Fussball

Horst Heldt: "Die Lage ist katastrophal"

SID
Wie begossene Pudel. Stuttgarts Elson und Alexander Hleb sind nach der Pleite gegen Schalke ratlos
© Getty

Der VfB Stuttgart steckt in der schwersten Krise seit Jahren, doch Trainer Markus Babbel sitzt bei den Schwaben vorerst weiter fest im Sattel.

"Irgendjemand wird jetzt sicher die Trainerfrage stellen - wir stellen sie intern nicht", sagte Sportvorstand Horst Heldt nach dem bitteren 1:2 (0:1) gegen Schalke 04. Und auch Trainerlehrling Babbel betonte: "Ich denke, ich bin am Dienstag da. Wir haben Praktikumszeit, und ich habe ja auch nichts anderes vor."

Am Dienstag muss der VfB in der Champions League gegen den FC Sevilla ran. Gegen eine Mannschaft, die "zur Spitze Europas gehört", wie der gegen Schalke erneut auf der Bank schmorende Kapitän Thomas Hitzlsperger meinte.

Wie das verunsicherte, kriselnde VfB-Team gegen diese Klassemannschaft bestehen soll, ist den Verantwortlichen aber ein Rätsel - ebenso, wie die eigene Erfolglosigkeit.

Heldt: "Bin noch optimistisch"

Tief in ihm drin sehe es keineswegs so düster aus, wie es die Tabellensituation mit acht Punkten nach neun Spielen aussage, meinte Heldt. "Ich bin immer noch optimistisch", behauptete er. Was diesen Optimismus begründet, konnte er er aber nicht sagen.

Babbel sprang ihm da zur Seite. "Bis auf zwei individuelle Fehler kann ich der Mannschaft nichts vorwerfen", sagte er. Dumm nur, dass die Fehler zu Gegentoren durch Ivan Rakitic (24.) und Kevin Kuranyi (76.) führten.

Nur gute Ansätze beim VfB

Heldt fiel nach einigem Überlegen immerhin ein, "dass die Jungs sich nicht aufgegeben haben, auch nach dem 1:2 noch nicht. Von einer toten oder leblosen Mannschaft zu sprechen, wäre falsch." Als er mit der Analyse am Ende war, blieb ihm aber nur ein vernichtendes Fazit: "Die Lage ist brenzlig, nicht bescheiden. Sie ist katastrophal."

Trotzdem glaubt Heldt, "dass wir da rauskommen". Gegen defensiv gut organisierte, offensiv aber kaum vorhandene Schalker kam der VfB nicht über gute Ansätze hinaus.

Systemwechsel bringt nichts

Auch der Systemwechsel von der Doppel-Sechs zur Raute im Mittelfeld fruchtete nicht, weil Regisseur Alexander Hleb, der die Neuausrichtung öffentlich gefordert hatte, schwach spielte.

Heldt behauptete trotzdem, "dass diese Maßnahmen gegriffen haben. Das System hat uns doch Chancen ermöglicht." Chancen ja, doch das nur, weil Cacau unermüdlich rackerte und sich nach einigen vergeblichen Versuchen schließlich mit dem ersten Saisontor belohnte (73.).

Celozzi wie ein Anfänger

Das reichte nicht zu einem Punkt, "weil wir zwei haarsträubende Fehler gemacht haben", wie Heldt treffend analysierte. Das galt besonders für das 0:1, vor dem sich Neuzugang Stefano Celozzi anstellte wie ein Anfänger.

"Wo wir individuelle Fehler machen, müssen wir neue Leute hinstellen", sagte Heldt dazu.Für die Trainerposition gilt dieser Satz (noch) nicht.

Tönnies zur Finanzlage: "Wir liegen auf der Nase"

Ganz andere Sorgen hat Schalke. Während es bei den Knappen nach dem ersten Sieg in Stuttgart seit zehn Jahren und dem dritten Dreier in Folge sportlich weiter nur nach oben geht, drückt finanziell der Schuh.

Dem Klub droht ein Nach-Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga (DFL), Aufsichtsratschef Clemens Tönnies wurde von der "Süddeutschen Zeitung" dazu mit den Worten "wir liegen auf der Nase" zitiert. Tönnies sieht einem "harten Sanierungsweg" entgegen.

Magath: Schalke kein Sanierungsfall

Magath wollte davon nichts wissen. Schalke sei überhaupt "kein Sanierungsfall", sagte er: "Es ist gut, dass es dieses Verfahren der DFL gibt. Ich gehe davon aus, dass sie uns danach genauso wie bisher weiterarbeiten lässt. Wir wollen unsere finanziellen Probleme in den Griff bekommen - und wir werden das auch tun."

Im sportlichen Bereich, in dem Schalke noch kürzlich - und das würde auch Magath nicht bestreiten - tatsächlich ein Sanierungsfall war, hat er die Trendwende bereits geschafft. Die Frage, ob S04 ein Spitzenteam sei, wollte er trotz Platz drei aber nicht beantworten. "Titelkandidat? Kein Kommentar", meinte er nur.

Stuttgart - Schalke: Daten zum Spiel

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