Dreifach-Niederlage für Felix Magath

Von Für SPOX auf Schalke: Haruka Gruber / Felix Mattis
Samstag, 09.04.2011 | 17:20 Uhr
Nach fünf Siegen in Serie ohne Sieg fürchtet Felix Magath um den Klassenerhalt
© Imago
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Der FC Schalke 04 hat mit einem 1:0 (0:0) über den VfL Wolfsburg den Aufwärtstrend unter dem neuen Chefcoach Ralf Rangnick fortgesetzt. Ex-Trainer Felix Magath misslang die Rückkehr in die Veltins-Arena.

Vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena erzielte der Spanier Jurado (76.) das Tor des Tages. Damit hat Schalke seit Rangnicks Amtsantritt alle drei Pflichtspiele inklusive dem 5:2 in der Champions League bei Inter Mailand gewonnen.

Nach dem Spiel hatte Rangnick noch eine Spitze übrig. "Der Sieg ist nicht der wertvollste, aber der wichtigste", sagte er. Auf Nachfrage, was er genau damit meint, antwortete er nur: "Das können die Medien interpretieren."

Dass es ein Seitenhieb in Richtung Magath war, kann vermutet werden. Magath bleibt mit Wolfsburg nach der fünften Partie ohne Sieg im Tabellenkeller und stellt die zweitschlechteste Rückrunden-Mannschaft.

Reaktionen:

Ralf Rangnick (Trainer FC Schalke 04): "Es war ein verdienter Sieg. Wir haben in den ersten zehn Minuten gut angefangen, dann war es zäh. In der zweiten Halbzeit hatten wir durch die Hereinnahme von Alexander Baumjohann einen Offensivspieler mehr auf dem Platz und haben ein, zwei Schippen draufgelegt. Großes Kompliment das die Mannschaft nach dem Spiel am Dienstag so eine Energieleistung abgeliefert hat. Von den drei Siegen war es nicht der wertvollste, aber der wichtigste."

Clemens Tönnies (Aufsichtsratsvositzender FC Schalke 04): "Ralf Rangnick hat es in kurzer Zeit geschafft, die Köpfe freizubekommen und die Moral zu stärken. Das bestätigt uns in unserem Tun und Handeln. Wir haben den richtigen Schritt gemacht."

Felix Magath (Trainer VfL Wolfsburg): "Wir stecken im Abstiegskampf. Die Situation ist gefährlich. Es zählen keine Schönheitspreise, sondern nur Effektivität. Entweder ist die Mannschaft den Abstiegskampf nicht gewohnt und hat dadurch Hemmungen, oder der eine oder andere Spieler hat nicht begriffen, was es heißt: Abstiegskampf oder Absteigen. Mich macht dieses Spiel nachdenklich."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schalke defensiver als bei Inter: Schmitz steht für Baumjohann in der Startelf. Metzelder doch nicht im Kader, ebenfalls fehlen weiterhin Huntelaar, Kluge und Gavranovic. Annan immerhin im Aufgebot.

Wechselfreudiger Magath: Polak und Helmes auf der Bank, Friedrich gesperrt. Dafür neu: Haebe, Koo, Madlung - und eine taktische Abkehr weg vom 4-4-2 in der Raute hin zum 4-2-3-1 mit Grafite als einzige Spitze.

6.: Farfan wird auf rechts von zwei Mann am Trikot gehalten, setzt sich aber trotzdem durch und flankt in die Mitte zu Raul - dessen Kopfball geht jedoch vorbei.

10.: Farfan zieht Richtung Strafraum und legt nach halblinks für Schmitz ab. Der zieht aus 18 Metern mit links ab und verfehlt den Pfosten um einen Meter.

28.: Riether spielt von rechts aus 30 Metern einen harten Pass flach in den Sechzehner zu Grafite. Der touchiert die Kugel aber nur leicht und drückt sie nicht richtig aufs Tor - links vorbei.

38.: Schäfer versucht es aus 23 Metern mit seinem schwachen rechten Fuß. Der Ball fliegt schnurstracks in Richtung rechtes Eck, aber Neuer ist dran - auch wenn der Nationalkeeper alles andere als sicher dabei aussah.

46.: Beide Teams mit einem Wechsel: Rangnick bringt Baumjohann für den schwachen Schmitz. Bei Wolfsburg muss der starke Kjaer raus, für ihn kommt Pekarik.

62.: Was für Chancen! Edu raus auf Farfan, dessen Hereingabe sorgt für Chaos beim VfL. Erst versucht es Jurado, dann Baumjohann, beide Schüsse werden geblockt. Aber Baumjohann kommt erneut an den Ball und schießt - abgefälscht, Latte!

67.: Baumjohann versucht es aus der zweiten Reihe mit einem Flachschuss, doch Benaglio kratzt die Kugel aus dem rechten Eck.

76., 1:0, Jurado: Farfan bekommt den Ball 15 Meter vor dem Tor in der Zentrale. Er könnte schießen, sieht aber, dass der Schussweg zugestellt ist. Dann dreht er sich, lupft die Kugel nach links mit dem Außenrist in den Lauf von Jurado. Der Flachschuss des Spaniers in die rechte untere Ecke ist unhaltbar!

Fazit: Ausgeglichene erste Halbzeit, Vorteile für Schalke in der zweiten Hälfte: Königsblau gewinnt verdient.

Der Star des Spiels: Jefferson Farfan. Ist auf dem Weg zu einem Spieler von Weltformat. Gegenspieler Schäfer spielte nicht schlecht, aber einen Farfan zu bremsen vermochte auch er nicht. Farfan ist schnell, technisch beschlagen, spielintelligent und mannschaftsdienlich. Bestechend, wie er bei Ballbesitz bis zur Grundlinie durchgeht und bei Ballverlust sofort am Pressing teilnimmt. Herausragend, wie er Jurados Siegtor mit dem Außenrist vorbereitete.

Der Flop des Spiels: Diego. Dass der 19-jährige Papadopoulos ein unangenehmer Bewacher ist, erfuhr bereits Inters Sneijder, nun war Diego dran. Wolfsburgs Spielmacher verlor ob der körperbetonten Bewachung schnell die Lust und blieb wie Sturmspitze Grafite nahezu wirkungslos.

Der Schiedsrichter: Peter Sippel. Hatte keinerlei Probleme in einer fair geführten Partie. Lag mit der Entscheidung richtig, Farfans frühes Tor wegen Abseits abzupfeifen. Genauso, als er Koo nach einer Schwalbe verwarnte.

Analyse: Schalke begann mit der Begeisterung vom Inter-Spiel, Wolfsburg angesichts der Ballfertigkeit von Farfan und Jurado etwas eingeschüchtert. Doch nach anfänglicher Unsicherheit gelang es dem VfL, das Spielgeschehen 10, 15 Meter nach vorne zu verschieben.

Die Folge: Die Schalker taten sich mit dem überfallartigen Kontern schwerer, weil der Weg zum Wolfsburg-Strafraum wesentlich länger wurde und ab 30 Meter vor dem gegnerischen Tor die Wucht fehlte. Wolfsburg gestaltete das Spiel ausgeglichener, doch es blieb im sehr statisch interpretierten 4-2-3-1 oftmals zu berechenbar.

In der zweiten Hälfte fand Schalke die Spiellaune aus den ersten 15 Minuten wieder und war die bestimmende Mannschaft, auch weil mit dem eingewechselten Baumjohann ein weiterer kombinationsstarker Spieler bereitstand und mit Kjaer Wolfsburgs bis dahin bester Abwehrspieler ausgewechselt werden musste.

Der VfL hingegen verstand es nicht, nach dem Rückstand die defensive Grundordnung zu verlassen und das Spielgeschehen wie in der ersten Halbzeit nach vorne zu verlagern. Es fehlte der Biss, die Dynamik - und vielleicht die Qualität?

Das 0:1 war nicht nur ein verlorenes Spiel. Es war ein Offenbarungseid der Wolfsburger Mannschaft. Und es war eine empfindliche Niederlage für Magath im Privatduell mit Rangnick.

Nach fünf Spielen ohne Sieg ist Wolfsburg abstiegsgefährdeter denn je - während Rangnick mit Schalke den Klassenerhalt sicher haben dürfte und ans Champions-League-Halfinale denken kann.

Schalke - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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