Mittwoch, 18.08.2010

Saisonvorschau Borussia Dortmund

Mit Risiken und Nebenwirkungen

Bis zum Start der Bundesliga beleuchtet SPOX alle 18 Klubs in der großen Vorschau-Serie - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: Borussia Dortmund.

Der Kader von Borussia Dortmund in der Saison 2010/2011
© Getty
Der Kader von Borussia Dortmund in der Saison 2010/2011

SC Freiburg FC St. Pauli 1. FC Köln 1. FC Kaiserslautern Borussia Mönchengladbach 1. FC Nürnberg Hannover 96 Eintracht Frankfurt 1899 Hoffenheim Werder Bremen FSV Mainz 05 VfB Stuttgart Borussia Dortmund Bayer Leverkusen Hamburger SV Saisonvorschau Bundesliga 2010/2011

Seit Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund angestellt ist, bewegt sich der Verein Schritt für Schritt wieder in die Sphären, die man aufgrund der erfolgreichen 90er Jahre für sich beansprucht - die oberen Tabellenplätze, inklusive internationaler Wettbewerbe.

Im ersten Klopp-Jahr verhinderte noch ein Last-Minute-Abseitstor von Hamburgs Piotr Trochowski am 34. Spieltag den Sprung in die Europa League. Ein Jahr später erfolgte die für die Dortmunder Finanzen extrem wichtige Qualifikation recht souverän.

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Der Fußball, den Klopp spielen lässt, zeichnet sich durch hohe Leiden- und Laufbereitschaft aus. Daran wird sich auch im kommenden Jahr nicht viel ändern. Nur bleibt vorerst die Frage offen, wie gut die junge Truppe die zukünftige Mehrbelastung wegstecken wird.

Das ist neu

Der Tanz auf mehreren Hochzeiten. Sollte der BVB das durchaus machbare EL-Quali-Los Qarabag Agdam meistern, könnten in diesem Kalenderjahr noch über 20 Pflichtsspiele anstehen. Das ist Chance und Risiko zugleich.

Durch die beiden überzeugenden Spielzeiten unter Klopp (Platz 6 und 5) haben Verein und Mannschaft den nächsten kleinen Schritt in ihrer Entwicklung genommen. Personell hat man den Kader in der Breite verstärkt und gleichzeitig weiter verjüngt.

Lukasz Piszczek ist nicht nur auf beiden defensiven Außenbahnen einsetzbar, sondern kann auch im Mittelfeld aushelfen. Solange sich dort niemand verletzt, ist dies allerdings gar nicht notwendig. Shinji Kagawa und Talent Mario Götze, der nun fest zur ersten Mannschaft gehört, können bis auf die defensiven alle Mittelfeldpositionen bekleiden.

Das meiste Geld nahm man für Robert Lewandowski in die Hand, der Alleinunterhalter Lucas Barrios entlasten soll und ebenso recht flexibel im vorderen Spielfelddrittel einsetzbar ist.

Von diesen Neuzugängen versprechen sich die Verantwortlichen einen erhöhten Konkurrenzkampf und somit mehr Druck auf die etablierten Kräfte, die Klopp zuletzt öfter auch mal leicht angeschlagen durchschleppen musste.

Der Trainer hat die Wunschspieler, die der enge finanzielle Rahmen hergibt, bekommen und nun nicht nur bei der Besetzung des Mittelfelds die Qual der Wahl. Ein Luxus, den man aus der Vergangenheit so nicht kannte.

Die Taktik

Platz 15 stand für den BVB in der Vorsaison nach sieben Spieltagen zu Buche. Klopp sah sich gezwungen, auf 4-2-3-1 umzustellen. Plötzlich brachte die Borussia ihr großes Potential auf den Rasen. Zwölf Spiele ohne Niederlage und ein sicherer Platz im oberen Tabellendrittel waren die Folge.

Seitdem hält der Coach an diesem System fest. Damit etablierte sich Dortmund als eines der laufstärksten Teams der Liga und bringt vor allem seine größte Stärke zur Geltung: das Spiel gegen den Ball. Klopp sieht daher keinen Grund, diese Anordnung zu ändern, zumal er nun in allen Mannschaftsteilen über genügend Alternativen verfügt.

In vorderster Front bleibt Barrios Anspielstation, Prellbock und Stoßstürmer in einem. Lewandowski soll hinter ihm und um ihn herum spielen und nicht nur das Spiel ordnen, sondern auch selbst in die Spitze stoßen.

Saisonvorschau Borussia Dortmund
Wunschelf: Keine Änderungen in der Defensive. Für die Sechs ist Bender ein Kandidat. Kagawa könnte auch links spielen, Großkreutz rechts. Gleiches gilt für Talent Götze
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Wunschelf: Keine Änderungen in der Defensive. Für die Sechs ist Bender ein Kandidat. Kagawa könnte auch links spielen, Großkreutz rechts. Gleiches gilt für Talent Götze
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Der größte Erfolg: Nach einem 3:1 im Finale gegen Juventus Turin gewann der BVB 1997 die Champions League
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Der größte Erfolg: Nach einem 3:1 im Finale gegen Juventus Turin gewann der BVB 1997 die Champions League
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Robert Lewandowski (21): Der Stürmer wechselte für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen zum BVB
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Robert Lewandowski (21): Der Stürmer wechselte für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen zum BVB
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Der Kapitän: Sebastian Kehl (30) kickt seit 2002 bei der Borussia
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Der Kapitän: Sebastian Kehl (30) kickt seit 2002 bei der Borussia
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Der Trainer: Jürgen Klopp kam zur Saison 2008/2009 vom FSV Mainz 05 zu Borussia Dortmund
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Der Trainer: Jürgen Klopp kam zur Saison 2008/2009 vom FSV Mainz 05 zu Borussia Dortmund
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Die defensiv wie offensiv flexible Dreiermittelfeldreihe hat zwei Sechser im Rücken, die sich gut ergänzen und über unterschiedliche Qualitäten verfügen: Kapitän Kehl ist defensiver Zweikämpfer, Sahin erster Initiator der Dortmunder Angriffe. Die Abwehr bleibt dieselbe wie im Vorjahr, ist eingespielt und hat in ihrer Entwicklung weiterhin Steigerungspotential.

Da kein Team in der letzten Saison mehr Führungen aus der Hand gab als der BVB, ließ Klopp in der intensiven Vorbereitungsphase eine Spielweise einüben, die ökonomischer daher kommen und auf höheren Ballbesitzzeiten und mehr Spielkontrolle fußen soll. Vor allem im letzten Drittel des Spielfeldes fehlten dem BVB oft Durchschlagskraft und Konzentration. Klopp fordert von seiner Mannschaft "mehr Konsequenz in allen Lagen".

Der Spieler im Fokus

Man darf auf drei Spieler gespannt sein: Kagawa, der für einen Spottpreis aus Japans zweiter Liga (!) kam und in der Vorbereitung derart auf sich aufmerksam machte, dass Klopp im DFB-Pokal bei Wacker Burghausen lieber ihn als Lewandowski von Beginn an brachte. Die Umstellung auf das höhere Niveau und ein neues Land scheint dem Japaner zumindest in sportlicher Hinsicht wenige Probleme zu bereiten. Sein größter Vorteil: die Vielseitigkeit.

Hinzu kommt natürlich Lewandowski selbst, der in den Testspielen zwar regelmäßig traf, abgesehen davon aber bislang wenig in Erscheinung trat. Der Pole ist mit der Position hinter der einzigen Spitze, auf der ihn Klopp sieht, noch nicht ganz warm geworden. Und genau dort drängt nun Kagawa in die Startelf.

Zu guter Letzt ist Mario Götze zu nennen. Der 18-Jährige, der zuletzt zweimal in Folge mit der Fritz-Walter-Medaille für das beste deutsche Nachwuchstalent ausgezeichnet wurde, hat zwar weiter an seiner Physis zu arbeiten, machte in seiner Entwicklung im letzten Jahr aber dennoch einen riesigen Schritt nach vorne. Auch Götze kann auf allen offensiven Mittelfeldpositionen spielen und wird definitiv genug Spielzeit bekommen, um sich an die Bundesliga gewöhnen zu können.

Das Interview

SPOX: Auch für die Profis könnte die kommende Saison intensiv werden: Zusammen mit der Europa League und dem DFB-Pokal könnten bis Weihnachten 28 Pflichtspiele anstehen. Diese Konstellation ist für den BVB und die jungen Spieler recht neu. Inwiefern könnte die postulierte Weiterentwicklung der Mannschaft dadurch beeinträchtigt werden?

Zorc: Wir wollen uns dieser willkommenen, aber auch großen Herausforderung stellen. Das erste übergeordnete Ziel ist, die Playoff-Spiele zur Europa League erfolgreich zu gestalten. Wir wollen in die Gruppenphase. Das wäre für uns sowohl sportlich als auch wirtschaftlich der nächste Schritt. Wir haben den Kader darauf ausgerichtet, der Doppelbelastung standzuhalten. Gleichwohl wird es spannend zu beobachten sein, wie schnell die Jungs diese neuen Erfahrungswerte verarbeiten und letztlich auf dem Platz umsetzen. Ich traue es ihnen zu.

Das ganze SPOX-Interview mit Michael Zorc

Die Prognose

"High Noon" nannte Klopp das, was auf den BVB im August und September zukommt. Neben einem knüppelharten Auftaktprogramm in der Liga (Leverkusen, Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, Bayern innerhalb der ersten sieben Spieltage) steht bei den Europa-League-Playoffs im schwülen Aserbaidschan das gute Abschneiden im Vorjahr auf dem Prüfstand.

Sollte es richtig dumm laufen, stünde der BVB bereits Ende September mit dem Rücken zur Wand. Darauf deutet jedoch wenig hin. Natürlich bleibt abzuwarten, wie die weiterhin sehr junge Mannschaft auf die Doppelbelastung, die erhöhte Erwartungshaltung und den damit verbundenen Druck reagieren wird.

Die Verantwortlichen haben ihre Hausaufgaben erledigt: Der Kader ist in der Breite verstärkt worden, das Team konnte zusammen gehalten werden und ist zudem eingespielt. Jetzt liegt es an der Mannschaft, den sich selbst auferlegten Ansprüchen gerecht zu werden.

Auch wenn die direkte Konkurrenz wieder deutlich mehr Geld in die Hand genommen hat - Dortmund könnte erneut der Sprung in die Europa League gelingen.

Borussia Dortmund - der Kader im Überblick


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Jochen Tittmar

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