Fussball

Stani: "Entschuldige mich für diesen Vollhonk"

SID
Ein geschockter Matthias Lehmann (l.) und Schiri-Assistent Thorsten Schiffner
© Getty

Nach einer Wurfattacke auf Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner aus Konstanz droht dem FC St. Pauli eine empfindliche Strafe bis hin zur Platzsperre. Beim Stand von 0:2 wurde das Spiel gegen Schalke 04 in der 89. Minute abgebrochen - ein einmaliger Vorgang am Hamburger Millerntor.

Als der Skandal perfekt und das Spiel gegen Schalke 04 abgebrochen war, blieben dem FC St. Pauli nur noch Entschuldigungen und die Hoffnung auf eine milde Strafe.

"Das ist unverzeihbar, auch wenn es ein Einzeltäter und nicht der ganze FC St. Pauli war", sagte Sportchef Helmut Schulte.

Trainer Holger Stanislawski wurde noch deutlicher: "Ich kann mich nur für diesen Vollhonk entschuldigen. Der soll sich das Ding von mir aus selbst an den Kopf werfen."

Anzeige gegen Verdächtigen erstattet

Doch der Täter - ein Verdächtiger wurde kurz vor Mitternacht dingfest gemacht und vernommen - traf mit einem gut gefüllten Bierbecher Thorsten Schiffner genau im Nacken.

Der Schiedsrichter-Assistent aus Konstanz sackte zusammen, rappelte sich mühevoll wieder auf und erstattete Referee Deniz Aytekin Bericht. Nach einem kurzem Wortwechsel beendete der Unparteiische das Spiel beim Stande von 0:2 in der 89. Minute vorzeitig.

"Nach einem solchen Vorfall gibt es keinen Spielraum. Wir mussten entsprechend den Regeln handeln und abbrechen. Es gab schon vorher mehrere Stadiondurchsagen. Alles weitere wird nun das Sportgericht entscheiden", sagte Aytekin. Seinem Assistenten, so der Referee, gehe es "den Umständen entsprechend gut".

Bei dem vorübergehend Festgenommenen handelt es sich um einen 43-jährigen Mann, der am Samstag wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Es wurde Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft wird in der kommenden Woche die Ermittlungen fortführen. Es werden weitere Zeugen gesucht, die den Verdacht durch ihre Aussagen erhärten können.

Wiederholungsspiel ausgeschlossen

Fußend auf den Ermittlungen des DFB-Kontrollausschusses reicht die Bandbreite der Sanktionen von einer Geldstrafe über ein "Geisterspiel" bis hin zu einer Platzsperre.

Ein Wiederholungsspiel am Millerntor wäre nur in Betracht gekommen, wenn die Gastgeber beim Spielabbruch in Führung gelegen oder es Unentschieden gestanden hätte. Auch über die endgültige Wertung des Spiels wird am grünen Tisch entschieden werden.

"Der Kontrollausschuss wird sich kommende Woche mit dem Fall und möglichen Strafen befassen. Über die Spielwertung entscheidet laut Statuten das Sportgericht des DFB. Eine Entscheidung wird zeitnah fallen", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker am Samstag mit.

Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), meinte: "Solche Vorfälle können wir nicht akzeptieren. Der DFB-Kontrollausschuss wird die Angelegenheit nun zu bewerten haben. Selbstverständlich wird die DFL hierbei gemeinsam mit dem Klub jede gewünschte Unterstützung leisten."

St. Pauli bleibt im freien Fall

Superstar Raul mit seinem zwölften Saisontor (26.) und Julian Draxler (66.) trafen in Hamburg für die Gäste aus Schalke. Zum Zeitpunkt des Abbruchs standen nur noch neun Hamburger auf dem Rasen des Millerntorstadions, nachdem Jan-Philipp Kalla (68.) und Fin Bartels (79.) Platzverweise kassiert hatten.

Und so fiel es dem neuen Schalke-Coach Ralf Rangnick nach seinem erfolgreichen Einstand bei den Königsblauen leicht, den Anhang der Hanseaten auch ein bisschen in Schutz zu nehmen: "Durch solche Idioten wird die gesamte Fankultur beschädigt. Es ist schade, dass so etwas gerade in diesem Stadion passiert ist, in dem immer eine fast einmalige Atmosphäre herrscht."

Doch während sein Team mit dem Kampf um den Klassenerhalt nun definitiv nichts mehr zu tun hat, stehen bei den Kiez-Kickern nach der sechsten Niederlage in Serie die Zeichen auf Abstieg. Bei nur noch zwei Heim-, aber vier Auswärtsspielen ist die Lage im Tabellenkeller bedrohlicher denn je.

Die Defensive personell fast am Ende, die Offensive überfordert - der Rücksturz in die Zweitklassigkeit scheint kaum noch zu vermeiden zu sein. Stanislawski, der den Klub wohl im Sommer verlassen dürfte, hatte auch kaum mehr als Durchhalteparolen zu bieten: "Wir kämpfen weiter und werden nicht auf die Idee kommen, die Punkte einfach so zum DFB zu faxen."

Drei Verletzte bei Schalke

Die Gäste hingegen haben nun den Kopf frei für das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag beim Titelverteidiger Inter Mailand.

Als selbsternannter Außenseiter mit Chancen macht sich der deutsche Vize-Meister am Montag auf den Weg nach Italien. Nationaltorhüter Manuel Neuer: "Wir wollen hinten die Null halten und damit auch was holen."

Noch nicht gesichert ist allerdings das Mitwirken von drei Stammspielern, die nicht ohne Blessuren aus dem kampfbetonten Spiel in der Hansestadt herauskamen. Mario Gavranovic zog sich eine Syndesmose-Verletzung zu, bei Christoph Metzelder wurde ein Nasenbeinbruch diagnostiziert, und Peer Kluge erlitt eine Bauchmuskelzerrung.

St. Pauli - Schalke: Daten zum Spiel

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