Gladbach stürzt ab - Selbstkritik Fehlanzeige

SID
Donnerstag, 23.09.2010 | 11:55 Uhr
Borussia Mönchengladbach hat nur vier Punkte auf dem Konto
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Der Sündenbock war schnell gefunden. Nach dem 1:2 gegen den FC St. Pauli schossen sich die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach allesamt auf den Schiedsrichter ein. Selbstkritik Fehlanzeige.

Die Armee der Schönredner feuerte aus allen Rohren, doch zur Sicherheit suchte sich Borussia Mönchengladbach auch noch einen Sündenbock. Eine mysteriöse Schiedsrichterverschwörung, so der Tenor nach der 1:2 (1:0)-Heimniederlage gegen den Aufsteiger FC St. Pauli, bringe den aufopferungsvoll kämpfenden fünfmaligen deutschen Meister regelmäßig um den Lohn. Es roch nicht nur, es stank schon fast nach fauler Ausrede.

"Die falschen Entscheidungen prallen in einer Häufigkeit auf uns, dass ich es nicht mehr verstehen kann", sagte Trainer Michael Frontzeck. Rainer Bonhof, seines Zeichens Vize-Präsident, fuhr noch schwerere Geschütze auf.

Gladbach erwägt Aytekin-Ablehnung

"Wir wurden hier um mindestens einen Punkt gebracht. Es wurden klare Dinge nicht gesehen - das war bereits letzte Saison so", sagte er. Auch Sportdirektor Max Eberl warf Deniz Aytekin (Oberasbach) vor, dieser habe ja "keine Traute, auf beiden Seiten die Kann-Elfmeter zu pfeifen". Der Verein, so Bonhof, erwäge, "Aytekin künftig abzulehnen".

Vor fünf Tagen 0:7 in Stuttgart, nun 1:2 - sicherlich kann man das als Steigerung verstehen. Doch so verkaufen sollte man es nicht, besonders nicht bei der Borussia, wo der Anspruch seit Jahrzehnten deutlich höher ist als die Spielstärke. Unterm Strich stehen 17 Gegentore in vier Spielen, außerdem null Punkte seit dem grandiosen 6:3 bei Bayer Leverkusen am zweiten Spieltag. Und am Samstag (15.15 Uhr im LIVE-TICKER) bei Schalke 04, das endlich einmal gewonnen hat, wird es sicher nicht einfacher.

Pauli-Sportdirektor zufrieden

Frontzeck schickte seine "enttäuschte, aber nicht ratlose Mannschaft" deshalb in ein kurzes Regenerations-Trainingslager nach Holland. Für den Weg gab es Seelenmassage. "Sie hat viel investiert, sie hat gekämpft, sie hat eine Reaktion gezeigt, wie ich es erwartet habe. Es fehlte einfach das nötige Glück. Am Samstag werden wir es wieder versuchen", gab der Trainer dem Team mit. Ob es eine Durchhalteparole war, wird sich zeigen.

St. Pauli hatte derlei nicht nötig. Die Stimmung war prächtig. Ein Ghettoblaster spielte in der Gästekabine den Mallorca-Hit "Party, Palmen, Weiber und ein Bier", während die Gladbacher noch vom Platz trotteten.

Am Samstag kommt es auf dem Kiez zur Nagelprobe: Borussia Dortmund, das derzeit "heißeste" Team der Liga, kommt ans Millerntor. "So haben wir uns das vorgestellt: wieder ein Spitzenspiel", sagte Sportdirektor Helmut Schulte. Bei Borussia Mönchengladbach muss man darauf wohl noch etwas länger warten.

Gladbach - St. Pauli: Daten zum Spiel

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