Der Dosenöffner fehlt

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Florian Bogner
Sonntag, 19.09.2010 | 11:45 Uhr
Letzte Szene in München: Müller (r.) köpft den Ball freistehend in Mondragons Arme
© Getty
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Der FC Bayern München legt erneut einen miserablen Start in die Bundesliga hin, wähnt sich aber weiter als im Vorjahr. Dennoch ist augenscheinlich, dass mit Arjen Robben gegen defensive Gegner wie den 1. FC Köln der Dosenöffner fehlt. Franck Ribery kann diese Rolle jedenfalls nicht erfüllen. Viel Zeit zur Korrektur bleibt jedoch nicht.

Franck Ribery tippte sich auf die Brust. "Ich", signalisierte er Toni Kroos, "ich schieße diesen Freistoß." Es war mehr oder minder die letzte Aktion beim 0:0 gegen den 1. FC Köln, und Ribery beschwor mit seinem Freistoß kurz vor Schluss endlich mal so etwas wie Torgefahr herauf.

Köln-Keeper Faryd Mondragon parierte nach vorne, Thomas Müllers anschließender Kopfball landete kläglich in den Armen des FC-Keepers. Kurz darauf folgte der Abpfiff - und Pfiffe der Fans. 0:2, 0:0, 0:0 - dreimal in Folge hatten die Bayern zuletzt 1998 kein Tor in der Bundesliga erzielt (0:2 Köln, 0:1 Schalke, 0:0 Bochum).

Beim Spiel gegen Bochum schallte damals "Scheiß Millionäre" durch die Südkurve des Olympiastadions, vor der Partie hatte Giovanni Trapattoni eine legendäre Rede gehalten. Diesmal blieb es im Stadion und auf der Pressekonferenz ruhiger, weil den Bayern das Bemühen nicht abzusprechen ist, der Ball aber nicht über die Linie will.

Ribery beispielhaft - negativ gemeint

"Wenn wir in der ersten Halbzeit ein Tor machen, dann gewinnen wir das Spiel 3:0 oder 4:0", sagte Mario Gomez nach der Partie und sprach damit das aus, was sich alle dachten. Doch das erste Tor will nicht fallen. Bayern fehlt der Dosenöffner.

Wo Arjen Robben in der vergangenen Saison wettbewerbübergreifend sieben Mal das 1:0 erzielte, sollte nun eigentlich Ribery in die Bresche springen. Vertragssituation: geklärt. Verletzung: kuriert. Anklage in Frankreich: darum kümmern sich die Anwälte. Die Vorzeichen für den Franzosen sind alle gut, dennoch setzt er auf dem Platz viel zu wenig um.

Der 27-Jährige ist das Paradebeispiel, dass es den Bayern an Spritzigkeit, Inspiration und Dynamik fehlt, eine Nachwehe der WM. "Wir sind noch nicht bei hundert Prozent", sagte Toni Kroos, "aber eigentlich lassen wir den Ball gut laufen."

Lahm: "Uns fehlt der Rhythmus"

Doch allein die Verwendung des Wortes "eigentlich" zeigt an, dass etwas nicht rund läuft. "Wir spielen vielleicht ein bisschen zu viel hinten rum, aber das liegt daran, dass uns der Rhythmus fehlt", unternahm Philipp Lahm einen Erklärungsversuch. Man habe momentan Probleme damit, Situationen zu erkennen und dann mit Zug nach vorne zu spielen, so das Urteil des Rechtsverteidigers.

Auch Lahm merkt man an, dass er noch nicht voll da ist. Obwohl Köln nur verteidigte, schaltete sich der Interimskapitän der Nationalmannschaft viel zu selten in die Angriffe ein, das Zusammenspiel mit seinem neuen Mitspieler auf rechts, Toni Kroos, klappte in der ersten Halbzeit gar nicht.

Überhaupt, Kroos: van Gaal verwunderte gegen Köln mit der Entscheidung, Müller wieder zentral aufzubieten und Kroos dafür rechts. Was sich der Bayern-Coach davon erhoffte, blieb sein Geheimnis. Wenn das der einzige Lösungsweg war, der van Gaal gegen das Köln vorschwebte, das in der vergangenen Saison in München schon 0:0 spielte, dann war das zu wenig.

Erinnerungen an letzte Saison

Insgesamt sah der Trainer die Leistung seines Teams aber nicht so schlecht. "Ich bin nicht enttäuscht über das Spiel. Wir waren viele Male im Sechzehnmeterraum des Gegners. Aber es wird immer schwieriger, je mehr Gegenspieler hinter dem Ball sind", sagte der Niederländer und legte die Platte vom Vorjahr auf: "Ich glaube, dass die Tore wieder kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit."

Auch Kapitän Mark van Bommel versuchte es mit aufmunternden Worten. "Ob es ein Fehlstart ist, das weiß ich nicht, denn unser Spiel ist viel besser als letztes Jahr", meinte van Bommel - wohlwissend, dass das nackte Ergebnis mit abermals nur fünf Punkten und 2:3 Toren nach vier Spielen noch ernüchternder ausfällt als in der Vorsaison (5 Punkte, 6:4 Tore).

Drei Heimspiele hatten die Bayern in den ersten vier Partien, doch nur der Liga-Auftakt gegen Wolfsburg wurde gewonnen - in letzter Sekunde. "Es ist nicht zwingend, die Präzision fehlt", beschreibt Gomez das Dilemma. "Wir haben viele Möglichkeiten, aber nur sehr wenige klare Chancen."

Es wird ernst: Erst Hoffenheim, dann Mainz

Den Bayern bleibt nicht viel Zeit, am Feintuning zu arbeiten - bereits am Dienstag geht es zum Bundesliga-Zweiten Hoffenheim, am kommenden Samstag kommt Spitzenreiter Mainz 05 nach München.

Verliert man am Dienstag in Sinsheim, sind es mindestens acht Punkte zur Spitze - und dann wäre es auch erstmal egal, dass die eigentliche Konkurrenz (Leverkusen, Bremen, Stuttgart, Wolfsburg, Schalke) noch immer in Schlagdistanz liegt.

"Wir sollten langsam anfangen, Dreier einzufahren", stieß Lahm als Warnung aus. Und Müller fügte an: "Jetzt müssen wir gewinnen, egal wie, auch wenn es nur ein 1:0 ist."

Die Spielweise von 1899 Hoffenheim dürfte den Bayern allerdings mehr entgegen kommen als das Elf-Mann-Bollwerk der Kölner - zumindest erhofft man sich das. "Ich glaube, dass Hoffenheim vielleicht auch angreifen wird, ich hoffe es. Das ist auch für die Fans schöner anzuschauen", sagte van Gaal.

"Wenn wir mehr Platz haben, kommt das unserem Spiel zugute", ergänzte Gomez. Und wer weiß, vielleicht finden die Bayern gegen Hoffenheim auch wieder ihren Dosenöffner. Monsieur Ribery, übernehmen Sie!

Bayern - Köln: Daten zum Spiel

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