Montag, 01.11.2010

Bundesliga - 10. Spieltag

Sigurdsson weiß nur, wo das Tor steht

Der Isländer Gylfi Sigurdsson hat 1899 Hoffenheim mit zwei Toren und einer Vorlage beim 4:0 (1:0) gegen Hannover 96 auf den dritten Tabellenplatz geführt. Abseits des Platzes ist der 21-Jährige allerdings ein wenig orientierungslos.

Der bescheidene Gylfi Sigurdsson kam zu Beginn dieser Saison vom FC Reading
© Getty
Der bescheidene Gylfi Sigurdsson kam zu Beginn dieser Saison vom FC Reading

Gylfi Sigurdsson weiß zwar, wo das Tor steht - er weiß aber nicht, wo er wohnt. "Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie der Ort heißt. Ich weiß nur, dass er nahe am Trainingsgelände liegt", antwortete der Isländer in Diensten von 1899 Hoffenheim auf die Frage, ob er sich in seinem neuen Wohnort Wiesloch bereits eingelebt habe.

Beim 4:0 (1:0) kurz zuvor gegen Hannover 96 war der Offensivspieler alles andere als orientierungslos gewesen. Mit zwei Toren und einer Vorlage führte der 21-Jährige die Kraichgauer am zehnten Spieltag auf den dritten Tabellenplatz.

Sigurdsson schüchtern

Nach seiner Gala gab sich der Matchwinner bescheiden. Erst musste Sigurdsson von seinen Teamkollegen zur Feier mit den Fans auf dem Zaun gedrängt werden, dann stellte er sein Licht unter den Scheffel und lobte die Mannschaft.

"Das Team hat sehr gut gespielt. Ich hoffe, dass ich im Team bleiben darf", sagte der 5,2 Millionen Euro teure Neuzugang vom englischen Zweitligisten FC Reading, der am letzten Tag der Transferperiode nach Hoffenheim kam und bis 2014 beim Klub von Trainer Ralf Rangnick unter Vertrag steht.

Vier Jahre will Sigurdsson allerdings nicht verstreichen lassen, bis er Interviews auf deutsch anstatt wie bisher auf englisch führen kann.

"Ich hoffe, dass ich in ein paar Montaten soweit bin. Ich gewöhne mich noch ein, aber ich genieße es hier. Alle machen es mir leicht und unterstützen mich", sagte der in Reykjavik geborene U-21-Nationalspieler, der bislang im Schnitt alle 59 Minuten trifft und bereits vier Saisontore auf dem Konto hat.

Alle reden über Sigurdsson

"Ich weiß nicht, ob es für mich und für das Team so gut weiter geht. Ich schaue nicht so weit voraus", meinte Sigurdsson, der seinen Einsatz gegen Hannover nur der Magen-Darm-Grippe des eigentlich vorgesehenen Boris Vukcevic zu verdanken hatte.

Für einen Ersatzmann spielte Sigurdsson nicht schlecht. Zunächst traf der Isländer vor 28.450 Zuschauern zweimal selbst (45.+1, 48.), dann bereitete er das Tor von Demba Ba (51.) vor. Den vierten Treffer erzielte Peniel Mlapa (71.). Hannover hatte sich früh selbst geschwächt, da Manuel Schmiedebach in der 18. Minute die Gelb-Rote Karte sah.

Von der auch in Unterzahl zunächst guten Vorstellung der Niedersachsen sprach nach dem Spiel aber niemand mehr. Alle redeten nur noch über Sigurdsson.

"Gylfi hat gezeigt, was er drauf hat", sagte Hoffenheims Kapitän Andreas Beck. "Seine große Stärke ist, dass er den Abschluss sucht", ergänzte Rangnick, der sich eigentlich bei seinem Sohn Kevin bedanken müsste. Schließlich war es der Filius des Trainers, der während seiner Schulzeit in Bradfield den Jungstar im Dress des FC Reading gesehen und seinem Vater eine Verpflichtung ans Herz gelegt hatte.

Hoffenheims Neuzugänge schlagen ein

Doch nicht nur der Transfer Sigurdssons scheint sich für die Hoffenheimer bezahlt zu machen. An allen Treffern waren Neuzugänge beteiligt.

"Sie passen alle zu uns - menschlich und von der Qualität. Es sind Super-Jungs", sagte Manager Ernst Tanner. So sieht es auch Rangnick: "Wir haben ja ganz bewusst auf junge Spieler gesetzt. Schon nach ein paar Wochen war zu sehen, dass wir mit den Jungs nicht ganz so falsch gelegen haben - nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich."

Eine rosige Zukunft wollte Rangnick, der Vedad Ibisevic nach dessen Roter Karte im DFB-Pokal 90 Minuten auf der Ersatzbank schmoren ließ, aber trotz des momentanen Erfolgs nicht versprechen.

"Wir haben doch am eigenen Leib erfahren, was passieren kann", sagte der Coach mit Blick auf den Absturz des damaligen Herbstmeisters vor knapp zwei Jahren. Dennoch ist Rangnick grundsätzlich optimistisch: "Der Umgang untereinander in den vergangenen Wochen stimmt mich zuversichtlich. Wir haben aus der Gruppe heraus wieder Kraft."

Hoffenheim - Hannover: Daten zum Spiel


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