Bayern nach dem Remis bei Bayer: 1:1 gewonnen

Von Thomas Gaber
Sonntag, 11.04.2010 | 00:32 Uhr
Arjen Robben erzielte in Leverkusen per Foulelfmeter seinen zwölften Saisontreffer
© Getty
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Auch ohne Dreier in Leverkusen ist der FC Bayern München der Sieger des 30. Spieltags. Trainer van Gaal ist happy mit dem letzten Akt der Endspiel-Wochen. Die Konkurrenz kapituliert. Auf Schalke beginnt der Selbstzerfleischungsprozess.

Franz Beckenbauer hatte den Schuldigen schnell ausgemacht. "Die Maske war's, die Maske. Es kann mir keiner sagen, wenn einer eine Maske trägt, dass ihn das nicht stört. Das ist eine klare Behinderung", wetterte der Kaiser auf "Sky".

Ein Gesichtsschutz als Corpus Delicti in der Nachspielzeit in Leverkusen. Maskenmann Martin Demichelis wollte einen Rückpass auf Torhüter Jörg Butt spielen, gab dem Ball aber viel zu wenig Fahrt mit. Eren Derdiyok wählte zum ersten Mal in diesem Spiel den richtigen Laufweg und tauchte plötzlich samt Ball vor Butt auf.

Dem Schweizer muss das Herz in die Hose gerutscht sein, anders ist der folgende Move nicht zu erklären. Derdiyok versuchte zaghaft, rechts an Butt vorbeizugehen, statt den Ball aus 15 Metern einfach ins Tor zu schießen. Butt und schließlich Daniel van Buyten beendeten die brenzlige Situation ohne schwerwiegende Folgen.

Es war Leverkusens letzte von zahlreichen Großchancen, das Duell mit dem FC Bayern gewinnbringend zu entscheiden. Toni Kroos war wenige Minuten vorher ähnlich freistehend ähnlich kläglich gescheitert. Deutlich mehr Pech hatte Stefan Kießling mit einem Kopfball an den Pfosten. Der falsche Effet der Kugel verhinderte die alleinige Führung des Stürmers in der Torjägerliste.

Bayern mit einem Punkt zufrieden

Wie in Manchester bewegte sich der FC Bayern auch in Leverkusen auf einem schmalen Grat. Das Pendel schlägt in den Endspiel-Wochen jedoch fast immer zugunsten der Münchner aus.

"Leverkusen hatte mehr Chancen als wir, das Spiel zu gewinnen", sagte Louis van Gaal. Der Bayern-Trainer war erleichtert, dass auch der letzte Auftritt seiner Globetrotter auf der Europatour wenigstens zum Teil positiv endete. Selbst der Fehler von Schiedsrichter Knut Kircher, das klare Foul von Hans Sarpei an Thomas Müller nicht mit dem fälligen Elfmeter zu ahnden, kümmerte van Gaal wenig: "Es wäre nicht verdient gewesen, noch einen zweiten Elfmeter zu bekommen."

Auch wenn sie in Leverkusen nur einen Punkt geholt haben, gehen die Bayern als Gewinner aus dem 30. Spieltag hervor. Die Werkself hat sich endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet und Schalke 04 tat den Bayern mit der 2:4-Pleite in Hannover einen großen Gefallen.

Zwei Tage nix tun

"Wir wollten hier drei Punkte holen, aber der eine ist okay. Wir sind weiter Erster und haben vier Spieltage vor Schluss zwei Punkte Vorsprung, von daher stehen die Chancen auf die Meisterschaft gut", sagte Bastian Schweinsteiger, mit 107 Ballkontakten und 71 Prozent gewonnenen Zweikämpfen einmal mehr bester Bayern-Spieler.

Mit Hannover, Mönchengladbach, Bochum und Hertha BSC haben die Bayern das leichteste Restprogramm der Titelkandidaten. Geist und Körper dürfen sich nach den Strapazen in allen drei Wettbewerben erstmal erholen. Nach dem Auslaufen am Sonntag will van Gaal seine Spieler zwei Tage nicht sehen. "Die Pause tut uns sehr, sehr gut. Jetzt reicht's mal mit den englischen Wochen", sagte Philipp Lahm.

In Leverkusen vertändelten die Bayern in der Schlussphase viele einfache Bälle, retteten sich aber mit Kampf und Durchhaltevermögen über die Zeit. "Die Spieler haben Fehler gemacht, die zeigen, dass Kraft und Kondition nachlassen. Aber was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat, ist phantastisch, da muss man den Hut vor ziehen", sagte Beckenbauer.

Schalke geht die Luft aus

Die Verfolger kapitulieren bereits vor den Phantastischen. Leverkusen will irgendwie vor Dortmund und Bremen bleiben und auf Schalke beginnt nach der zweiten Niederlage in Folge der Selbstzerfleischungsprozess.

"Wenn man gegen die schlechteste Abwehr der Liga in der ersten Halbzeit nicht einen Torschuss hinbekommt, hat das nichts mit Druck zu tun. Wir waren einfach schwach", sagte Kapitän Heiko Westermann. Trainer Magath sprach seiner Mannschaft den unbedingten Siegeswillen ab und Manuel Neuer bewertete seine eigene Leistung und die seiner Kollegen als amateurhaft.

Königsblau geht hinten raus der Saft aus. Wie Pennäler nach einer vermurksten Klassenarbeit saßen die Spieler in Reih und Glied auf der Auswechselbank und diskutierten die begangenen Fehler.

Aufmunterung kam ausgerechnet von einem, der einst nicht mehr gut genug war. "Ich wünsche Schalke den Titel. Wir spielen ja auch noch gegen Bayern", sagte Ex-Knappen-Coach Mirko Slomka. Nächsten Samstag gastiert er mit 96 in München. Die Bayern werden ihren Akku bis dahin wieder aufgeladen haben. Und Demichelis wird auch nicht behindert. Die Maske soll in den nächsten Tagen ab.

Leverkusen - Bayern: Daten zum Spiel

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