in der Europa League beim dänischen Klub Odense BK "einige Änderungen vornehmen".

Sollte er bei seinen Umbauten die Leistung vom Samstag zugrunde legen, wird er bis auf Torhüter Sven Ulreich sowie Christian Träsch und Serdar Tasci, die Bobic aus seiner Kritik ausdrücklich ausnahm, komplett austauschen müssen.

Der Coach nahm aber auch sich selbst in die Pflicht. "Vielleicht wollte ich auch zu viel", sagte er. Es sei womöglich falsch gewesen, "unbedingt in Führung gehen" zu wollen. Wobei: Dieses Bestreben war auf dem Platz ohnehin nicht zu erkennen.

"Es ist ein schwieriger Moment", sagte Gross, "wir müssen hart arbeiten, die Situation ist ernst." Zumindest bei manchem Spieler scheint das angekommen zu sein. "Das Engagement war überhaupt nicht da, das darf nicht sein. Jeder muss noch mehr wollen, sonst geht es nicht", gab Zdravko Kuzmanovic zu.

Erfahrene Spieler in der Verantwortung

Bobic nahm deshalb "die erfahrenen Spieler" in die Pflicht. Die sollten sich "ihrer Verantwortung bewusst werden. Wichtig ist es aber, nicht in Panik zu geraten und zu wollen, dass jetzt Köpfe rollen." Das wird in Stuttgart (erstmal) nicht passieren.

Wie der VfB hat auch Leverkusen mit den WM-Nachwirkungen und Verletzungen zu kämpfen. Bayer aber kompensierte die Probleme in beeindruckender Manier. "Das 3:6 gegen Gladbach hat uns die Augen geöffnet", sagte Kapitän Simon Rolfes, der nach langer Rekonvaleszenz auch nur eingewechselt werden konnte.

Beim VfB hatte das 7:0 gegen den selben Gegner wohl den gegenteiligen Effekt. Während Stuttgart nun ein stürmischer Herbst droht, sieht Leverkusen in dieser Form einem goldenen Oktober entgegen. Oder sogar mehr, Simon Rolfes? "Unser Ziel bleibt bestehen: Wir wollen wieder international dabei sein."

Stuttgart - Leverkusen: Daten zum Spiel

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