Mainz siegt in Bremen und ist Spitzenreiter

Von Stefan Rommel/Markus Matjeschk
Samstag, 18.09.2010 | 17:29 Uhr
Bremens Frings konnte sich wie hier gegen den Mainzer Zabavnik nie in Szene setzen
© Getty
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Der FSV Mainz 05 bleibt die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Am 4. Spieltag holte sich Mainz beim Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen den vierten Sieg im vierten Spiel und ist damit erstmals in seiner Vereinsgeschichte Tabellenführer.

Vor 30.000 Zuschauern in Bremen erzielten Marcel Risse (53.) und Andre Schürrle (61.) die Tore zum hochverdienten Sieg für den vermeintlichen Außenseiter, der völlig enttäuschenden Bremern aber überlegen war.

Mainz bleibt damit Saison übergreifend auch im neunten Spiel in Folge ungeschlagen, für Bremen war es die erste Heimniederlage seit acht Monaten, damals mit 2:3 gegen Bayern München.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bremen etwas überraschend mit Borowski an Stelle von Bargfrede. Auch Wesley sitzt nur auf der Bank, für ihn beginnt Hunt.

Bei den Gästen sitzen Soto und erneut Schürrle nur draußen, Fuchs ist nicht im Kader. Für den Österreicher verteidigt Bungert - allerdings auf rechts. Zabavnik geht links rüber. Caligiuri ersetzt Soto. Risse bekommt den Vorzug vor Schürrle.

7.: Holtby-Fernschuss aus 25 Metern, der Ball streicht knapp rechts vorbei.

49.: Caligiuri lässt Silvestre auf dem rechten Flügel stehen und bringt den Ball scharf nach innen. Risse läuft sich am Fünfer in Position und schiebt die Kugel hauchdünn am langen Eck vorbei.

52.: Arnautovic schickt Borowski auf die Reise. Wetklo stürzt aus seinem Kasten und pariert. Den Nachschuss von Arnautovic hat Mainz' Keeper sicher.

53., 0:1, Risse: Karhan mit dem feinen Zuspiel in die Spitze. Risse ist über halbrechts durch und drischt die Kugel mit rechts in den linken Winkel.

61., 0:2, Schürrle: Holtby spielt den Ball in die Nahtstelle der Bremer Abwehrkette. Risse hat freie Bahn und den Blick für den besser postierten Schürrle. Der Bald-Leverkusener bleibt frei vor Wiese ganz cool und schiebt die Kugel flach ins rechte Eck.

68.: Einfacher Doppelpass zwischen Schürrle und Holtby. Der scheitert aber ganz frei vor Wiese am rechten Bein des Bremer Keepers.

78.: Wagner steigt am Fünfer entschlossen hoch und entscheidet das Luftduell mit Zabavnik für sich. Der Ball klatscht an die Latte, Wetklo wäre da ohne jede Abwehrchance gewesen.

Fazit: Völlig verdienter Mainzer Sieg gegen ein Werder Bremen zum Abgewöhnen.

Der Star des Spiels: Lewis Holtby. Man hatte es erahnt, dass die langsame Bremer Mittelfeldreihe mit dem Youngster Probleme bekommen könnte. Dass Frings und Borowski dem nun 20-Jährigen an dessen Geburtstag aber so viele Freiheiten gewähren würden, war ungewöhnlich. Holtby schlich sich immer wieder geschickt zwischen Mittelfeld und Abwehr und entfachte dort quasi bei jedem Ballkontakt eine ungeheure Gefahr.

Die Gurke des Spiels: Im Gegenzug hätte man bei Werder bis auf Keeper Wiese so ziemlich jeden nehmen können. Die Wahl fällt schließlich auf Tim Borowski, weil der erneut eine Chance bekam - und sie erneut nicht nutzte. Wandelte in der ersten Halbzeit am Rande des Platzverweises und war nur bei einem üblen Foul an Polanski und seiner vergebenen Chance kurz nach der Pause auffällig. Folgerichtig deshalb auch seine Auswechslung.

Die Pfeife des Spiels: Markus Schmidt hatte ein paar knifflige Szenen zu bewerten und lag dabei nicht immer richtig. Bei Pasanens Foul an Holtby hätte man auch auf Elfmeter entscheiden können, Risse stand vor dem 0:2 wohl einen Tick im Abseits. Ansonsten eine ordentliche Vorstellung des Schiedsrichtergespanns.

Die Lehren des Spiels: Mainz bleibt die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga, Werder muss man dagegen bei nur vier Punkten aus vier Spielen einen Fehlstart attestieren.

Das auf vier Positionen veränderte Mainz war den Gastgebern in allen Belangen überlegen, wirkte körperlich und geistig frischer, setzte die von Tuchel vorgegebene Marschroute haargenau um und feierte quasi einen von vorne bis hinten durchdachten Sieg.

Die Gäste ließen so gut wie keine schnellen Bälle in die Tiefe zu und nahmen Werder so immer wieder das Tempo aus den Angriffen. Jede Unsicherheit der Bremer in der Ballverarbeitung und im Passspiel - und davon gab es etliche - wurde von den aggressiven und laufstarken Mainzern mit frühen Ballgewinnen bestraft.

Sehr clever: Mit Borowski und Frings wurden beide zentralen defensiven Mittelfeldspieler früh unter Druck gesetzt. Der Ball wanderte zur Spieleröffnung deshalb immer wieder auf die Außen Silvestre und Fritz, die damit aber schlicht überfordert waren.

Mainz nahm Bremen in dessen Kollektiv und in seiner individuellen Stärke aus dem Spiel, obwohl Trainer Schaaf erneut sein System während des Spiels umstellte.

Ein Trainer kann von außen aber noch so viel einwirken: Wenn es auf dem Platz an der Umsetzung fehlt, ist das beste System nichts wert. Nur zwei echte Torchancen in 90 Minuten sind einfach indiskutabel.

Bremen - Mainz: Daten zum Spiel

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