Bundesliga - 11. Spieltag

Bayern verschenkt zwei Punkte in Gladbach

Von Stefan Rommel/Daniel Riedmüller
Samstag, 06.11.2010 | 17:25 Uhr
Marco Reus (r.) erzielte das zwischenzeitliche Gladbacher 2:2 gegen die Bayern
© Getty
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Der FC Bayern München hat einen Dämpfer in seiner selbst proklamierten Aufholjagd in der Bundesliga hinnehmen müssen. Am 11. Spieltag kamen die Münchener bei Borussia Mönchengladbach nur zu einem 3:3 (2:1) und verlieren damit die Tuchfühlung zur Spitzengruppe.

Vor 51.000 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park erzielten Patrick Herrmann (5.), Marco Reus (56.) und Igor de Camargo (60.) die Tore für die Borussia. Mario Gomez (11.), Bastian Schweinsteiger (40.) und Philipp Lahm (84.) waren für die Münchener erfolgreich.

Schweinsteiger verpasste nur drei Minuten nach seinem Treffer die Vorentscheidung, als er per Foulelfmeter am Pfosten scheiterte.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Gladbach im 4-2-3-1 und mit Neustädter (zentral) im defensiven und Herrmann (rechts) im offensiven Mittelfeld. Bobadilla nach seiner Verbannung zuletzt wieder im Sturm.

Die Bayern wie zuletzt in der Champions League in Cluj, also erneut ohne Müller von Beginn an. Schweinsteiger wieder hinter der einzigen Spitze Gomez. In der Abwehr fehlt Badstuber erneut, für ihn spielt van Buyten.

5., 1:0, Herrmann: Der Gladbacher flankt von Pranjic unbedrängt von rechts. Butt berechnet den Ball völlig falsch, das Ding senkt sich Richtung langes Eck. Butt realisiert das viel zu spät und ist gegen die Bogenlampe dann machtlos. Klarer Torwartfehler.

11., 1:1, Gomez: Freistoß von Kroos von der linken Strafraumgrenze mit enorm viel Zug an den langen Pfosten. Anderson hüpft unten durch, Gomez steht zwei Meter vor der Bude und hält den Kopf hin.

30.: Altintop macht Schachten einmal mehr frisch. Flanke an den Fünfer. Schweinsteiger gewinnt den Kopfball gegen Levels, köpft den aber noch leicht an die Schulter. Der Ball fliegt an die Unterkante der Latte und von da deutlich vor der Linie wieder auf.

36.: Mega-Chance! Schweinsteiger steckt schön auf Gomez durch, Schachten pennt total und hebt das Abseits auf. Gomez hat freie Schussbahn, wird von Anderson noch ein bisschen gestört. Heimeroth hält per Fußreflex. Den Nachschuss hebt Kroos technisch perfekt ans linke Lattenkreuz.

40., 1:2, Schweinsteiger: Eine zu weit gezogene Lahm-Flanke kommt zu Pranjic. Der flankt flach an den Füngfer. Schweinsteiger ist im Zweikampf cleverer als Anderson und lenkt den Ball mit der linken Hacke brillant ins Tor.

42., Elfmeter für Bayern: Schachten pennt, Altintop bekommt den Ball in die Gasse. Schachten läuft hinterher, grätscht und trifft den Bayer letztlich unglücklich an der Hacke.

43., Schweinsteiger verschießt: Der Bayern-Star verzögert extrem, hat Heimeroth auf dem falschen Fuß und schiebt lässig nach rechts - an den Pfosten!

56., 2:2, Reus: Nach der Balleroberung von Neustädter im Mittelfeld hat De Comargo den Geistesblitz. Reus wird mit einem cleveren Steilpass zwischen Demichelis und van Buyten hindurch in die Tiefe schickt, der vor Butt cool bleibt und den Ball trocken ins rechte untere Eck legt.

60., 3:2, de Camargo: Reus setzt sich gegen zwei Gegenspieler durch und spielt den Ball in die Spitze zu de Camargo. Der ist schneller als van Buyten, spitzelt den Ball mit links vorbei und schiebt dann auch zehn Metern Butt mit rechts flach durch die Beine.

84., 3:3, Lahm: Zu kurze Abwehr von Gladbach. Tymoschtschuk steckt toll durch auf Lahm, der völlig frei auf Heimeroth zugeht. Der Nationalspieler wartet perfekt ab, bis der Keeper runter geht und legt den Ball dann hoch ins lange Eck.

Fazit: Ein völlig verrücktes Spiel, aus dem beide Mannschaften letztlich zwei Punkte zu wenig mitnehmen.

Der Star des Spiels: Igor de Camargo war jetzt nicht der Überflieger dieser komischen Partie, aber er steht stellvertretend für die Wende, die Gladbach nach dem Wechsel vollbrachte. Der Belgier legte den Anschlusstreffer von Reus perfekt auf und traf danach technisch sehr anspruchsvoll zum Ausgleich. Im Vergleich zum rumpelnden Bobadilla brachte de Camargo so etwas wie Spielkultur ins Gladbacher Spiel und sollte demnächst auch mal wieder von Beginn an ran dürfen.

Die Gurke des Spiels: Sebastian Schachten durfte hinten links ran und hatte mit Altintop jetzt keinen übermächtigen Gegenspieler. Und trotzdem machte der Türke mit Schachten, was er wollte. Stellungsfehler, Geschwindigkeitsnachteile, schlampige Abspiele: Schachten war an diesem Tag mit seiner Aufgabe schlicht überfordert und hätte eigentlich viel früher ausgewechselt werden müssen als erst zur Pause.

Die Pfeife des Spiels: Knut Kircher war ein umsichtiger Leiter eines fairen Spiels. Bei allen wichtigen Entscheidungen lag Kircher richtig, auch im persönlichen Strafmaß.

Analyse: Selten hat es ein Spiel gegeben, dessen Blatt sich so unerwartet dreht wie dieses. Die Bayern spielten Gladbach in der ersten Halbzeit an die Wand, hatten neben den zwei Toren auch noch drei Aluminiumtreffer und monströse 79 Prozent Ballbesitz.

Rein gar nichts deutete darauf hin, dass sich die Gastgeber noch einmal zurückmelden könnten in diesem Spiel. Letztlich kamen aber mit Beginn der zweiten Halbzeit einige Faktoren zusammen, die dem Spiel eine Wendung gaben.

Nachdem Borussia-Coach Frontzeck in der ersten Halbzeit mit Spielausrichtung und Personal noch vollkommen daneben gelegen hatte und die Mannschaft von den Primärtugenden Kampf, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft aber auch gar nichts abrufen konnte, brachten einige Umstellungen Besserung.

Frontzeck nahm den völlig überforderten Schachten und den lustlosen Idrissou runter, stellte die Viererkette um und Reus endlich auf den Flügel und hatte plötzlich eine funktionierende Mannschaft auf dem Platz.

Warum der Trainer allerdings so lange mit den längst überfälligen Änderungen fast zu lange wartete, bleibt sein Geheimnis. Machen die Bayern nur einen Bruchteil ihrer Chancen der ersten Halbzeit, geht Gladbach sehenden Auges der siebten Niederlage entgegen.

Die Bayern dagegen gingen an ihrer laschen Einstellung und wohl auch ein wenig Arroganz zugrunde. Nach 45 Minuten hätte die Partie längst entscheiden sein müssen. Dann nahmen die Münchener die Partie aber viel zu lässig.

Neulich in Cluj ist bei einer ähnlich laschen Arbeitsmoral kurz nach der Pause nichts passiert, gegen Gladbach saßen aber beide Torschüsse des Gegners und beendeten die bayerische Dominanz abrupt.

Dass am Ende doch noch ein Punkt für den Rekordmeister heraussprang, ist ein schwacher Trost. Die Bayern haben zwei Punkte leichtfertig verschenkt, die noch sehr wehtun könnten.

Gladbach - Bayern: Daten zum Spiel

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