Fussball

Gomez schießt blamables Leverkusen ab

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Florian Bogner
Mario Gomez (r.) erzielte gegen Leverkusen einen lupenreinen Hattrick
© Getty

Der FC Bayern München hat Borussia Dortmund am 30. Spieltag der Bundesliga Schützenhilfe geleistet und selbst den dritten Tabellenrang zurückerobert. Gegen Bayer Leverkusen siegte der Rekordmeister überraschend klar mit 5:1 (4:0). Interimstrainer Andries Jonker feierte so einen überaus gelungenen Einstand.

Vor 69.000 Zuschauern im 100. Bayern-Heimspiel in der Allianz Arena nahm das Unheil für Leverkusen mit einem Eigentor von Simon Rolfes (6.) seinen Lauf.

Mario Gomez schraubte das Ergebnis mit einem lupenreinen Hattrick noch vor der Pause auf 4:0 (28., 44., 45.+1) in die Höhe. Es war Münchens höchste Pausenführung seit April 2008, als man Dortmund vier Stück einschenkte (Endstand: 5:0).

Leverkusen kam nach der Pause durch Eren Derdiyok zum Ehrentreffer (62.), ehe Franck Ribery zum Endstand traf (75.). Bayern zog damit in der Tabelle wieder an Hannover vorbei und verkürzte den Abstand auf Leverkusen auf sechs Zähler. Bayer erhielt im Kampf um die Meisterschaft hingegen einen herben Dämpfer.

Reaktionen:

Andries Jonker (Trainer Bayern München): "Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt und hatten besonders in der ersten Halbzeit eine hohe Aggressivität. Die Jungs haben die Botschaft verstanden und das gemacht, was sie machen mussten. Es ist auch für mich eine Überraschung, wenn man gegen Leverkusen zur Halbzeit mit 4:0 führt. Damit hatte ich nicht gerechnet."

Jupp Heynckes (Trainer Bayer Leverkusen): "Wir haben in der ersten Halbzeit alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Wir haben den Bayern in die Karten gespielt. So kann man gegen Bayern nicht gewinnen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Jonker mit vier Änderungen im Vergleich zum letzten Spiel unter van Gaal: Butt kehrt ins Tor zurück, dazu sind van Buyten, Tymoschtschuk und Klose neu dabei. Kraft sitzt dafür wieder auf der Bank, Robben (Rot) und Badstuber (Gelb) fehlen gesperrt und Kroos wegen eines Magen-Darm-Infekts. Auf der Bayern-Bank sitzen nur vier Feldspieler.

Auch Heynckes mit vier Neuen: Adler ist zurück im Tor, Castro, Augusto und Derdiyok spielen anstelle von Kadlec, Barnetta und Kießling.

7., 1:0, Rolfes (Eigentor): Ecke Ribery von rechts, kurz geschlagen. Schweinsteiger verlängert, Rolfes springt der Ball ins Gesicht und von dort geht's ins Tor.

28., 2:0, Gomez: Müller holt sich an der Eckfahne den Ball gegen Reinartz und geht in die Mitte. Vidal hat den Ball dort eigentlich sicher, vertändelt am Fünfer aber mit einem missglückten Hackentrick gegen Müller. Der legt für Gomez ab - 2:0! 20. Saisontor.

44., 3:0, Gomez: Ganz einfach. Van Buyten stürmt nach vorne, legt rechts auf Müller. Der geht in den Strafraum und legt im rechten Moment quer. Gomez schiebt locker ein. 21. Saisontor.

45.+1, 4:0, Gomez: Nächster Konter. Schweinsteiger zieht von links nach innen, legt für Gomez ab. Der trifft aus 15 Metern flach unter Adler durch. 22. Saisontor.

58.: Der eingewechselte Kießling kommt frei zum Kopfball, weil van Buyten sich verschätzt. Knapp links vorbei.

62., 4:1, Derdiyok: Kopfballkerze von Lahm im Sechzehner. Van Buyten verliert daraufhin die Übersicht und den Luftkampf gegen Derdiyok, der den Ball runterholt und aus sechs Metern einnetzt. 6. Saisontor.

75., 5:1, Ribery: Ribery und van Buyten spielen am Sechzehner unbehelligt Doppelpass. Ribery setzt sich gegen Reinartz durch und schiebt links unten ein. 5. Saisontor.

79.: Sam zieht aus knapp 28 Metern mit links volley ab - knapp links am Pfosten vorbei.

86.: Ecke Ribery von rechts. Ottl steigt hoch - Lattenkreuz.

Fazit: Bayern legte los wie die Feuerwehr und drehte Bayer schon in Durchgang eins auf links. So wird Leverkusen nicht Meister.

Der Star des Spiels: Mario Gomez. Seine ersten drei Torschüsse saßen. Bitte, danke. Ebenfalls stark: Klose, Müller, Tymoschtschuk und der eingewechselte Contento.

Der Flop des Spiels: Arturo Vidal. Völlig egal, was der Junge sonst so trieb - sein Blackout vor dem 0:2 qualifiziert ihn voll für den Flop des Spiels und stand sinnbildlich für das verwirrte Auftreten der Gäste. Nach Rolfes Eigentor nahm sich Bayer so schon früh selbst aus dem Spiel. Ebenfalls indiskutabel: Augusto und Reinartz.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe. Ließ viel laufen und kam so nie in den Verdacht, ein Heimschiedsrichter zu sein. Übersah großzügig eine Handvoll Fouls und hatte offensichtlich keine Karten dabei.

Analyse: Leverkusen in der ersten Halbzeit mit mehr Ballbesitz, mehr gewonnenen Zweikämpfen und der besseren Passquote - aber nach indiskutabler Defensiv-Leistung eben auch 0:4 hinten, weil Bayern mit drei Torschüssen vier Tore machte.

Jonkers Änderungen - auch wenn sie personell notgedrungen waren - griffen gut: Van Buyten wackelte erst nach der Pause ein, zwei Mal, Tymoschtschuk hatte Ballack im Schwitzkasten und Klose spielte auf der Zehn endlich mal mit gelöster Handbremse. Der schnelle Contento, der früh Pranjic ersetzte, stellte zudem Sam kalt. Bayern verteidigte zudem im Verbund besser als gewohnt.

Rein spielerisch zeigte der FCB neben unbändigem Einsatz vor allem mehr Mut zum Risiko. Endlose Ballstafetten blieben diesmal aus, Jonker ließ ohne Umschweife nach vorne spielen und forderte auch mal den ein oder anderen langen Diagonalball von der Verteidigung ein. Dass dabei auch mehr Fehlpässe passierten, lag in der Natur der Sache.

Letztlich stand sich Leverkusen aber meist selbst im Weg, glaubte zu keiner Zeit wirklich an den Erfolg und ließ sich so von den Bayern schon in Halbzeit eins widerstandslos abwatschen.

Der zweite Durchgang geriet so zum bedeutungslosen Schaulaufen. Butt musste bei seinem Comeback erstmals in der 69. Minute zupacken. Adler hielt keinen einzigen Ball.

Bayern - Leverkusen: Daten zum Spiel

 

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